KI automatisiert Kreation, Produktion und Kampagnensteuerung. Unternehmen können immer mehr Aufgaben selbst übernehmen. Und Agenturnetzwerke stellen ihre Strukturen neu auf. Was bleibt da eigentlich noch für die klassische Kreativagentur? Für Chris Jungjohann ist die Antwort überraschend optimistisch: Gerade durch KI könnte menschliche Kreativität künftig wertvoller werden.
Der CEO der Ogilvy Group Germany ist zu Gast bei Verena Gründel im DMEXCO Podcast. Und er kennt digitale Disruption nicht nur aus der Managementperspektive: Chris Jungjohann gehörte zu den frühen YouTube-Creators der deutschen Gaming-Szene, gründete bereits während des Studiums sein erstes Unternehmen und führt heute eine der großen Agenturgruppen des Landes.
KI verändert die Wertschöpfung der Agenturen
Dass KI das Agenturgeschäft grundlegend verändert, steht für Chris Jungjohann außer Frage. Technologie unterstützt oder übernimmt zunehmend repetitive, produktionslastige und ausführende Aufgaben. Auch bei Ogilvy spielt KI deshalb längst eine zentrale Rolle. Die Agentur gehört zum internationalen Werbe- und Kommunikationskonzern WPP, der mit WPP Open eine eigene KI-gestützte Marketing-Plattform entwickelt hat. Laut Chris Jungjohann arbeiten bereits deutlich mehr als 70 Prozent der Mitarbeiter:innen seiner Agenturgruppe täglich damit.
Für Chris Jungjohann bedeutet KI nicht das Ende der Agentur. Sie erweitert vielmehr die Möglichkeiten für Kund:innen: Sie können Werbung weiterhin klassisch von einer Agentur entwickeln lassen, KI-Lösungen über die Agentur nutzen oder die Technologie selbst einsetzen. Entscheidend ist deshalb, dass Agenturen alle drei Wege mitgehen können: „Ich will in allen drei Optionen einen Platz am Tisch haben.“
Wird Human-Made Creativity zum Premiumprodukt?
Je mehr Content KI produzieren kann, desto größer könnte gleichzeitig der Wert dessen werden, was sich nicht beliebig skalieren lässt. Chris Jungjohann erwartet eine „Sea of Sameness“, in der sich Inhalte zunehmend ähneln. Dann gewinnen für ihn zwei Fähigkeiten an Bedeutung: wirklich neue kreative Ideen und eine langfristige, menschlich geprägte Markenführung.
Das ermöglicht Kreativagenturen, sich wieder stärker auf ihren Kern zu konzentrieren: mit Kreativität echte Businessprobleme zu lösen. Diese Leistung dürfte aus seiner Sicht künftig an Wert gewinnen. Seine These:
„Die Stunde muss teurer werden.“
Wie sieht die Kreativagentur der Zukunft aus?
Im Podcast geht es außerdem um den Umbau des internationalen Agenturnetzwerks WPP und um die Frage, wie sich gemeinsame Strukturen mit eigenständigen Agenturmarken verbinden lassen. Chris Jungjohann erklärt, wie agenturübergreifende Teams im New Business funktionieren und welche Skills Talente künftig brauchen. Außerdem thematisiert er Daten versus Bauchgefühl, messbaren Business Impact und den „Funken Menschlichkeit“, den KI aus seiner Sicht nicht ersetzen kann.
Wie viel Agentur braucht Werbung im KI-Zeitalter noch? Hör jetzt die neue Episode des DMEXCO Podcasts mit Chris Jungjohann.
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