Agency-Trends 2027: Die wichtigsten Insights der DMEXCO 2026
„Wofür gibt es Agenturen?“ Diese Frage stellte Kristian Meinken, CEO der pilot Group, auf der DMEXCO 2026. Je mehr Routinearbeit KI übernimmt, desto drängender wird sie. Wo Agenturen künftig ihren Wert schaffen, zeigen die wichtigsten Agency-Trends für 2027.
Agenturen 2027: Aufbruch statt Abwarten
Sich neu zu erfinden, gehört für Agenturen zum Tagesgeschäft. Das zahlt sich jetzt aus, denn KI krempelt ganze Arbeitsbereiche um. „Agenturen sind sehr erfinderisch darin, sich neu zu definieren, zu verstehen, was am Markt passiert, welche Wertschöpfung sie für den Kunden anbieten müssen“, sagte Anke Herbener, Vizepräsidentin des BVDW und CEO von Digital Changers, im Panel „Agencies Trends 2027“. Selbst in der aktuell schwierigen Wirtschaftslage sieht sie Chancen: „Es gibt auch Agenturen, die sich in dieser Krise super entwickeln.“
Rückenwind kommt vom Markt. Die Mediaagenturen im BVDW stellten auf der DMEXCO den Trendmonitor 2026 vor. Demnach sehen 70 Prozent der Mediaagenturen eine starke Nachfrage nach digitaler Werbung. Im Vorjahr waren es 40 Prozent. Für 2027 erwarten sie ein Wachstum von acht Prozent. Die Frage ist also nicht, ob es Geschäft gibt, sondern welche Agenturen es gewinnen.
Das sind die wichtigsten Trends für deine Agentur
#1 Konvergenz statt Konsolidierung
Auf den ersten Blick wirkt es, als schrumpfe die Agenturlandschaft. Paul Remitz, CEO von Omnicom Media Germany, hält diese Lesart für falsch. Zwar konsolidieren sich Media, Kreation und Tech. Doch Remitz betont: „Es geht eigentlich um Konvergenz. Also: Wie führen wir unterschiedliche Disziplinen zusammen?“ Bei Omnicom wächst der Bereich MarTech. Seit Jahren investiert die Gruppe in Data Technology. Automatisiert wird vor allem der „operative Maschinenraum“. Das verschafft Luft, um Disziplinen enger zu verzahnen.
Kristian Meinken sieht im Veränderungsdruck keine Bedrohung, sondern den Kern des Geschäfts: „Wofür gibt es Agenturen? Um Veränderungen am Markt schneller und früher aufzunehmen, als das die Kundenorganisationen leisten müssen.“
Das geht für dich: Prüfe, welche Leistungen sich automatisieren lassen. Investiere frei werdende Kapazitäten in Daten, Technologie und die Verbindung von Disziplinen. Mach Veränderung zu deinem Angebot.
#2 Von AI First zu AI Native
Bei fast zwei Dritteln der Mediaagenturen (63 Prozent) ist KI laut Trendmonitor fest im Arbeitsalltag verankert. 90 Prozent setzen KI-Kompetenzen schon heute voraus. Als Unterscheidungsmerkmal taugt KI damit kaum noch, auch nicht für Häuser, die sich als KI-Agenturen positionieren. Anke Herbener beschreibt den nächsten Schritt:
„Erfolg wird künftig stärker daran gemessen, welchen Mehrwert Agenturen für ihre Kunden schaffen, und nicht nur daran, wie schnell Ergebnisse geliefert werden. KI wird vom Werkzeug zum festen Bestandteil von Prozessen, Zusammenarbeit und Wertschöpfung. Der Weg führt von AI First zu AI Native. Damit entwickeln sich Agenturen immer stärker zu Partnern für Transformation, Innovation und Wachstum.“
Das Leistungsportfolio verschiebt sich ebenfalls: KI-Werbung (94 Prozent) und GEO/SEO (88 Prozent) gewinnen nach Einschätzung der Mediaagenturen in den nächsten fünf Jahren an Bedeutung. Bei klassischer Suchmaschinenwerbung erwarten das nur 39 Prozent.
Das geht für dich: Setz KI nicht als Zusatz-Tool obendrauf, sondern richte Prozesse, Zusammenarbeit und Angebot konsequent auf sie aus. Biete GEO als eigene Leistung an, damit die Marken deiner Kund:innen auch in KI-Antworten sichtbar bleiben.
#3 Messung wird zum Nervensystem
Laut Trendmonitor entwickeln sich Mediaagenturen von operativen Dienstleistern zu strategischen Beratern. Punkten können Agenturen vor allem mit Kreativität, nachweisbarer Wirkung und Beratungsqualität.
Wie das gelingt, skizzierte Nadja Böhme, CEO von Factworks, in der Session „Agentur-Benchmark: Die Agentur der Zukunft“. „Die Agentur der Zukunft ist kein Zustand, den man beschreiben kann“, sagte Böhme. Sie brauche Fähigkeiten, die man wie Muskeln trainieren müsse. Der erste Muskel erkennt und deutet Veränderungen bei Markt und Kund:innen. Der zweite reagiert flexibel und passt Arbeitsweise, Prozesse, Angebot und Preismodell an. „Und das Nervensystem, das beides verbindet, ist Messung.“
Genau hier liegt deine Chance: 69 Prozent der Mediaagenturen zählen es zu den größten Herausforderungen, Daten, Reichweiten und Wirkung über Kanäle hinweg vergleichbar zu machen. 92 Prozent halten einheitliche Ansätze bei der Datennutzung für erfolgskritisch. Ebenfalls 69 Prozent erwarten, dass sich digitale IDs in der Kampagnensteuerung etablieren.
Das geht für dich: Teste wirkungsbasierte Preismodelle, statt nur Stunden abzurechnen. Miss nicht nur den Erfolg deiner Kampagnen, sondern auch, wo deine Agentur selbst nachsteuern muss: bei Prozessen, Angebot oder Preismodell.
#4 Nische schlägt Generalist
Der Agentur-Benchmark zeigt: Spezialisierte Agenturen kommen besser mit den aktuellen Entwicklungen zurecht. Nadja Böhme fasst es in drei Worte: „Nische schlägt Generalist.“
Mit der Spezialisierung verändert sich auch die Zusammenarbeit: Das eine Agenturmodell gibt es nicht mehr. Karin Ross, CEO von Publicis Connected Media und COO der Publicis Groupe DACH, beobachtet ganz unterschiedliche Konstellationen. Ein Treiber ist Data Ownership: Je fragmentierter die Welt, desto wertvoller werden Daten. Werbungtreibende sollten sich deshalb fragen: „Wer nimmt eigentlich genau welche Rolle in der gesamten Kommunikationsaktivität ein?“ Die Antworten fallen oft hybrid aus. Ein Modell ganz ohne Beratung oder Zulieferung durch eine Agentur kennt Ross allerdings nicht.
Das geht für dich: Schärfe dein Profil: Wofür steht deine Agentur? Kläre mit Kund:innen früh, wem die Daten gehören und welche Rolle du im Setup übernimmst.
#5 Gen Alpha: Willkommen in der Hyperpersonalisierung
Auf dem NXTGEN Agency Summit standen unter anderem Creator Economy und Community Building auf dem Programm. In der Lecture „Gen Alpha ≠ Gen Z 2.0“ zeigten Tabea Schubert (Creative Lead) und Miriam Stroinski (Junior Art Director) von BUTTER. Social, was die nächste Generation von der Gen Z unterscheidet. Mehr noch als die Gen Z hält sich die Gen Alpha in digitalen Räumen auf, die sich untereinander stark unterscheiden. Eine gemeinsame Bühne für alle gibt es kaum noch. Ihr Fazit lautet deshalb: „Willkommen in der Hyperpersonalisierung.“ Für die Kommunikation heißt das: „Wer heute noch versucht, alle zu erreichen, erreicht am Ende einfach niemanden, weil es niemanden mehr anspricht.“
Das geht für dich: Entwickle Kreation und Mediaplanung für kleinere, klar umrissene Zielgruppen. Communities und Creator:innen helfen dir, sie glaubwürdig zu erreichen.
Fazit zu den Agency-Trends 2027: Mehrwert schlägt Geschwindigkeit
Die Nachfrage wächst, und KI schafft Freiraum für das, was Kund:innen weiterbringt. Agenturen können ihren Wert deshalb neu begründen: mit einem klaren Profil und mit nachweisbarer Wirkung. Damit ist auch Kristian Meinkens Frage beantwortet: Agenturen gibt es, um Veränderung für ihre Kund:innen früher zu erkennen und in Wachstum zu übersetzen.
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