KI-Zoff beim Frühlingsfest: Warum Münchens Maßkrug so polarisiert
Ein Kommentar von Verena Gründel über den neuen Frühlingsfest-Maßkrug, KI-Halluzinationen und die Frage, ob der Fauxpas genial oder einfach nur seltsam ist.
Wenn KI beim Maßkrug kreativ wird: Münchens Mini-Wiesn sorgt für Wirbel
Erinnert ihr euch an den Oktoberfest-KI-Eklat?
Die Geschichte bekommt eine kuriose Fortsetzung. Und zwar auf dem kleinen Oktoberfest in München, dem Frühlingsfest. Auch das hat ein neues Maßkrugmotiv, Auch hier gibt es KI-Zoff.
Während KI bei der Gestaltung Motivs für das große Oktoberfest verboten war, setzen die Veranstalter des Frühlingsfests voll auf KI.
Doch die hatte beim Gestalten des Motiv offenbar ein Bier zu viel intus. Anders lassen sich die Halluzinationen nicht erklären:
Eine junge Frau trägt drei aneinanderklebende Biergläser. Der Löwe der Bavaria schaut denkbar schief drein. Und der Herr mit Hut hält ein Lebkuchenherz mit Rechtschreibfehler: „Grüs Gott“ schreibt man nicht nur in Bayern mit Eszett (ß).
Die Krüge mit Rechtschreibfehler sind fertig produziert. Die limitierten 1000 Exemplare kann man nicht kaufen. Man muss eine wichtige Münchner Person sein, um einen geschenkt zu bekommen.
Hinter dem Design steckt eine Hausfrau aus München, die laut Fest-Veranstaltern “leidenschaftlich gerne Bilder mit der Hilfe von KI generiert”.
Ich schwöre, das hier ist kein Aprilscherz. Über die wahren Gründe für dieses seltsame Stück erfährt man nichts. Die Veranstalter tun naiv und finden das Motiv gelungen.
Was haben sie sich also dabei gedacht? Ist es Kunst mit eingebauter Gesellschaftskritik? Ein PR-Gag? Oder Rebellion gegen die KI-Diskussionen um das Logo des echten Oktoberfests?
Ich selbst bin mir uneinig, ob ich es genial oder grausig finden soll. Einerseits passt das Motiv wunderbar in die Zeit. In zehn, zwanzig Jahren werden wir über den Krug grinsen, weil, stimmt ja, damals haben die KIs noch so komisch halluziniert und Hände mit fünf Fingern produziert.
Trotzdem zweifele ich an der Absichtlichkeit. Diese Art von Systemkritik traue ich den Schaustellern einfach nicht zu. Und auch nicht der Hausfrau.
Aber vielleicht unterschätze ich die Münchner.
Eines haben sie zumindest geschafft: FOMO. Ich hätte wahnsinnig gern einen solchen Krug. Zeitgeist in Ton gegossen.
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