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Corporate Venture Building (CVB): Das neue digitale Business-Modell?

Corporate Venture Building – das schlagkräftigste Geschäftsmodell für das digitale Zeitalter?
Bild: © metamorworks / Adobe Stock

Joint Forces von CVBs: Die Symbiose von Entrepreneurship und Konzernstatus

Komplexe Herausforderungen wie der Klimawandel erfordern einen Zusammenschluss unterschiedlicher Stärken, um Innovationen rasch und nachhaltig auf den Weg zu bringen. In klassischen Venture-Capital-Szenarien gelingt es Start-ups oft nicht, sich langfristig am Markt zu etablieren, gleichwohl sie hochinnovativ sind. Kommt es zur Akquise eines Start-ups, wirken sich die Gegensätze zwischen einer disruptiv denkenden Start-up-Führung und dem Konzern-Management oft negativ aus. Nicht selten verlassen die Entrepreneure im Zuge dessen das Unternehmen – gefolgt von Mitarbeitern und dem Mindset, das den Erfolg erst möglich machte.

Der Vorteil von Konzernen wiederum besteht in der langjährigen Erfahrung am Markt sowie entsprechenden Netzwerken, Strukturen, Daten, Wissensbeständen, Know-how und Prozessen, die Innovationen den nötigen Anschub und die entsprechende Etablierung ermöglichen.

Was läge also näher als Kooperationen von Konzernen mit Entrepreneurs, um zukunftsfähige Innovationen mittels neuer digitaler Geschäftsmodelle zu verankern?

Vorzüge von Corporate Venture Building

Im Vergleich zur Investition in Innovation Labs und Accelerator-Programme, in denen die Geldgeber meist kein Mitspracherecht im Vorstand haben, sodass sie ihre strategischen Vorhaben nicht einbringen können, bietet Corporate Venture Building eine gute Alternative für innovationswillige Konzerne. Im Unterschied zum Corporate Venture Capital (CVC) geht es bei CVBs darum, Unternehmen direkt aufzubauen.

Was ist Corporate Venture Building (CVB)?

Corporate Venture Building bedeutet, dass ein Konzern oder Mutterunternehmen, das nicht im Finanzbereich tätig ist, ein eigenständiges Unternehmen in der Art eines Start-ups aufbaut, dessen Geschäftsmodell sich grundlegend von dem des Konzerns unterscheidet.

In Deutschland haben beispielsweise Vattenfall mit Solytic oder die Gothaer Krankenversicherung mit [alley] eigene Corporate Ventures aufgebaut. Und wie die Otto Group Unternehmen im Unternehmen entwickelt, beleuchten wir in diesem Artikel.

Ziele und Funktionen von Corporate Venture Building

  • Berücksichtigung der strategischen Ziele des Mutterunternehmens
  • Entwicklung neuer Geschäftsmodelle
  • Diversifikation
  • Erschließung neuer Märkte
  • Entwicklung komplementärer Produkte oder Dienstleistungen
  • Vorsprung vor Wettbewerbern durch Innovation

Große Unternehmen oder Konzerne können im CVB-Modell Faktoren, die bei Innovation Labs und Accelerator-Programmen mangelhaft sind, ausgleichen. So bieten sie dank ihrer Infrastruktur, die auch Prozesse und weitere Assets umfasst, klare Vorteile für die erfolgreiche Transformation von Unternehmensgründungen mit hochinnovativen Entwicklungen in erfolgreiche Digitalunternehmen. Hinzu kommen Netzwerke, die es Neulingen erleichtern, sich innerhalb regulatorischer und rechtlicher Anforderungen zurechtzufinden.

Strategisch und nachhaltig: Das Potenzial von CVBs

Im Vergleich zu klassischen Venture-Capital-Gesellschaften und -Investitionen dient Corporate Venture Building der Erreichung strategischer Ziele des übergeordneten Unternehmens beziehungsweise Konzerns. Das schließt Renditeinteressen nicht aus, setzt jedoch weniger auf schnell wachsende Unternehmen und skalierbare Produkte, sondern auf langfristige, nachhaltige Lösungen. So steht für das Management eines Konzerns beim Corporate Venture Building die Entwicklung komplementärer Produkte im Vordergrund, um beispielsweise neue Technologien, Geschäftsmodelle und Märkte zu erschließen.

 

Die Zukunft gestalten: Wie CVBs die Welt retten können

Nachhaltigkeit ist das Stichwort für die Bereiche, in denen Corporate Venture Building besonders effektiv und sinnvoll ist: in der Entwicklung von Lösungsansätzen für globale Herausforderungen wie die Klimakrise und die Gesundheitsversorgung. Schließen sich in diesen Bereichen etablierte, erfahrene Unternehmen mit Cleantech-Entrepreneuren zusammen, stehen die Chancen für die tatsächliche Umsetzung der Lösungen gut: Ein Konzern hat den Vorteil der Marktkenntnis; das Mutterunternehmen versteht es, innerhalb so komplexer Regularien, wie sie im Gesundheitswesen, der Pharmaforschung oder Ökologie bestehen, zu agieren. Von dieser Expertise profitieren die CVB-Unternehmen. Sie können sich auf die Produktentwicklung konzentrieren und auf Assets und Strukturen des Konzerns zurückgreifen.

Ein Beispiel dafür ist die Kooperation von Pfizer und BioNTech: Das deutsche Start-up BioNTech, das einen Impfstoff gegen Covid-19 entwickelte, erhält durch seinen starken US-amerikanischen Partner Pfizer Unterstützung in puncto Produktion, Sicherheit, Monitoring und Logistik. Ohne einen Konzern mit bestehender Infrastruktur an seiner Seite würde das Unternehmen seinen Impfstoff schwerlich so schnell auf den Markt bringen können.

Voraussetzungen für erfolgreiches Corporate Venture Building

  • CEO-Support
  • erfahrene CVB-Manager und Gründer
  • schlankes Investment-Komitee
  • Konzern als Mentor
  • klare Schwerpunkte
  • unabhängige Rechtsform

 

Corporate Venture Building: Eine Investition mit langfristigem Mehrwert

Die Investition im Zuge eines Corporate Venture Buildings hängt von der Branche und dem Technisierungsgrad ab: Während in vielen Branchen eine Unternehmensfinanzierung in Höhe von circa 10 Prozent des Konzernbudgets ein guter Richtwert ist, kann diese in technologieintensiven Industrien wie der Automobilbranche durchaus höher liegen. Empfehlenswert ist es daher, die Investitionszahlungen inkrementell zu staffeln und nicht zu viele Experimente gleichzeitig laufen zu lassen.

 

Fazit: Das Geschäftsmodell Corporate Venture Building ist ideal, um ein Mutterunternehmen dank der Innovationskraft eines Corporate-Venture-Unternehmens für die digitale Transformation sowie globale Herausforderungen fit zu machen

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