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1. FC Köln: Digitales Marketing als Mittelständler

Frank Sahler ist seit sechs Jahren Leiter Marketing, Vertrieb & Merchandising beim 1. FC Köln. Während die Profikicker gerade den Wiederaufstieg in die erste Liga anstreben, betreibt die GmbH & Co. KGaA ein durchaus außerordentliches Digital Marketing. Man versteht sich als Mittelständler, mit einigen Vorteilen und wenigen Nachteilen.

 

Seit wann steht für den 1. FC Köln das Thema Digital Marketing auf der Agenda?

Fahrt aufgenommen hat es vor etwa sechs Jahren und es nimmt von Jahr zu Jahr zu. Unser Ansatz im Digitalen Marketing ist dabei nicht nur, manche internen und externen Prozesse zu vereinfachen, sondern vielleicht das Ein oder Andere on top zu bieten. Wobei wir auch im Umfeld immer wieder proaktiv unterwegs sind. Mit guten Ergebnissen. Wir probieren viel aus, lernen dazu und überlegen, was am Ende für die Fans, die Partner und den Club Sinn ergibt. Immerhin waren wir vor fünf Jahren die ersten in der Liga, die das digitale Ticketing eingeführt haben. Heute können unsere Fans nicht nur mit Bargeld oder ihrer Bankkarte bezahlen, sondern direkt aus der App.

 

Welche Themen stehen für den FC darüber hinaus an?

Wir haben vor kurzem Salesforce sowie Single Sign On bei uns eingeführt, um den Service rund um die Fans zu verbessern. Vielleicht sind solche Investments ungewöhnlich für einen Zweitligisten, für uns sind sie aber zukunftsorientiert. Das gilt auch für Experimente im Bereich Virtual Reality wie das virtuelle Museum zum 70. Geburtstags des Vereins.

Der 1. FC Köln ist vor einigen Monaten dem globalen SPIN-Accelerator-Netzwerk beigetreten, um damit junge Startups in für uns interessanten Bereichen zu unterstützen. Einige Beispiele testen wir schon, etwa Digi-Food oder Kiss my score. Das Angebot von Digifood ist einfach erklärt: Während des Spiels können Sie Essen und Getränke über die App bestellen, die Bestellung wird sofort bezahlt und an den Platz geliefert. Sie brauchen nirgendwo mehr anzustehen und verpassen nichts vom Spiel.

Zudem haben wir gemeinsam mit der Daimler AG in das Kölner E-Sport Unternehmen SK Gaming investiert, um uns verstärkt auch mit dem Thema zu befassen. Da geht es um neue Geschäftsmodelle.

 

Das klingt nicht, als käme es aus einem Verein…

Wir sind ja auch mehr als ein Verein. Wir agieren als Mittelständler und haben eine Marke, die weit größer ist. Wir müssen keine Kunden zu Fans machen, wie das in vielen Branchen gerade versucht wird. Wir haben Fans. Zudem verfügen wir über Content für alle Kanäle fast im Überfluss. Da fällt manchmal die Entscheidung schon schwer, wo und wie wir etwas ausspielen. Emotional ist unser Produkt per se. Das unterscheidet uns vom klassischen Markenartikler in der FMCG- oder Handelsbranche.

 

Wie ist heute die Zusammenarbeit mit Sponsoren und Partnern?

Sehr eng und sehr abwechslungsreich. Mittlerweile gleicht kein Sponsoring-Paket mehr dem anderen. Was den Content und die digitale Vermarktung angeht, hat sich viel getan. Hier gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die wir ihnen anbieten können – egal, ob es um die gemeinsame Verbreitung von Inhalten oder Branded Content geht.

 

Als Mittelständler, wie sie sich jetzt verstehen, müssen sie doch anders agieren als noch vor vielen Jahren. Auch als Arbeitgeber, oder?

Durchaus, das ist der Fall. Man muss nicht unbedingt Fan des 1. FC Köln sein, um hier gute Arbeit leisten zu können – aber es hilft. Entscheidend sind die Qualifikationen. Das klappt in der Regel gut. Generell wachsen wir in vielen Abteilungen im Club. Ab und zu ist es schon herausfordernd, die erforderlichen Stellen in der Qualität besetzen zu können. Denn wenn man in einem Fußballclub arbeiten will, muss man nicht nur die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen, sondern auch viel Empathie und Leidenschaft.

 

Wie können Sie im Bereich Digital Marketing Zukunft planen? Wo schauen Sie etwas ab?

Man schaut schon in andere Länder und auf diverse Sportarten, aber natürlich auch in die anderen Branchen, um weiter zu lernen. Zudem funktioniert die Zusammenarbeit unter den Vereinen in der Deutschen Fußball Liga gut, dort gibt es zu unseren Themen gemeinsame Arbeitsgruppen. Wir haben den Vorteil, dass wir zwar sportlich sehr stark im Wettbewerb stehen, uns ansonsten aber untereinander wenig in Konkurrenz sehen. Im Sponsoring manchmal, im Merchandising und Ticketing gar nicht. Ein Fan von Borussia Mönchengladbach wird kein Fan des 1. FC Köln.

Beim E-Sport schauen wir, wo wir die Menschen abholen können. Vielleicht gelingt es uns, sie irgendwann im Stadion zu begrüßen. Plattform-Strategie oder andere Buzz-Wörter fallen auch bei uns in Meetings. Die Welt dreht sich schnell, die Digitalisierung immer schneller, was heute in ist kann morgen out sein. Wir wollen dabei sein, lernen und davon profitieren – ohne dabei aus den Augen zu verlieren, wozu wir das alles machen. Und das ist, den Rahmen für erfolgreichen Fußball zu bieten, der Fans begeistert.

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