KI-Skandal bei Oktoberfest-Plakat

Ein Kommentar von Verena Gründel über die Aufregung rund um das Wiesn-Plakat, die unsinnige Trennung von "echter" und "generierter" Kunst und warum das Motiv am Ende völlig zu Recht gewinnt.

Porträt von Verena Gründel
Bild: © Koelnmesse

Warum die Jagd nach dem KI-Pixel der Kreativität schadet

Skandal! Das neue Oktoberfest-Plakat wurde (vielleicht) mit KI gestaltet. 

Ja, die TechStart-up-Hauptstadt München steckt in der KI-Krise. Kürzlich hat die Stadt München das neue Oktoberfestmotiv vorgestellt – doch nun wird spekuliert, der Künstler könnte das Design mit KI erstellt haben. 

Zum Hintergrund: Jedes Jahr schreibt die Stadt einen Design-Wettbewerb aus, bei dem das neue Oktoberfest-Motiv gesucht wird. Die Bürger und eine Jury küren gemeinsam den Gewinner. Das Siegermotiv wird auf Plakate gedruckt und zum Beispiel auf den offiziellen Oktoberfest-Bierkrug – ein Sammlerstück und Touristensouvenir.  

Das Drama: Mehrere Grafikerinnen und Grafiker hatten entsprechende Vorwürfe gegen den Künstler erhoben, weil es angeblich irgendwie KI-ig, generiert wirke. Das geht natürlich nicht, denn der Einsatz von KI ist bei diesem Wettbewerb ausdrücklich nicht erlaubt.  

Die Stadt hat das Motiv nun angeblich bis auf den letzten Pixel geprüft – und ist zu der Erkenntnis gekommen: alles KI-sauber.  

Doch die Diskussionen gehen weiter. Der Verdacht: München wolle sich doch nur eine Peinlichkeit ersparen und den Künstler sowie sich selbst schützen. Das mag sein.   

Ich finde eher etwas anderes peinlich: Nämlich, dass sich die Stadt hier so fortschrittsfern präsentiert. Wir haben 2026 und KI steckt überall drin. Jedes Grafikprogramm basiert in Teilen auf KI. Wo beginnt überhaupt „unerlaubte“ KI?  

Die Vorstellung, Kreativität ließe sich in einer Welt voller intelligenter Tools sauber in „mit KI“ und „ohne KI“ trennen, ist schlicht unrealistisch. 

Vor allem aber: KI ist ein Werkzeug. Nicht mehr, nicht weniger. Photoshop war auch mal „unfair“. Heute kräht kein Hahn mehr danach.  

Kreativität definiert sich nicht darüber, ob jemand einen Pinsel, ein Grafiktablet oder einen Algorithmus nutzt – sondern über Idee, Komposition, Ausdruck. 

Außerdem: Egal, ob nun KI oder nicht. Das Plakat begeistert. Es erreichte Platz 2 von rund 130 beim Publikumsvoting. Es ist der Favorit der Jury. Der Künstler Grafiker Florian Huber hat sogar 2021 schon mal den drittel Platz im Wiesnplakat-Wettbewerb belegt, ist also alles andere als ein Hochstapler.   

Ist das nicht Grund genug! Oder umgekehrt gefragt: Wäre es nicht besonders künstlerisch wertvoll, 2026 ein Oktoberfest-Motiv zu küren, das mit KI gestaltet wurde UND von den Menschen gefeiert wird? 

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