KI in der Werbung
KI könnte in der Werbeproduktion künftig für mehr Nachhaltigkeit sorgen, kommentiert Verena Gründel.
98,8 Prozent weniger CO2 durch KI-Einsatz
Diese Zahl bleibt hängen, weil sie so gar nicht zu den üblichen KI-Debatten in der Werbung passt.
Sie stammt aus der neuen WISO-Steuer-Kampagne „Safe“, die vollständig KI-basiert produziert wurde. Kein Drehtag, kein Set, keine Reisen, kein Materialtransport. Statt eines klassischen Realfilms mit durchschnittlich rund 9,2 Tonnen CO₂-Äquivalenten verursachte die Produktion für die Steuererklärungssoftware etwa 100 Kilogramm.
Der größte Emissionstreiber war nicht Logistik oder Technik vor Ort, sondern Rechenleistung. Allerdings wurde hier nur vom freigegebenen Skript bis zur finalen Auslieferung gemessen, berichtet Absatzwirtschaft.
Über Einsparungen durch KI wird viel gesprochen, aber hier geht es vor allem um Arbeitskraft und Geld. Dabei liegt gerade für Nachhaltigkeit ein Hebel in der der KI, der sofort wirkt.
Studien zeigen, dass Marken, die KI, Carbon-Tracking und Automatisierung einsetzen, ihre digitalen Emissionen um 20 bis 30 Prozent senken können – allein durch effizientere Abläufe, weniger Streuverluste und weniger unnötige Prozesse. Die DMEXCO berichtete. Der WISO-Case geht darüber hinaus, weil er nicht optimiert, sondern neu gedacht wurde.
Man muss ehrlich sagen: Der Spot ist keine kreative Höchstleistung. Aber das ist eine andere Diskussion. Die entscheidende Frage lautet in dem Fall nicht, ob KI bessere Ideen hat als Menschen. Sondern ob wir wirklich weiterhin ganze Teams um die Welt schicken müssen, um 30 Sekunden Bewegtbild zu produzieren. Viele dieser Routinen stammen aus einer Zeit, in der Ressourcen scheinbar unbegrenzt waren. Und selbst die Covid-Jahre haben sie uns nicht nachhaltig ausgetrieben.
KI in der Werbung wird häufig als Bedrohung für Kreativität oder Arbeitsplätze diskutiert. Diese Perspektive greift zu kurz. Der Fall WISO zeigt eine andere, bisher wenig beachtete Seite: KI als Instrument für messbare ökologische Verantwortung.
Vielleicht ist genau das der Teil der KI-Debatte, den wir jetzt ernster nehmen sollten.