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Clubhouse für Android kommt – lohnt es sich noch?

App-Anbieter wie Facebook & Co. im Wettrennen um die beste Live Audio App und Zuhörer.
Bild: © Adem AY / Unsplash

Clubhouse für Android im Anflug

Das Audio-only-Format von Clubhouse begeistert Menschen weltweit. Hier können Interessierte zu unterschiedlichsten Themen Sprecher hören und in das Gespräch eingebunden werden – im Prinzip eine Art Live Podcast mit Offenheit für Partizipation. Der Zugang war bisher nur mit einem iPhone- beziehungsweise iOS-System und auf Clubhouse-Einladung möglich – ein Exklusivitätscharakter, der als gekonnte PR bezeichnet werden kann. Doch droht Clubhouse womöglich, an seiner Exklusivität zu scheitern? Denn die Audio-only App steht trotz einer Unternehmensbewertung von circa vier Milliarden Dollar aktuell nicht mehr so gut wie zu Beginn da:

72 %
weniger Downloads im März 2021 im Vergleich zum Vormonat
9.6 Mio.
Downloads im Februar 2021 vs.
2.7 Mio.
Downloads im März 2021

Immer weniger Downloads und nachziehende Konkurrenz bringen Clubhouse ins Straucheln. Hat sich die von vornherein auf iOS und Einladungen basierende Audio-only App selbst ein Bein gestellt? So verwundert es nicht, dass die Betreiber von Clubhouse nun neue Wege beschreiten und den Kanal in wenigen Monaten für Android öffnen.

Nach aktuellem Stand dauert es nicht mehr lange, bis sich nicht nur iPhone-Nutzer, sondern auch Android-User auf der Clubhouse-Plattform tummeln können. Es wird allerdings auch höchste Zeit, Clubhouse für Android verfügbar zu machen, denn die Konkurrenz zieht nach – vielleicht sogar vorbei? Fakt ist: Der Hype um die neue Clubhouse App hat sich bereits jetzt enorm abgeschwächt. Das ist natürlich bei jedem Internet-Phänomen so. Wie immer gilt es nun, sich langfristig zu beweisen und von den Mitbewerbern abzuheben. Wie will Clubhouse das machen?

Neue Features in der Clubhouse App

Ein Pfeiler der neuen Clubhouse App, mit dem sie sich von den neuen Konkurrenten absetzen möchte, wird eine Monetarisierungsoption sein. Mit dem zusätzlichen Feature soll es sich für Content Creator im wahrsten Sinne des Wortes lohnen, aktiv auf Clubhouse zu sein. Mit Clubhouse Payments sollen Creator die Möglichkeit erhalten, Zahlungen von ihren Teilnehmern zu erhalten – sei es durch Abonnements, kostenpflichtige Veranstaltungen oder Trinkgelder. Die Transaktion erfolgt beispielsweise per Kreditkarte über den Bezahlanbieter Stripe. Nach und nach sollen immer mehr User für das Feature freigeschaltet werden.

Dazu, so hat das Unternehmen angekündigt, wird es in bessere Zugänglichkeit und Personalisierung investieren. Dabei soll das schnelle Finden von persönlich relevanten und interessanten Räumen eine wesentliche Rolle spielen – denn let’s face it: Wer hat schon Lust, sich durch zig Gespräche zu hören, die dann doch nicht so spannend sind? Insofern ist es begrüßenswert, dass Clubhouse sich der Nutzerzentrierung annimmt und damit in gewisser Weise den Sprechern entgegenkommt. Die Monetarisierung dürfte nämlich dann, wenn Zuhörer mit der getroffenen Wahl zufrieden sind, umso besser funktionieren.

Unabhängig davon lässt sich Clubhouse auch ohne direkte Monetarisierung im Rahmen einer Social-Selling-Strategie effektiv einsetzen und beispielsweise der Expertenstatus als Moderator oder Sprecher untermauern.

Zu gut, um es nicht zu kopieren: Wie Facebook, Twitter & Co. mit Audio-only nachziehen

Dass das Audio-only-Prinzip von Clubhouse – wie übrigens zuvor Podcasts – so erfolgreich wurde, hat direkt andere Global Player der Social-Tech-Branche wie Facebook, Reddit und Twitter auf den Plan gerufen. Facebook zum Beispiel will mit einem Audio Social App Feature für Rooms das eigene Portfolio um Live Talks erweitern. Ab Sommer 2021 soll der neue Dienst im Messenger und in den Facebook-Gruppen verfügbar sein. Die Audio Rooms können wie Facebook-Gruppen als privat oder öffentlich angelegt und, sofern frei zugänglich, über einen Discover-Tab angezeigt werden.

Doch damit nicht genug: Auch Facebook plant Monetarisierungsmöglichkeiten. Im Gespräch sind Abonnement- und Einzeltickets zu Live Talks. Angesichts der größeren Reichweite von Facebook klingt dieser Ansatz vielversprechend – doch eines wissen wir auch: Nicht jede Neuerung, selbst wenn sie noch so schlau gedacht ist, setzt sich letztlich tatsächlich durch.

In jedem Fall ist und bleibt es spannend, wie Facebook die Audio-Welle reitet: Mit Soundbites befindet sich derzeit ein Tool in der Testphase, mit dem auf kreative Art und Weise Audioaufnahmen erstellt werden können. Darüber hinaus werden Stimmenfilter und Noise Cancelling zur Bearbeitung entwickelt.

Apropos Monetarisierung: Wer wissen möchte, wie Werbung in Podcasts gelingt, dem sei unser Interview mit Wolfgang Bscheid nahegelegt.

 

Reddit, Twitter, LinkedIn – wie Social Platforms das Audio Feature für sich entdecken

Nicht nur bei Facebook geht es mit großen Schritten in Richtung Audio Social App. Auch die Entwickler von LinkedIn, Twitter, Reddit, Discord und Spotify haben sich ans Werk gemacht, um dem Hype um Clubhouse nachzueifern.

  • Bei Twitter sind es die sogenannten Spaces, die User von sowohl iOS als auch Android zum Kurznachrichtendienst locken sollen. Aktuell befindet sich Twitters Antwort auf die Clubhouse App noch in der Betaversion für ausgewählte Nutzer, doch dürfte bald mit dem Launch des Features zu rechnen sein.
  • Konkurrent Reddit ist ebenfalls fleißig damit beschäftigt, die Clubhouse App nachzubilden. Live-Audio-Formate, so das Unternehmen, seien in manchen Kontexten ansprechender und würden mehr Spaß machen als beispielsweise Texte, Bilder und Videos. Bislang sei das Feature nur wenigen Moderatoren vorbehalten, die fleißig Feedback geben.
  • Ähnlich sieht es bei Spotify aus, das von Anfang an als Audio-only-Plattform an den Start gegangen ist. Nachdem Spotify den Podcast-Bereich massiv ausgebaut hatte, folgt nun die Fokussierung auf ein eigenes Live-Audio-Format, die Locker Rooms. Wie bei Twitter werden von Anfang an iOS- und Android-User angesprochen. Wann die Funktion nutzbar sein wird, steht allerdings noch in den Sternen.
  • Last but not least seien die Stage Channels genannt, an denen die Entwickler von Discord gerade feilen. Auch hier hat man aus dem „Fehler“ von Clubhouse gelernt und setzt nicht nur auf iOS. Wann die Audio-only-Funktion von Discord gelauncht wird, ist noch unklar.

Der Wettlauf der Giganten: Wer wird sich die größte Audio Live Community sichern?

Auch wenn Clubhouse bald auf Android-Systemen verfügbar ist, stellt sich die Frage, ob die Macher der App schnell genug sein werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Clubhouse App die „Todeszone“, in der sich das Produkt gerade befindet (kurz vor der Übernahme oder unter massiver Kopiergefahr), unbeschadet passiert und sich weiterhin als Pionier behaupten kann – oder ob nicht doch alteingesessene Social Media Player eine für alle Nutzer offene App schneller auf den Weg bringen.

Chancen wird Clubhouse für Android (und überhaupt) nur haben, wenn die Plattform weiterhin prominente Sprecher für sich begeistern kann und Monetarisierungsmodelle anbietet, die Nutzern genügend Flexibilität ermöglichen.

Mit mindestens genauso großer Aufmerksamkeit wird die Entwicklung hin zu rein auditiven Formaten zu beobachten sein. Zeichnet sich hier ein Auditive Turn ab – weg von Bildern und Videos? Sind wir es alle leid, in Videokonferenzen zu hocken, sodass wir uns lieber nur auf das gesprochene Wort konzentrieren möchten? Je nachdem, wie die Features von Clubhouse, LinkedIn, Facebook und Co. angenommen werden, wird sich zeigen, ob ein nachhaltiger Paradigmenwechsel stattfindet oder es sich um eine dauerhafte Erweiterung des bestehenden Angebots von Social-Media-Riesen handelt.

In jedem Fall sollten Audio-Formate Teil einer jeden Content-Marketing-Strategie sein. Mehr zu Audio und Podcasting, Voice Commerce und vielem anderen kannst du übrigens in unserem kostenlosen E-Book „Voice und Audio“ nachlesen.

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