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Female Founder Initiative – für mehr Frauen in der Tech-Branche

Die Female Founder Initiative unterstützt Gründerinnen bei ihrem Business-Vorhaben.
Bild: © fizkes / Adobe Stock

Spitzenreiter der ungleichen Verteilung bei Start-up-Gründungen

Der Female Founders Monitor 2020 stellt eine deutliche Schieflage hinsichtlich des Geschlechts von Gründerinnen und Gründern fest:

25 %
und mehr ist der Anteil an Start-up-Gründerinnen bei den weltweiten Spitzenreitern Chicago und Großraum Dublin.
23 %
der Start-ups in New York City und Shanghai werden von Frauen gegründet.
15.7 %
ist nur der Anteil an Start-up-Gründerinnen in Deutschland.

Das Ungleichgewicht trifft nicht nur auf Start-up-Gründungen, sondern auch auf Vorstandsebenen zu: Laut des AllBright-Berichts aus dem Herbst 2020 sind gerade einmal 12,8 Prozent Frauen in deutschen Vorständen vertreten; in den USA sind es immerhin 28,6 Prozent. Während dort knapp die Hälfte der Unternehmen einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent im Vorstand vorweisen kann, fällt die Bilanz in der deutschen Vorstandslandschaft erschütternd aus: Hier erreicht kein einziges Unternehmen diese Mindestquote.

Der Thomas-Kreislauf in der Führungsetage & andere Gründe

Warum ist das so? Und warum gründen so wenige Frauen? Die Idee des „Machers“ ist überwiegend mit vermeintlich männlichen Eigenschaften wie Aktivität, Mut und Wirksamkeit jenseits des privaten Raums konnotiert. Dabei können Frauen im Durchschnitt bessere schulische Leistungen als ihre männlichen Altersgenossen vorweisen. Hier scheint das Mindset bedeutsam zu sein: So wirkt sich möglicherweise die mangelnde Erfahrung mit Misserfolgen in der Schule negativ auf die Risikobereitschaft aus. Selbst von den gründungswilligen Frauen würde laut einer Befragung (Female Founders Monitor 2020) nur knapp die Hälfte eine Neugründung nach dem Scheitern des aktuellen Unternehmens in Angriff nehmen – bei den Männern würden 63,6 Prozent einen neuen Anlauf wagen.

Wie die AllBright-Stiftung anhand von Studien zeigt, ist es vor allem der sogenannte Thomas-Kreislauf, der für die männliche Dominanz in Vorständen und Führungspositionen verantwortlich ist: Sage und schreibe 5 Prozent aller Vorstandsvorsitzenden in Deutschland heißen tatsächlich Thomas und rekrutieren am liebsten Männer, die ihnen am meisten ähneln. Auf diese Weise reproduzieren sich mehr oder minder homogene, exklusive Netzwerke von Männern, zu denen Frauen schwerlich Zugang finden bzw. erhalten, etwa zu Investoren und Business Angels.

Zur Veranschaulichung:

49 von 630 Männern
in den Vorständen von DAX, MDAX, TecDAX und SDAX heißen Thomas oder Michael.
46 Frauen stehen 630 Männern
als Vorständinnen gegenüber.

Diese Verteilung wirkt sich vielschichtig auf gesellschaftliche Konzeptionen von Unternehmertum aus. Analog verhält es sich bei den Studienfächern: Während Frauen und Männer etwa gleichauf in Bezug auf Abschlüsse in den Wirtschaftswissenschaften sind, finden sich deutlich weniger Absolventinnen (3,6 Prozent) der Informatik, Computer Science oder Mathematik als Absolventen (17,9 Prozent, gemessen an der Gesamtzahl aller Studienabschlüsse; anders als in den Naturwissenschaften: 13,5 Prozent Absolventinnen vs. 8,5 Prozent Absolventen; Female Founders Monitor 2020). Initiativen wie „Made with Code“ von Google oder Girls Who Code streben an, den Gender Gap in der Tech-Branche frühzeitig zu schließen.

Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist die Familienplanung. Für Frauen spielt in der Lebensphase, in der am häufigsten gegründet wird, nämlich im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine große Rolle. Hinzu kommt, dass viele Venture Capitalists, meist männlich, nicht in Start-ups von Frauen investieren wollen, weil die Rendite in deren Geschäftsmodellen wie B2C-Shops nicht so hoch ausfällt wie bei skalierbaren Unternehmensmodellen. Glücklicherweise ist auch in diesem Punkt ein Sinneswandel festzustellen. Der New Yorker Fonds Golden Seeds hat beispielsweise über 100 Millionen US-Dollar in Start-ups von Frauen investiert, der Female Founders Fund weit über 27 Millionen US-Dollar, und auch in Deutschland haben sich die Investorinnen von Auxxo dies auf die Fahne geschrieben.

Mehr Frauen in IT- & Tech-Branche, langfristig höhere Renditen

Erfreulich ist, dass der Anteil der Start-up-Gründerinnen in Deutschland steigt, wenn auch in kleinen Schritten. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag der Anteil deutscher Gründerinnen bei 15,7 Prozent, im Jahr 2018 bei 15,1 Prozent und im Jahr davor bei 14,6 Prozent (Deutscher Startup Monitor 2020). Schaut man sich Existenzgründungen im Allgemeinen – also nicht nur auf Start-ups bezogen – an, bemisst sich der Anteil von Frauen auf 36 Prozent.

Um den international vorhandenen Gender Gap in der Tech-Branche von durchschnittlich 14,4 Prozent zu verringern, haben sich das WomenTech Network und The Founder Institute bereits 2016 zusammengetan und die Female Founder Initiative ins Leben gerufen. Schließlich ergaben unter anderem die Untersuchungen der Boston Consulting Group, dass Start-ups von Frauen im Laufe von 5 Jahren 10 Prozent mehr Umsatz generieren als jene von Männern. Deutlicher wird das Ganze anhand dieser Zahlen:

78 Cents
erwirtschaften Frauen pro 1 US-Dollar Investment
31 Cents,
also weniger als die Hälfe, generieren Männer pro 1 Dollar Investment

Wer Schecks ausstellt, ist also gut beraten, genauer hinzuschauen, denn gemischte Teams und Frauen sind statistisch gesehen vielversprechend für nachhaltiges Wachstum.

Mehr Sichtbarkeit und Mut dank Netzwerk und Unterstützung

Die Female Founder Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, Frauen bessere Bedingungen zu verschaffen, um erfolgreiche Unternehmen aufzubauen. Im Jahr 2018 konnte dank der Female-Founder-Fellowship-Stipendien des international größten Pre-Seed Accelerators und Anbieters von Gründungs- und Startup-Programmen bereits eine Quote von 31 Prozent an Neugründungen durch Frauen im Portfolio des Founder Institute erzielt werden. Dabei stehen die Vernetzung und die Vermittlung von Informationen im Vordergrund.

Das Netzwerk des WomenTech Networks und die Programme des im Silicon Valley ansässigen Founder Institute schaffen hierfür eine Symbiose dieser beiden Grundpfeiler erfolgreichen Gründens: Webinar-Reihen zu Förderungsmöglichkeiten, Feedback-Sessions zum eigenen Pitch Deck, Unterstützung durch Mentorinnen, monatliche Newsletter und ein globaler Slack-Kanal gehören zum Angebot der Female Founder Initiative. Der lokale wie globale Zugang zu wertvollen Kontakten wie Unternehmerinnen und Unternehmern, Investoren und Beratern stellt eine ebenso wichtige Ressource für Gründerinnen dar. Im Netzwerk Mission Female, gegründet von Frederike Probert, steht in ähnlicher Manier der Austausch von Female Leaders im Vordergrund.

Das Female Founder Program: Amsterdam – Silicon Valley

Gründen während einer Pandemie? Für alle Frauen, die sich in der Pre-Seed-Phase ihrer nachhaltigen Start-up-Gründung befinden und trotz beziehungsweise gerade wegen der Pandemie besondere Unterstützung benötigen, gibt es gute Nachrichten. Zusammen mit dem WomenTech Network hat das Founder Institute im Rahmen des Amsterdam-Silicon Valley Virtual 2021 Program ein Female-Founder-Programm auf den Weg gebracht. Dadurch werden Frauen derart unterstützt, dass sie neben ihrem Job Werkzeuge und Input an die Hand bekommen, um den Weg der Gründung ihres eigenen Unternehmens zu meistern. Von der Geschäftsidee, der Teamzusammenstellung, der Akquise erster Kunden über die Finanzierung bis hin zum Aufbau eines Co-Founding Teams gibt es in diesem Format praktische Hilfe, mentale Motivation und unzählige Ressourcen von Expertinnen und Experten.

Um an dem Programm teilzunehmen, müssen sich Gründerinnen in spe bis 21. Februar 2021 unter der URL https://fi.co/join/womentech bewerben.

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