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5 Dinge, die etablierte Unternehmen von Start-ups lernen können

Eigenverantwortliches Handeln im Team wird in vielen Start-up-Unternehmen großgeschrieben.
Bild: © Pixel-Shot / AdobeStock

Frischer Wind für Unternehmen: Inspiration durch Start-ups

Ob Uber, Airbnb oder Zalando – verschiedenste Start-ups sind in klassische Märkte eingedrungen und haben in einem atemberaubenden Tempo ganze Branchen revolutioniert. Viele der neuen Player wurden bei ihrer Gründung belächelt – und bekommen heute eine höhere Bewertung als ihre klassischen Mitstreiter. Als digitale Vorreiter geben sie den Takt in den jeweiligen Marktsegmenten vor. Für etablierte Unternehmen stellt sich damit die Frage, wie sie auf die neue Start-up-Kultur reagieren sollen, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Tatsächlich bietet die gegenwärtige Entwicklung für die alten Platzhirsche auch eine große Chance – zu analysieren, was viele Start-ups so erfolgreich macht, und sich von innovativen Modellen und Ansätzen inspirieren zu lassen. „Um in der digitalen Welt relevant zu bleiben, müssen Unternehmen ihre bisherigen Geschäftsprozesse und alte Muster im Denken und Handeln hinterfragen“, begründet beispielsweise die Otto Group ihren bereits 2015 eingeleiteten „Kulturwandel 4.0“.

Konkret bezieht sich dieser Wandel auf ein konsequentes Umdenken der bisherigen Arbeits- und Verhaltensweisen und zeigt in seinen Zielen die verschiedenen Aspekte auf, bei denen Start-ups als Vorbilder für klassische Unternehmen dienen können.

1. Konsequenter Fokus auf den Kundennutzen

Start-ups können die Fragen, „Warum soll es uns geben?“ und „Welches Problem können wir lösen?“ genau beantworten. Sie denken ausgehend von den Bedürfnissen des Kunden und stellen ihn konsequent in den Mittelpunkt ihres Handelns. Im Gegensatz zu den Start-ups geht größeren Unternehmen diese starke Zentrierung auf den Kunden häufig durch eine zunehmende Distanz vieler Mitarbeiter ohne direkten Kundenkontakt verloren.

Die neuen Player setzen den Fokus primär auf den tatsächlichen Mehrwert für ihre Zielgruppe. Entsprechend früh werden Kunden aktiv in die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen einbezogen. Insbesondere die am Anfang begrenzten Ressourcen machen eine besondere Nähe zum Kunden und kreative Lösungsansätze unabdingbar, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Sie sind die innovativen Treiber, deren Schlüssel in einem genauen Verständnis der Probleme und der Bedürfnisse der Zielgruppe liegt.

2. Eigenverantwortliche Teamarbeit im Rahmen agiler Methoden

Begünstigt wird die starke Ausrichtung auf den Kundennutzen durch agile Methoden. Agiles Arbeiten in eigenverantwortlichen Teams stellt die klassischen Arbeitsweisen in Unternehmen völlig auf den Kopf. Indem die Arbeitsteams in flachen Hierarchien die Verantwortung für ihr eigenständiges Handeln übernehmen, rückt auch das Management in eine neue Führungsrolle. Statt Anleitung und Kontrolle kommt es in der Förderung agilen Arbeitens auf die Unterstützung und Ermutigung der Mitarbeiter an.

In vielen Old-Economy-Unternehmen dominieren immer noch ausgeprägte Hierarchien und kleinteilige Planung, Silodenken und eine Wagenburg-Mentalität. Start-ups setzen hingegen gezielt auf moderne Management-Methoden. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich etwa das von Google erfolgreich praktizierte System der „Objectives & Key Results“, bei dem klare Leitlinien und Ziele gemeinsam und für alle Bereiche regelmäßig abgestimmt werden. Das Aufbrechen starrer Hierarchien ermöglicht eine hohe unternehmerische Flexibilität und hilft agilen Unternehmen dabei, schnell auf Veränderungen und unerwartete Ereignisse zu reagieren.

3. Schnelligkeit als Kern der Start-up-Kultur

Während bei großen Unternehmen die Sicherheit und Planbarkeit im Vordergrund steht, macht die Schnelligkeit einen wesentlichen Bestandteil der DNA von Start-ups aus. So ermöglicht agiles Arbeiten eine effiziente Koordination im Team und schafft Raum für Eigeninitiative. Fixe, hierarchisch geprägte und kleinteilige Strukturen führen hingegen zu deutlich längeren Entscheidungswegen und erschweren die schnelle Umsetzung von Ideen.

Kennzeichnend für das Vorgehen von Start-ups gegenüber etablierten Unternehmen ist, dass sie mit neuen Produkten und Dienstleistungen in deutlich kürzerer Zeit an den Markt gehen und testen, die Resonanz der Kunden permanent analysieren und ihr Angebot stetig optimieren. Wesentlich hierfür ist eine positive Fehlerkultur, die das Ausprobieren zulässt, Lernchancen ermöglicht und neue Potenziale aufzeigt.

4. Hohe Flexibilität durch Trial-and-Error

Eng verbunden mit dem Trial-and-Error-Vorgehen ist eine hohe Flexibilität in den Start-up-Unternehmen. Ob einzelne Produkte, Dienstleistungen oder die komplette Ausrichtung – neue und agile Player präsentieren sich oft extrem wandlungsfähig und können sich bei Bedarf schnell neu erfinden.

Nicht selten sind heute erfolgreiche Start-ups mit einem völlig anderen Ansatz gestartet und haben ihr Geschäftsmodell innerhalb kurzer Zeiträume radikal verändert. Viele Start-ups zeichnet dank ihrer effizienten Strukturen zudem die Fähigkeit aus, schnell zusätzliche Geschäftsfelder zu erschließen und sich gewinnbringend zu positionieren.

5. Unternehmenskultur mit Entrepreneur-Spirit

Grundlegend für Schnelligkeit, Flexibilität und Innovation ist die Förderung eines Umfelds, das Mitarbeiter ermutigt, neue Fähigkeiten zu entwickeln, und eine langfristige Bindung an das Unternehmen sicherstellt. Viele Start-ups befinden sich heute auf dem Arbeitsmarkt in einem zunehmenden Wettbewerb mit anderen neuen Playern und etablierten Unternehmen.

Daher setzen sie auf eine Innovationskultur, die den offenen Austausch von Ideen und permanente Lernmöglichkeiten ins Zentrum rückt. Die Mitarbeiter werden ermutigt, selbst unternehmerisch zu denken, beruflich zu wachsen und vernetzt auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Eine hohe Transparenz innerhalb des Unternehmens sorgt zudem dafür, dass alle stets das große Ganze im Auge behalten.

Von der Start-up-Kultur lernen – Mut zur Offenheit gegenüber Neuem

Die Offenheit gegenüber Neuem prägt das Handeln von Start-ups. Dieser Mut, die Perspektive zu ändern und neue Wege zu gehen, ist immer stärker auch von etablierten Unternehmen gefordert, wollen auch sie in den Märkten von morgen noch Maßstäbe setzen. Dabei geht es natürlich nicht um das bloße Übertragen einzelner Start-up-Methoden, sondern darum, eine Innovationskultur zu schaffen, die bestehende Barrieren abbaut, Silodenken verhindert und den unternehmerischen Wandel zulässt.

Daniel Dodt
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