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New Work: Wie Sinnhaftigkeit das Arbeiten verändert

Diversität, Nachhaltigkeit, Flexibilität sind nur einige Arbeits-Prinzipien von New Work.
Bild: Avi Richards / Unsplash.com

Definition New Work: der Vordenker Frithjof Bergmann

„New Work“ lautet das hippe neue Schlag- und Zauberwort. Es impliziert viele Prinzipien – wie der Name schon sagt, haben sie alle gemeinsam, dass sie sich mit Arbeit beschäftigen und mit Konventionen brechen. Ins Spiel gebracht wurde der Begriff in den 1970er-Jahren vom Sozialphilosophen Frithjof Bergmann, der im heutigen Sachsen-Anhalt geboren wurde, in Österreich aufwuchs und schließlich in den USA lebte. Er erkannte, dass der Kapitalismus mit seiner gewinnorientierten Produktionsweise durch das Voranschreiten der Technologisierung irgendwann an seine Grenzen gelangen würde.

Mit dem unweigerlich kommenden Ende der konventionellen Lohnarbeit würden nicht nur neue Arbeitsprinzipien benötigt, sondern gleich eine ganz neue Arbeitskultur. Die neue Arbeit werde geprägt von einer neuen Organisationsform, von Freiheit und von Sinnhaftigkeit. Die unliebsamen Teile der Arbeit würden Maschinen übernehmen. Gleichzeitig würden Arbeit und Geld voneinander getrennt. Der Job würde nicht mehr den Inhalt des Lebens darstellen, prophezeite Bergmann.

New Normal: Gestern noch radikal, heute schon gängige Praxis

Digital Nomads, Home Office, bedingungsloses Grundeinkommen – schon vor der Corona-Pandemie setzen sich einige New-Work-Ideale immer mehr durch. Durch die Geschehnisse der letzten zwei Jahre sind sie dann aber mit rasantem Tempo in der Mainstream-Arbeitswelt angekommen. Der Wandel verlief so schnell und grundlegend, dass er mit dem Begriff „New Normal“ beschrieben wird.

Auf der DMEXCO 2021 gab es eine interessante Session zum Thema New Work.

New Work ist deshalb so mächtig, weil es einen Zeitgeist trifft, der in fast allen westlichen Kulturen nachweisbar ist. Die im Begriff inhärente Kapitalismuskritik wird im 21. Jahrhundert mit der Postwachstumsgesellschaft beschrieben. Heutzutage sorgen Smartphones und Computer in der Arbeitswelt dafür, dass es keinen wirklichen Feierabend mehr gibt, sondern eher fließende Übergänge zwischen Freizeit und Arbeit. Der Anspruch von New Work ist es, die Zeit nun möglichst sinnvoll zu füllen – privat und beruflich.

Millenials und Gen Z: Ökologie, Nachhaltigkeit, Diversität, Fairness

Die sogenannten Millennials (auch als Generation Y bezeichnet), also die Generation zwischen 1980 und 1990 geborener Menschen, sind derzeit die großen Treiber der New-Work-Bewegung. Es gilt ihnen, das eigene Privatleben und das Berufsleben möglichst gut in den Griff zu bekommen, ohne Abstriche machen müssen. Diese Tendenzen werden von der nachfolgenden Gen Z noch verstärkt, die zudem noch viel größeren Wert auf Themen wie Ökologie, Nachhaltigkeit, Diversität und Fairness legt.

Was zunächst nach hehren Idealen klingt, ist durchaus konsistent in der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Für Familien in westlichen Kulturen ist es heutzutage kaum noch vorstellbar, dass die Frauen die Hausarbeit verrichten, während die Männer im Betrieb arbeiten gehen. Allein daraus erwächst das Bedürfnis nach neuen Organisationsformen, um Familien- und Berufsleben sinnvoll und angenehm zu vereinbaren. New Work beschäftigt sich aber auch mit der Grundsatzfrage, wie Arbeit ökologisch und fair organisiert werden sollte.

Wichtige New-Work-Prinzipien

Sinn-Ökonomie (Purpose)

Arbeitnehmer:innen erwarten zunehmend eine Sinnhaftigkeit von Jobs. Diese Erwartungshaltung steht der Fließbandarbeit gegenüber, der ikonischen Arbeitsform der Industrialisierung. New Work beinhaltet eine sinnvolle Arbeitsweise, aus der am Ende auch ein sinnvolles Produkt hervorgeht. Im englischsprachigen Raum wird Sinnhaftigkeit in diesem Zusammenhang oftmals mit dem Attribut Purpose-Driven zusammengefasst.

Flexibilität

Ein wichtiges Merkmal von New Work – und vermutlich auch das Merkmal, das häufig mit dem Begriff gleichgesetzt wird – ist die Loslösung der Arbeit vom Arbeitsplatz. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten Unternehmen innerhalb kurzer Zeit infrastrukturelle Grundlagen schaffen, damit die Arbeitnehmer:innen von daheim produktiv bleiben können. Diese Flexibilität setzt sich zunehmend in Büros durch: Die Konzepte verabschieden sich immer mehr vom Arbeiten an eigenen Schreibtischen und verschieben sich zu gemeinschaftlich genutzten Arbeitsflächen.

Arbeit wird aber auch zunehmend inhaltlich flexibler. Die heutigen Aufgaben erfordern ein hohes Maß an Bereitschaft zur Weiterbildung und Offenheit für neue Methoden. Und nicht zuletzt wird die eigentliche Arbeitszeit immer flexibler. Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Modellen wie Gleitzeit, Vollzeit, Kurzarbeit und Job Sharing.

Nachhaltigkeit, Postwachstum und Suffizienz statt Effizienz

New Work hat seine Ursprünge in einer kapitalismuskritischen Denkweise. Suffizienz ist ein Begriff, der eng mit dem Thema Nachhaltigkeit verbunden ist und die Entkopplung von Wachstum und Kommerzialisierung beschreibt. Die Suffizienz steht der Effizienz gegenüber. Anstatt immer besser, schneller und erfolgreicher zu arbeiten, sollte der Punkt erreicht werden, an dem das optimale Maß jeglicher Parameter im Einklang mit ökologischen und sozialen Ressourcen erreicht wird.

Soziale Gerechtigkeit

Eine der großen Stärken von New Work liegt darin, dass sich potenzielle Arbeitnehmer:innen, die bislang von Karrieremöglichkeiten ausgeschlossen waren, durch neue Prinzipien inkludiert werden. Diese Tendenz findet zwar ihren Ursprung in dem zutiefst kapitalistischen Bedürfnis nach Arbeitskräften. Keine Volkswirtschaft der Welt kann es sich noch leisten, auf Frauen zu verzichten. Somit werden bestehende Hierarchien aufgebrochen und weiteren, bislang marginalisierten Gruppen von Personen ermöglicht, die gleichen Karriereschritte einzuschlagen, die Generationen zuvor fast ausschließlich in der Hand von weißen Männern war. Diversität, soziale Gerechtigkeit und Inklusion sind daher wichtige New-Work-Prinzipien.

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