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Weibliche Führungskräfte – mit Frauenpower durch Krisenzeiten

Weibliche Führungskräfte und wie sie ihre Unternehmen in Krisenzeiten anführen
Bild: © rh2010 / Adobe Stock

Meistern Frauen Krisen besser? – eine Frage, viele Facetten

Vor allem in schwierigen und ungewissen Zeiten, etwa während der Corona-Pandemie, ist das Verhalten von Führungskräften entscheidend für den Unternehmenserfolg. Welche Vorteile haben Unternehmen mit weiblichen Führungskräften? Im August haben wir im ersten Teil bereits mit Shelley Zalis, CEO von The Female Quotient, über diese Frage gesprochen. Gerne möchten wir das Thema noch einmal aus einer weiteren Perspektive beleuchten. Da weibliche Führungskräfte insbesondere im lateinamerikanischen Raum immer noch stark unterrepräsentiert sind, haben wir dazu Izabela Ianelli und Lori Lizarraga interviewt.

Obwohl Gleichstellung kein neues Thema ist, sind weibliche Führungskräfte in vielen Branchen immer noch in der Minderheit. Könnte sich das bald ändern?

Izabela Ianelli: Ich arbeite täglich daran, das zu ändern, und ich bin fest davon überzeugt, dass der Wandel bereits begonnen hat. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es in meiner Nähe Beispiele für Frauen in Führungspositionen gab, als ich noch ein Kind oder ein Teenager war. Wenn ich mich heute umschaue und andere Frauen in Führungspositionen sehe, wird mir klar, dass wir in der Arbeitswelt bereits neue Wege beschreiten.

Lori Lizarraga: Davon bin ich überzeugt! Frauen haben so viele gesellschaftliche Barrieren überwunden, um in der Berufswelt dorthin zu gelangen, wo wir heute stehen. Und die Branchen kratzen gerade erst an der Oberfläche unseres Potenzials! Frauen sind Führungspersönlichkeiten, Macherinnen, die Herausforderungen annehmen, in Teams denken, vorwärts gehen, multitaskingfähig sind, und zielorientierte Problemlöserinnen, die jedes Mal, wenn wir uns etwas vorgenommen haben, das auch erreichen werden. Das sind die Köpfe, die sich jedes Unternehmen als Führungspositionen wünschen sollte!

Izabela Ianelli über die Bedeutung weiblicher Führungskräfte in Krisenzeiten
Izabela Ianelli ist Digital Director von Endemol Shine Brasil. Im DMEXCO Interview spricht sie über das Thema „weibliche Führungskräfte“.

Anfang des Jahres kamen jeweils Studien der Harvard University und der University of Liverpool zu dem Schluss, dass Länder, die von Frauen geführt werden, die COVID-19-Krise offenbar besser überstehen. Welche Vorteile haben weibliche Führungskräfte gegenüber männlichen Führungskräften in Krisensituationen?

Izabela Ianelli: Weibliche Führungskräfte haben die Fähigkeit, die vielen Seiten einer einzigartigen Situation zu berücksichtigen und wichtige Entscheidungen zu treffen, die große Veränderungen bewirken, ohne dabei die menschlichen Bedürfnisse zu vergessen. Ich glaube, das ist unser Geheimnis!

Lori Lizarraga: In meinem Leben bin ich umgeben von vielen starken Frauen aufgewachsen. Meiner Erfahrung nach denken Frauen zwei, drei oder sogar vier Schritte voraus. Wir können unerwartete Situationen oder Worst-Case-Szenarien bewältigen, ohne in Panik zu geraten. Wir sehen ein Problem und fangen sofort an, es zu umgehen oder auseinanderzunehmen, um die Lösung oder eine Alternative zu finden. Tatsächlich lösen viele von uns täglich Minikrisen in ihrem eigenen Leben oder für ihre eigenen Familien. Es liegt auf der Hand, dass diese Fähigkeiten den Frauen während der Pandemie von großem Nutzen sein werden.

Lori Lizarraga ist überzeugt: Weibliche Führungskräfte verfügen über jede Menge Potenzial
Lori Lizarraga ist eine ecuadorianisch-mexikanisch-amerikanische Journalistin aus Texas. Lies hier, wo sie die Potenziale weiblicher Führungskräfte sieht.

Die Tatsache, dass die Art und Weise, wie Frauen kommunizieren, ein wichtiger Faktor bei der Bewältigung von Krisen ist, wurde ebenfalls hervorgehoben – was können Männer hier von Frauen lernen?

Izabela Ianelli: Der Prozess der Kommunikation in Krisenzeiten muss auf Wahrheit und Vertrauen beruhen: Frauen geben schon früh am Anfang zu, dass Krisen auftreten, und investieren Zeit, um die Probleme und die vorgeschlagenen Lösungen zu verstehen. Wenn sie dies anderen dann mitteilen, glauben sie also auch selbst daran.

Lori Lizarraga: Viele von uns wissen, dass Kommunikation ein Prozess ist, der am wirkungsvollsten ist, wenn sowohl Zuhören als auch Lernen dazugehören. Will man es richtig angehen, bedeutet das, dass man Feedback annimmt, gute Ideen aufgreift, Fehler korrigiert und Verfahren verbessert – und nicht nur mit dem Kopf nickt und jemandem das Gefühl gibt, „gehört zu werden“. Wenn es um Kommunikation geht, ist jeder anders, und ich denke, jeder bringt etwas Wichtiges mit ein. Besteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern aus einem breiten Altersspektrum, die einen großen Pool verschiedener Ethnien und Hintergründe repräsentieren, und fühlen sich all diese Stimmen ermächtigt und wertvoll, wird das Niveau der produktiven und effektiven Kommunikation ihren Höhepunkt erreichen.

Frauen wird oft vorgeworfen, sich nicht für Führungspositionen zu bewerben und sich bei Beförderungen zurückzuhalten. Sind Frauen zu selbstkritisch, hindert sie das am Weiterkommen und wie können wir stereotype Vorurteile bekämpfen?

Izabela Ianelli: Historisch gesehen hat die Gesellschaft den Frauen Grenzen auferlegt. Ich zweifle nicht daran, dass sich diese Grenzen immer noch direkt darauf auswirken, wie sich Frauen am Arbeitsplatz verhalten und wie sie die Arbeit in ihr Leben einbeziehen. Wir müssen täglich gegen Vorurteile ankämpfen. Das große Ziel ist die Förderung eines integrativeren und sichereren Arbeitsumfelds, in dem Frauen sich ermutigt fühlen, zu wachsen und höhere Positionen anzunehmen.

Lori Lizarraga: Wenn Frauen nicht befördert werden, sollten wir uns das System ansehen, das sie so lange davon abgehalten hat, aufzusteigen. Wenn es für eine Frau keine echte Chance gibt, sich bei einer Beförderung gegen ihre männlichen Kollegen durchzusetzen, warum sollte sie es dann versuchen? Wenn eine Frau nicht sicher ist, dass ihr neuer Titel wirklich respektiert wird oder ihr mehr Autorität am Arbeitsplatz verleiht, will sie ihn dann überhaupt? Wenn die Mutterschaft einer Frau gegen sie verwendet wird, anstatt als die mächtige Rolle gesehen zu werden, die sie ist, ist es nur fair, dass sie sich fragt, ob ihr die Beförderung wirklich helfen oder schaden wird. All diese Szenarien sind für viele Frauen in vielen Branchen auf der ganzen Welt immer noch sehr reale Probleme. Die Berufswelt hat noch einen weiten Weg vor sich, um Frauen wirklich die Anerkennung zukommen zu lassen, die wir verdienen, und ein entsprechendes Gehalt zu bekommen. In dem Maße, in dem sich diese Verbesserungen fortsetzen, werden weibliche Führungskräfte auch weiter in Spitzenpositionen aufsteigen!

Das WOW Dinner ist Teil einer Reihe inspirierender globaler Networking-Veranstaltungen, die rund um den Globus stattfinden und darauf abzielen, Diversität und Empowerment von Frauen in der Technologiebranche und verwandten Branchen zu fördern.

 

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