Die Buzzword-Flut im Marketing: Warum wir wieder mehr Substanz brauchen

Ein Kommentar von Verena Gründel über die tägliche Buzzword-Flut, die Tücken mangelnden analytischen Denkens und den Wunsch nach mehr Realität im Business.

Porträt von Verena Gründel
Bild: © Koelnmesse

Wenn schlaue Phrasen die Sicht auf die Fakten vernebeln

Wann hast du das letzte Mal ein Buzzword genutzt, ohne genau zu wissen, was es bedeutet?

Gestern? Vorgestern? Letzte Woche? Sehr wahrscheinlich. Denn wir alle tun es!

Unsere Corporate-Welt und noch mehr die Digitalmarketing-Bubble quellen über vor leerer schlau klingender Worthülsen. Wir – Achtung Buzzword – incentivieren effektheischenden Wortsalat, indem wir ihn auf Bühnen stellen, applaudieren und uns gegenseitig damit übertrumpfen.

Würden wir Meeting-Trinkspiele draus machen oder Phrasenschweine aufstellen – wir wären ständig betrunken und am Ende des Schnaps wäre noch genug Geld fürs Taxi in der Kasse.

 

Man mag das Thema amüsant finden. Schließlich hat es viel Komödiantisches, wenn der Marketing-Highperformer erklärt: „Durch ein AI-gestütztes, Channel-übergreifendes Engagement-Framework können wir Markenpurpose und Performance Marketing seamless verzahnen und wirklich relevante KPIs bewegen.“

Aber der aufgebrezelte Marketing-Bullshit hat auch seine Schattenseiten: Er lenkt vom Kern ab. Er verschleiert schlechte Zahlen, supportet die falschen KPIs, verwässert die Substanz. Er befördert die falschen Menschen und unterstützt sinnlose Strategien. Er lässt falsche Entscheidungen treffen und Geld verschwenden.

Bisher hat meines Wissens niemand ausgerechnet, wie groß der wirtschaftliche Schaden des Bullshits ist, den wir täglich verzapfen. Aber ich bin sicher, er ist signifikant.

 

Diese Woche habe ich in der SZ von Shane Littrell von der Cornell University gelesen. Er hat den Corporate Bullshit Receptivity Scale (CBSR) entwickelt und untersucht, wie empfänglich Menschen für Bullshit-Aussagen sind.

Er fand heraus, so schreibt er im Fachjournal ‚Personality and Individual Differences‘: Personen, die auf Bullshit hereinfallen, denken generell wenig analytisch. Umgekehrt glauben und verbreiten sie eher Nonsense als der Rest.

Trotzdem scheint es genug von ihnen zu geben, denn Bullshit-Bingo funktioniert nun einmal als Strategie. Der Business-Bullshitter kommt meist ungestraft davon. Finden wir das ok?

Ich nicht. Ich nehme mir hiermit vor, die zahlreichen aufgehübschten Worthülsen, die ich ständig höre, noch mehr zu hinterfragen. Denn ich möchte mir nun wirklich nicht nachsagen lassen, nicht analytisch zu denken.

 

Machst du mit? Oder anders gesagt: Supportest du meine Strategy für mehr Reality, Purpose und echte Thought Leadership im Digital Business?

 

PS: Das Buzzword, das ich aktuell ziemlich oft verwende, ist VO2max. Den versuche ich durch Intervall-Läufe steigern, um mein Halbmarathon-Ziel zu erreichen. Was er aber medizinisch genau besagt – und warum er manchmal hoch und wieder runter geht – weiß ich ehrlich nicht genau.

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