KI-Chatbots im Vertriebstraining

Endlich realistische Simulationen: Eine DMEXCO-Kolumne von Thilo Kölzer über die Möglichkeiten, die KI-Chatbots zur Vertriebsschulung bieten.

Porträt von Thilo Kölzer
Bild: © Thilo Kölzer / DocCheck AG

Talk to me, AD – mit KI-Gesprächstrainern den Außendienst fit machen

Der Außendienst steht unter Druck: immer weniger Zeit, immer mehr Wettbewerb um Aufmerksamkeit, immer mehr komplexe Daten, Produktinformationen und Studien, die im Gespräch sitzen müssen – ein stetiger Wandel hin zu hybriden Kontaktpunkten. Künstliche Intelligenz kann hier als Sparringspartner für die Gesprächsvorbereitung helfen, das Beste aus diesen wertvollen Kontaktpunkten herauszuholen.

Vom Bauchgefühl zur Präzision

Bisher ist Vertriebstraining oft ein Kompromiss: Rollenspiele, PowerPoint-Schlachten, Fallbeispiele – aber eben weit weg von den realen Außendienst-Situationen. KI-basierte, interaktive Trainingsinhalte brechen diese Verhältnisse auf und bieten ganz neue Möglichkeiten, realistische Verkaufsgespräche zu trainieren.

Und das nicht nur mit einem generischen Ja-Sager: KI-Gesprächstrainer lassen sich auf bestimmte Kundensegmente anpassen, durch CRM-Daten oder Produktinformationen ergänzen, und durch Persona-Profile zum Leben erwecken, um authentisches, individuelles Kommunikationsverhalten zu simulieren.

Dieses Prinzip folgt einem Trend, der in vielen Bereich des Marketings bereits sichtbar ist: Weg von „One fits all“ hin zu „One fits one“.

Im Beispiel des Healthcare-Bereichs werden damit verschiedenste Szenarien möglich und erlebbar gemacht:

  • Gesprächstraining mit skeptischen, faktengetriebenen oder emotionalen Persönlichkeitstypen von Ärzten
  • Gesprächssimulation mit Apothekern mit klaren ROI-Fragen und kaufmännischem Fokus
  • Medical-Science-Liaison-Szenarien, bei denen wissenschaftliche Tiefe gefragt ist
  • Spezialsegmente wie Leitlinienexperten oder Heavy-Prescriber
  • Gespräche mit besonderem Twist, z.B. “nur 2 Minuten Zeit” oder “immer schlecht drauf”

Jede Persona reagiert anders, fragt anders, widerspricht anders. Genau das macht den Unterschied – und den Reiz aus.

Volle Flexibilität

Neben der Spezialisierung bietet die Nutzung eines solchen KI-Außendienst-Trainings außerdem maximale Flexibilität: Unternehmen könnten den Gesprächstrainer exakt auf die Realität und Anforderungen ihres Unternehmens trainieren. Es können beispielsweise Leitfäden und Compliance-Vorgaben eingepflegt, sowie die passenden Produktinformationen, Studien und USPs mit in den Wissenspool der KI aufgenommen werden. Der Außendienst übt so nicht „irgendein Gespräch“, sondern exakt das, was am nächsten Tag im echten Besuch relevant sein wird.

Datensicherheit – ein entscheidendes Prinzip

Unter den Vorzügen der flexiblen Nutzung künstlicher Intelligenz darf dabei nie die Datensicherheit leiden. Jeder Mitarbeiter muss die volle Kontrolle über seine Trainings und Gesprächsdaten behalten und diese dürfen den geschlossenen Rahmen des Trainingsprogramms nicht ohne Einwilligung verlassen. Das werden die Anforderungen sein, die in Zukunft für KI-Agenten im Allgemeinen gelten: klare Rollen, klare Datenhoheit, klare Compliance-Rahmenbedingungen. Gerade geschlossene SaaS-Lösungen oder lokal gehostete Tools werden hier für den Bereich von KI-Gesprächsbots entscheidend sein.

Gutes Feedback

Doch was ist gutes Training ohne konstruktives Feedback. Um das volle Potential der KI-Analyse auszuschöpfen, kann ein Transkript oder eine Aufnahme des gesprochenen Worts zur Selbstkontrolle erstellt, oder ein Scoring-System an die Gesprächssimulation angebunden werden. So könnten nach vordefinierten Kriterien Verbesserungsvorschläge ausgegeben werden, welche Tipps für das Außendienstgespräch die KI noch auf Lager hat. Das ist der Sprung von „Lernen nach Gefühl“ zu strukturiertem, datenbasiertem, analytischem Lernen – KI-gestützte Qualitätssteigerungen, die den Vertrieb der Zukunft prägen werden.

Gamification-Turbo

Training soll auch Spaß machen: Durch das Scoring entstehen auch neue Möglichkeiten der Team-Motivation. So ist es recht einfach möglich, kleine Challenges oder Team-Duelle passend zu bestimmten Inhalten zu entwickeln und durch Gamification-Elemente die Motivation und Trainingsbereitschaft im Vertriebsteam zu fördern.

KI-Chatbots als Sparringspartner – auch in anderen Bereichen

Nicht nur ein Außendienstgespräch kann mit KI simuliert werden. Auch in anderen Bereichen ist ein flexibles und spezifisches Gesprächstraining der Schlüssel zum Erfolg. In MSL-Teams können beispielsweise Expertengespräche mit medizinisch-wissenschaftlichen Inhalten geprobt werden. So werden Studiendiskussionen, Nutzen-Risiko-Abwägungen oder der Umgang mit kritischen wissenschaftlichen Fragen ganz einfach in der sicheren Umgebung simuliert und trainiert – ohne das Risiko, im echten Gespräch ins Straucheln zu geraten.

Fazit

Simulieren statt pauken ist die Devise für den Außendienst der Zukunft! Die Arbeit mit interaktiven KI-Chatbots als Trainingspartner in Kundengesprächen und Verhandlungen ist nicht nur ein nützliches Tool, sondern wird wahrscheinlich der neue Standard der Vorbereitung im Außendienst. Er macht Vertriebsmitarbeiter souveräner und fitter für das echte Gespräch – mit messbaren Erfolgen.

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