BVDW-Interview: Welche Trends bewegen 2024 die Digitalbranche?

Der Start ins neue Jahr – voller Tatendrang und Wissensdurst! Die Frage aller Fragen: Welche Trends werden uns 2024 bewegen? Wer könnte das besser beantworten als der Vorstand des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW)? Hier kommen die Insights!

Trends 2024: BVDW-Vorstand wirft Blick in die Zukunft.
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Dirk Freytag, wie blickt der BVDW auf 2024?

Dirk Freytag ist Präsident des BVDW, der zentralen Interessenvertretung der digitalen Wirtschaft, und damit einer der wichtigsten Impulsgeber innerhalb der Digitalbranche und eine treibende Kraft rund um die Digitalisierung.

Die digitale Transformation ist das Thema, welches die Wirtschaft sowie die Gesellschaft seit Jahren umtreibt. Sie wird auch 2024 noch nicht abgeschlossen sein. Und es kommt aktuell eine weitere Transformation hinzu – mit dem wichtigen Schwerpunkt der Nachhaltigkeit.

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„Wir als Gesellschaft haben zwei Transformationen gleichzeitig noch nicht erlebt. Spannend ist, ob der Fokus eher auf Digitalisierung oder Nachhaltigkeit liegen wird. Meine Tendenz ist, dass die Nachhaltigkeitstransformation in 2024 und in den kommenden Jahren entscheidend sein wird. Die digitale Transformation wird jedoch einen sehr wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die Nachhaltigkeitstransformation voranschreitet“, schätzt Dirk Freytag die Lage ein.

Eva Werle, welche Tech-Trends bestimmen 2024?

Eva Werle ist Vizepräsidentin des BVDW und vertritt den Bereich Emerge & Technologies – eines ihrer Herzensthemen, so Eva Werle. Als Expertin gibt sie uns einen Ausblick dahingehend, wohin KI 2024 steuert: Der KI-Hype rund um ChatGPT hat im letzten Jahr viele Reaktionen innerhalb der verschiedenen Branchen hervorgerufen – von Skepsis über Neugier bis zur absoluten Begeisterung war geradezu jede Art von Meinung vertreten. Eines wurde jedoch deutlich: KI ist gekommen, um zu bleiben.

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„Ich glaube, der Hype [um KI] ist noch gar nicht zu Ende. Der fängt erst an! Ich glaube, dass ein Jahr nach dem ChatGPT-Hype KI in 2024 noch viel tiefer in die Implementierungsphase eintreten wird. Und dass wir den Einfluss von KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette spüren werden – von digitalen Unternehmen bis zu traditionellen Industriezweigen“ , so Eva Werle.

Die Implementierung von KI bringt viele Herausforderungen mit sich. Zeit wird dies vor allem brauchen in traditionelleren Unternehmen, welche noch in den Anfängen der digitalen Transformation stecken.

Laut einer Umfrage des BVDW steht nur jede:r Vierte der Veränderung, die KI mit sich bringen kann, positiv entgegen, berichtet Eva Werle. Es sei daher 2024 entscheidend, die Menschen in diese Transformation stärker zu integrieren und in der Umsetzung zu unterstützen. „Was kann mir KI bringen?“, sei die Frage, die sich Unternehmen stellen sollten. Dabei geht es natürlich nicht nur um die Vereinfachung von Prozessen, sondern auch um die eigene Konkurrenzfähigkeit auf dem Markt. „Ich glaube, Unternehmen, die sich auf diese kontinuierliche, technologische Entwicklung einlassen können, haben die Möglichkeit, nicht nur widerstandsfähiger zu werden, sondern auch für sich neue Potenziale zu identifizieren und zu nutzen“, erklärt Eva Werle.

Anke Herbener, worauf sollten sich Digitalagenturen 2024 einstellen?

Anke Herbener ist Vizepräsidentin des BVDW und stellvertretende Vorsitzende des Fachkreises Digitalagenturen. Dass aufgrund der zunehmenden Nutzung von KI-Tools in Unternehmen 2024 die Nachfrage nach Digitalagenturen sinken könnte, glaubt Anke Herbener keineswegs:

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„Wir haben natürlich eine angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland. Davon sind auch Agenturen betroffen. Aber Unternehmen und Marken brauchen Agenturen, wenn es um Kreativität und damit auch starke Kampagnen geht. Die digitale Transformation ist bei Weitem nicht da, wo sie sein sollte. Es gibt unglaublich viel zu tun – Agenturen stehen seit jeher als starker Partner an der Seite von Unternehmen und Marken und werden dies auch in Zukunft tun“, prophezeit Anke Herbener.

Kurzum: Digitalagenturen werden in 2024 als wichtige Akteure angesehen, wenn es um die Förderung und Umsetzung digitaler Innovationen geht, sei es durch KI oder andere technologische Entwicklungen.

Corinna Hohenleitner, bleibt der Hype um Retail Media auch 2024 bestehen?

Als Vizepräsidentin des BVDW unterstützt Corinna Hohenleitner unter anderem die Weiterentwicklung des Retail-Media-Bereichs. Aktuell hat der BVDW neue Branchen-Standards für Retail Media definiert und damit der meistgepriesenen Werbegattung der letzten Jahre wichtige Metriken zur Verbesserung der Transparenz und Verstärkung der Effizienz von Retail Media gegeben.

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„Wir haben die erste gemeinsame, Retailer:innen übergreifende Gattungsdefinition von Retail Media veröffentlicht und darauf aufbauend eine Übersicht über das Gesamtportfolio der Gattung erstellt, die wirklich erstmals einen vollständigen Überblick über mögliche Formate und über mögliche Lösungen im Kontext der Retail Media gibt. Das ist eine ganz, ganz wichtige Basis, auf der wir jetzt aufbauen können“, erklärt Corinna Hohenleitner.

Ebenso das Ende der Third-Party-Cookies macht Retail Media innerhalb der Marketingbranche zu einer interessanten Lösung, wenn es um die Sammlung wichtiger Daten geht, und wird damit 2024 wichtiger Bestandteil vieler Marketing-Strategien sein. Kurz gesagt gilt für Retail Media genauso in 2024: The Hype is real!

Carsten Rasner, auf welche Schwerpunkte dürfen wir uns auf der DMEXCO 2024 freuen?

Carsten Rasner ist der geschäftsführende Vorstand des BVDW und hat damit den genauen Überblick über die Agenda des Digitalverbandes: „Wir orientieren uns auch 2024 an unseren großen drei Punkten Kreativität, Verantwortung und Daten“, sagt Carsten Rasner. Dafür steht natürlich zudem die Verleihung des Deutschen Digital Awards, der in diesem Jahr zum zehnten Mal vergeben wird und bei dem die DMEXCO als Pate für die Kategorie „Digitale Transformation“ fungiert.

Was die DMEXCO 2024 betrifft werden laut Rasner gleich zwei Themen die Digital- und Marketingmesse bestimmen: KI und Nachhaltigkeit.

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Bild: BVDW

„Das Thema Künstliche Intelligenz wird in allen Bereichen der Gesellschaft und der digitalen Wirtschaft Einzug halten und ganze Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen. Die Frage ist: Wie können wir KI einsetzen, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft zu stärken? Der zweite wesentliche Schwerpunkt ist die Nachhaltigkeit im Digital Marketing: Wir wollen Lösungen aufzeigen, wir wollen Hilfestellung bieten. Und die DMEXCO wird ein Ort sein, an dem man wirklich sehen kann, wie digitale Transformation nachhaltig funktionieren kann“, sagt Carsten Rasner.

Als eine der wichtigsten internationalen Austauschplattformen wird die DMEXCO also auch 2024 zu einem Ort, an dem die Zukunft der Digitalbranche und der Gesellschaft gestaltet wird.

Digitale Transformation, KI und Nachhaltigkeit bestimmen das Jahr 2024

Nach einem turbulenten Jahr 2023, in dem sich die Digitalwirtschaft eher spielerisch mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinandergesetzt hat, scheint es 2024 ans Eingemachte zu gehen. Und neben der Implementierung von KI müssen sich Unternehmen wohl einer weiteren der größten Herausforderungen stellen: der Umsetzung nachhaltiger Strategien im Sinne ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verantwortung.