Claws: Warum KI-Agenten zum neuen Betriebssystem werden könnten

Ein Kommentar von Verena Gründel über Claws, die nächste große Schnittstelle zwischen Mensch und Computer – und warum die neuen KI-Agenten so mächtig wie riskant sind.

Porträt von Verena Gründel
Bild: © Koelnmesse

Wenn KI den ganzen Computer bedient: Der Kampf um die neue Schnittstelle

Claws. Noch klingt das Wort wie ein Insiderbegriff aus dem Silicon Valley. Ein bisschen nerdig. Doch um Claws könnte der nächste große Kampf um die Zukunft des Internets entstehen.

Claws sind KI-Agenten, die aktiv handeln können. Auf dem eigenen Rechner installiert, verknüpfen sie die KI mit den installierten Anwendungen. Sie klicken sich durch Programme, steuern Software und führen Aufgaben auf dem Computer eigenständig aus – fast so, als säße ein Mensch vor dem Bildschirm. Sie können Mails schreiben, telefonieren, die Maus bewegen – also selbst mitarbeiten.

Basis ist die Open-Source-Software OpenClaw, erfunden vom Österreicher Peter Steinberger. Sam Altman fand dessen Arbeit so großartig, dass er Peter Steinberger direkt bei OpenAI angestellt hat.

Da ich diese Woche ChatGPT-Chef Nick Turley traf, fragte ich ihn natürlich nach seiner Vision mit Claws. Die ist so logisch wie visionär: In Zukunft soll ChatGPT selbst zum Claw werden und den gesamten Computer bedienen können. Anwendungen bedienen, zwischen Programmen wechseln. Arbeiten erledigen.

Porträt von Verena Gründel und Nick Turley
Bild: © Privat

Wann es so weit ist, wollte ich wissen. Turley wollte sich zeitlich nicht festlegen. Aber er könne sich vorstellen, dass wir weniger als ein Jahr davon entfernt sind. Denn, fügte er hinzu: In der KI-Ära passieren Fortschritte schneller als man denke.

Zwar hat ChatGPT nun Peter Steinberger. Aber auch die anderen Tech-Firmen arbeiten mit Claws und basteln an den Agenten der Zukunft. Die spannende Frage lautet deshalb nicht mehr nur: Wer baut das beste LLM? Sondern: Wer kontrolliert die Schnittstelle zwischen Mensch und digitaler Welt?

Agenten wie Claws machen KI zum Betriebssystem für Denken, Arbeiten und Handeln. Wer hier zuerst den großen Durchbruch schafft, wird im aktuellen Kopf-an-Kopf-Rennen einen riesigen Vorsprung erlangen.

Menschen, mit denen ich sprach, die Claws persönlich getestet haben, sind geflasht von den neuen Möglichkeiten. Aber gerade weil sie so mächtig sind, sind sie aktuell mit Vorsicht zu genießen.

  • Denn 1. sind sie eine unsichere Schnittstelle für Eindringlinge.
  • Sie haben 2. Zugang zu den sensibelsten Daten.
  • Und sie können 3. damit eigenmächtig kommunizieren.

Das heißt aber nicht, dass wir alle jetzt abwarten können, bis die erste sichere Variante auf den Markt kommt. Jetzt ist Zeit zu testen und sich von den Möglichkeiten zu überzeugen. Nur wer testet, kann verstehen, was technisch wirklich möglich ist – und sich darauf vorbereiten.
Erst mal aber in einer sicheren Umgebung.

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