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Was plant Twitter? Deutschland-Chef Laurent Buanec im Interview

Wohl bei keinem anderen sozialen Netzwerk ist derzeit so viel in Bewegung wie bei Twitter. Mit zahlreichen neuen Features versuchte sich der Dienst mit dem 280 Zeichenlimit vor wenigen Monaten neu zu erfinden, ohne dabei seine Grundcharakteristika zu verlieren.

Twitter bewies zudem gesellschaftliche Verantwortung, indem es wirksame Tools implementierte, um Fake-News und Hatespeech aus den virtuellen Diskussionen fernzuhalten. Schließlich wurde sogar der damalige US-Präsident Donald Trump von der Plattform verbannt.

Triff Laurent Buanec auf der DMEXCO21: 8. September 14:00-14:20 Square Stage.

Es bleibt spannend bei Twitter. Das kalifornische Tech-Unternehmen machte zuletzt mit starken Umsätzen von sich reden.

Twitter hat im vierten Quartal von 2020 global ein Umsatzplus von 28 Prozent bekannt gegeben, erreicht aktuell über 206 Millionen mDAUs (monetizable daily active users) und will laut eigenen Aussagen bis 2023 die Nutzer:innenzahlen verdoppeln. Wie soll dies konkret erreicht werden?

Laurent Buanec: Wir haben uns sehr ehrgeizige Ziele gesetzt, um noch schneller und innovativer zu werden. Wir entwickeln Twitter ständig weiter und implementieren gleichzeitig neue Features wie Spaces oder Super Follows. Auf der Seite der Werbetreibenden werden wir gleichzeitig den Bereich Performance Marketing massiv vorantreiben. Zudem wollen wir die Innovationen und Werbemöglichkeiten sowohl für große Marken als auch für kleine und mittelständische Unternehmen weiter ausbauen. Daher freue ich mich besonders, dass sich die Optimierung unseres Ads-Managementsystems und unser Engagement für Brand Safety auszahlen.

Mit Donald Trump wurde einer der prominentesten und auch umstrittensten Nutzer vom Netzwerk verbannt. Wie sieht die Strategie von Twitter für die Zukunft aus, wenn es um Hassrede und Fakenews geht?

Laurent Buanec: Wir wollen eine sichere Plattform für konstruktive Debatten anbieten, deshalb passen wir unsere Regeln und Richtlinien kontinuierlich an und beziehen bei wichtigen Neuerungen die Öffentlichkeit sowie externe Expert:innen durch Konsultationen mit ein. Seit dem vergangenen Sommer geben wir zudem allen Twitter-Nutzer:innen die Möglichkeit, Antworten auf Tweets auszublenden, um mehr Kontrolle über die Konversation zu haben. Nutzer:innen können außerdem auswählen, wer überhaupt auf ihre Tweets antworten kann

Aus unserer Sicht geht der Umgang mit Desinformation aber auch über die Unterscheidung von „wahr oder falsch“ und damit Fact-Checking hinaus. Es geht darum, den angemessenen Kontext für irreführende Informationen zu haben, um die Menschen, die Twitter nutzen, in die Lage zu versetzen, selbst über den Wahrheitsgehalt von Informationen zu entscheiden und gleichzeitig die Verbreitung von Inhalten zu vermeiden, die zu Schäden außerhalb der Plattform führen können.

Wir werden diesen Weg fortsetzen und weiterhin transparent sein, was unsere Richtlinien angeht und wie diese entwickelt und durchgesetzt werden.

Es war auch zu lesen, dass es bald wieder Verifizierungen geben wird. Gibt es Tipps aus erster Hand, wie man am besten zu diesem blauen Häkchen kommt?

Laurent Buanec: Gehört die Person zu einer der sechs relevanten Kategorien (Regierungen / Unternehmen, Marken und Organisationen / Nachrichtendienste und Journalist:innen / Unterhaltung / Sport und Gaming / Aktivist:innen, Organisator:innen und andere einflussreiche Personen) und ist der entsprechende Twitter-Account vollständig, kann der Verifizierungsprozess ganz einfach direkt in der Twitter-App über die neue Verifizierungsanwendung in der Registerkarte „Kontoeinstellungen“ gestartet werden.

Zuletzt gab es viele Neuerungen: Spaces, Super Follows, Twitter Blue. Wie ist die bisherige Resonanz?

Das Feedback auf diese Neuerungen, mit denen wir noch innovativer und schneller wachsen möchten, und auf unsere Roadmap generell ist durchwegs positiv. Wir wissen, dass unsere Nutzer:innen gerne in der Twitter-Umgebung bleiben, in der sie bereits ihre Community aufgebaut haben und der sie in puncto Sicherheit vertrauen.

Und gibt es schon weitere Ideen? Worauf können sich die Twitter-User:innen freuen?

Laurent Buanec: Wir planen für Spaces zusätzliche Funktionen, wie beispielsweise „Ticketed Spaces“. Damit werden Veranstalter:innen in der Lage sein, einen exklusiven Raum zu schaffen, für den sie Tickets verkaufen. Die Möglichkeiten dabei sind unbegrenzt.

Zudem stellen wir mit einer Micro-Payment-Funktion allen Personen, die mit ihren Inhalten zur Konversation auf Twitter beitragen, eine neue Verdienstmöglichkeit bereit. Damit können Twitter-Nutzer:innen einen beliebigen Betrag an die Personen senden, die aus ihren Augen relevante und wertvolle Inhalte erstellen. Die neue Funktion bietet somit eine Wertschätzung innerhalb der Community, die über die üblichen Follows, Retweets und Likes hinausgeht.

Ein weiteres spannendes Feature werden die bereits erwähnten „Super Follows“ sein, bei denen Follower:innen für zusätzliche Inhalte bezahlen.

Wir werden in diesem Jahr weiter mit neuen Einnahmemöglichkeiten experimentieren, um unsere Umsätze weiter zu diversifizieren. In den letzten Monaten haben wir u.a. die Übernahme von Services wie Scroll oder Revue bekanntgegeben. Mit Revue zum Beispiel wollen wir es für Creators einfacher machen, mit ihren Newsletter-Abonnenten in Kontakt zu treten. Gleichzeitig soll es Twitter-Nutzer:innen ermöglicht werden, neue Creators und Inhalte zu entdecken.

Am 8. September spricht Laurent Buanec gemeinsam mit seiner Kollegin Büşra Qadir auf der DMEXCO. Verpasse auf keinen Fall die Twitter-Session auf der #DMEXCO21!

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