Neuer Online-Zahlungsanbieter: Wagt Wero den Angriff auf PayPal?
Die Welt des E-Commerce horcht auf: Der Online-Zahlungsanbieter Wero plant die Expansion. Das europäische Projekt will eine Alternative zu PayPal, Apple Pay und Co. darstellen. Doch Wero steht noch vor großen Hürden.
Status quo: PayPal bleibt Nummer 1 der Online-Zahlungsanbieter
Der Markt der Online-Zahlungsdienstleister wird aktuell von einem Platzhirsch dominiert: PayPal. Das belegen aktuelle Zahlen vom Mai 2026 für den deutschen E-Commerce-Raum, die das EHI Retail Institute erhoben hat. Der EHI-Erhebung „Online-Payment 2026“ zufolge laufen 28,7 Prozent des Umsatzes über PayPal. Dahinter kommen der Kauf auf Rechnung mit 26,1 Prozent, Bezahlen per Lastschrift mit 14,4 Prozent und Kredit- sowie Debitkarten mit 13,7 Prozent. Bei der regelmäßigen Untersuchung wird erstmals Apple Pay explizit genannt: Die bei Apple-User:innen etablierte Lösung kommt auf 1,3 Prozent Anteil am Umsatz.
Mit Wero will nun ein neuer Anbieter im Online-Payment-Markt Fuß fassen.
Wero: Europäischer Zahlungsdienstleister für Online Shops und P2P
Wero ist mehr als ein neuer Zahlungsanbieter. Das Projekt steht für den Versuch Europas, beim digitalen Bezahlen unabhängiger von US-Konzernen zu werden und eine eigene Zahlungsinfrastruktur aufzubauen. In den vergangenen Jahren entwickelte die EPI dafür einen alternativen Dienst für Mobile Payment.
Zunächst war das Angebot ausschließlich dafür geeignet, zwischen Personen unkompliziert und schnell Geld zu versenden: Eine Handynummer oder E-Mail-Adresse reicht aus, um zwischen Wero-Kund:innen Geld zu transferieren. Nun expandiert Wero in den E-Commerce und positioniert sich dort als europäische Alternative zu etablierten Zahlungsanbietern.
Welche Vorteile bietet Wero Händler:innen?
Wero verspricht dir als Händler:in mehrere Vorteile, wenn du das Online-Bezahlsystem in deinen Shop integrierst.
Dazu gehören:
- Geringere Transaktionskosten: Die Gebühren für Transaktionen mit Wero liegen meist um die 0,77 Prozent des Umsatzes. Damit unterbieten sie sowohl PayPal als auch gängige Kreditkartenzahlungen.
- Sofortige Liquidität: Da Wero mit Echtzeitüberweisungen via SEPA Instant Payments arbeitet, kommt das Geld sofort bei den Händler:innen an. Das verbessert deine Liquidität.
- Hohe Datenschutzstandards: Als europäisches Projekt verspricht Wero Anbieter:innen und User:innen besonders hohe Datenschutzstandards. Dieser USP soll Wero auch von der Konkurrenz aus den USA abgrenzen. Allerdings nutzt Wero Stand Mai 2026 noch Dienste des US-Unternehmens Amazon Web Services (AWS), was Daten zumindest theoretisch anfälliger für Zugriffe aus den USA macht.
Darüber hinaus soll Wero dazu beitragen, technische Standards und Wertschöpfung im Zahlungsverkehr stärker in Europa zu verankern.
Auch wenn Wero heute noch weit von der Marktmacht etablierter Anbieter:innen entfernt ist, sollten Händler:innen die Entwicklung beobachten. Zahlreiche europäische Banken unterstützen die Initiative aktiv und verschaffen Wero Zugang zu Millionen potenzieller Nutzer:innen. Hinzu kommt ein strategischer Aspekt: Viele Händler:innen möchten ihre Abhängigkeit von einzelnen Plattformen und Zahlungsanbietern reduzieren. Wero könnte künftig eine zusätzliche Option schaffen, um Checkout-Prozesse breiter aufzustellen.
Wo können Kund:innen mit Wero online bezahlen?
Wero baut sein Angebot im E-Commerce aktuell Schritt für Schritt aus. Bisher bietet jedoch nur eine kleine Anzahl an namhaften Shops und Plattformen Wero als Bezahlmethode an oder haben die Einführung angekündigt:
- Eventim
- Lidl
- Hornbach
- Rossmann
- Decathlon
- Wolt
- a&o hostels
Die Liste zeigt zugleich die größte Herausforderung für Wero: Trotz erster namhafter Partner ist die Verbreitung im Handel bislang noch begrenzt. Von einer flächendeckenden Akzeptanz im E-Commerce ist der Anbieter aktuell noch entfernt.
Gut zu wissen: Wero ist neben Deutschland bereits in Frankreich und Belgien verfügbar. Zeitnah sollen zudem zunächst die Niederlande und Luxemburg dazukommen.
POS-Rollout als eigentliche Bewährungsprobe
Der nächste Wachstumsschritt führt Wero vom E-Commerce in den stationären Handel. Technisch setzt Wero das mithilfe dynamischer QR-Codes um, die von Kund:innen zum Bezahlen gescannt werden. Strategisch rückt Wero damit eine Entwicklung in den Fokus, die den gesamten Commerce-Markt prägt: die Verschmelzung von Online- und Offline-Erlebnissen. Für Verbraucher:innen spielt der Channel heutzutage kaum noch eine Rolle. Entscheidend ist ein reibungsloser Checkout. Für Wero könnte daher weniger die Technologie als die Fähigkeit zur nahtlosen Omnichannel-Integration über den langfristigen Erfolg entscheiden.
Trustpilot-Score zeigt: Kund:innen bisher kritisch
Wero hat nicht nur beim Werben um die Gunst der Shop Anbieter:innen noch einen weiten Weg vor sich: Das Wero Wallet hat Stand Juni 2026 in dem Bewertungsportal Trustpilot einen niedrigen Score von 1,3 (ungenügend).
Allerdings sollten solche Bewertungen mit Vorsicht betrachtet werden. Zahlungsdienstleister werden auf Bewertungsplattformen häufig vor allem dann bewertet, wenn Probleme auftreten. Dennoch zeigen die Zahlen, dass Wero beim Aufbau von Vertrauen und Nutzer:innenzufriedenheit noch vor Herausforderungen steht. Schließlich geben Verbraucher:innen Zahlungsdiensten Zugriff auf ihre Bankverbindungen. Vertrauen und eine positive User Experience gehören daher zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren.
Investitionen nötig: Neue Online-Zahlungsanbieter haben es schwer
Damit User:innen Wero nutzen, muss die Bezahlmethode in möglichst vielen Shops verfügbar sein. Gleichzeitig lohnt sich die Integration für Händler:innen erst dann, wenn genügend Kund:innen den Dienst verwenden. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Wero aktuell.
Doch die EPI investiert massiv in den Ausbau von Wero und verfolgt das Ziel, den Dienst als zusätzliche Option im europäischen Zahlungsmarkt zu etablieren. Das zeigt bereits Früchte: Konnte Wero im Januar 2026 noch etwa 3 Millionen User:innen in Deutschland verzeichnen, waren es im Mai bereits 7,2 Millionen. Bis Ende des Jahres sollen es sogar 12 Millionen User:innen sein.
Noch ist offen, wie sich Wero im Markt etablieren wird. Für Händler:innen ist jedoch bereits heute relevant, dass es mit Wero einen weiteren Akteur im Payment-Markt gibt, der den Wettbewerb erhöhen und neue Optionen für den Checkout schaffen könnte.
Für Händler:innen geht es deshalb nicht nur um die Frage, ob Kund:innen heute mit Wero bezahlen wollen. Entscheidend ist vielmehr, welche Rolle europäische Zahlungsinfrastrukturen künftig im Commerce spielen werden.
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