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Wird Corona den E-Commerce nachhaltig verändern?

Online-Riesen wie Amazon gehören zu den größten Profiteuren der Corona-Krise. Doch auch der regionale Handel ist auf dem Vormarsch.
Bild: © Gorodenkoff / Adobe Stock

Ist der E-Commerce Gewinner oder Verlierer der Krise?

Der Lockdown im Frühjahr 2020 hat den Handel insgesamt spürbar beeinträchtigt. Am stärksten betroffen von der Krise waren zweifellos die unzähligen Einzelhändler, die ihre Ladengeschäfte wochenlang schließen mussten. Doch auch der Online-Handel verzeichnete – abhängig vom jeweiligen Produktsortiment – signifikante Umsatzeinbußen. Vor allem in Segmenten wie Bekleidung, Schuhe und Möbel zeigten sich Verbraucher während der Corona-Pandemie eine Zeit lang sehr zurückhaltend. Andere Branchen konnten hingegen sogar Zuwächse verzeichnen, etwa Online-Apotheken, Lebensmittel-Lieferdienste und Anbieter von Fitnessgeräten. Laut einer Studie des Händlerbundes berichteten mehr als die Hälfte der Online-Händler in der Hochphase der Krise von negativen Effekten auf ihr Geschäft. Rund ein Drittel konnte zum damaligen Zeitpunkt nur schwache Auswirkungen feststellen, während etwa jeder zehnte Befragte sogar höhere Umsätze verzeichnete.

Doch wie sieht die Situation heute aus? Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass der E-Commerce langfristig größere Zuwächse als vor der Krise erwarten darf, wie aller Voraussicht nach auch der digitale Wandel insgesamt einen nachhaltigen Schub bekommt.

Corona und Versandhandel: Wachsende Marktmacht der Online-Riesen?

Auch Verkaufsriesen wie Amazon, die zunehmend mehr Marktanteile erobern, sahen sich angesichts der Corona-Pandemie vor neue Herausforderungen gestellt. Lieferketten waren zum Teil unterbrochen, der Versand von nicht-essenziellen Produkten wie Mode- und Freizeitartikeln wurde zugunsten von Drogeriewaren und anderen Produkten des täglichen Bedarfs zeitweise zurückgestellt und es mussten neue Mitarbeiter rekrutiert werden. Inzwischen zeichnet sich ab, dass Amazon zu den größten Profiteuren der Corona-Krise im E-Commerce-Bereich gehört. Trotz steigender Kosten für Personal und Logistik konnte der reichweitenstarke Player seinen Nettogewinn im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln.

Liegt die Zukunft des E-Commerce im regionalen Handel?

Der große Erfolg der E-Commerce-Riesen liegt zum Teil auch darin begründet, dass sich immer mehr kleinere Einzelhändler dazu entschieden haben, ihre Produkte in Zeiten der Krise über Amazon und Co. zu verkaufen. Interessanterweise lässt sich aber auch ein gegenläufiger Trend verzeichnen: So machen einige Händler verstärkt von alternativen Kooperationsformen Gebrauch. Dazu zählen insbesondere regionale Marktplatzmodelle, die aufgrund der verstärkten Nachfrage nach lokalen Angeboten seit der Corona-Krise einen Aufschwung erfahren haben. Wie sich aus der Not eine Tugend machen lässt, zeigte beispielhaft die Plattform Einzelheld, die lokalen Einzelhändlern und Gastronomiebetrieben die Möglichkeit bietet, ihre Produkte über die Website zu vertreiben. Der Trend zu einem regionalen, nachhaltigen Konsum wird sich jedenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit über die Corona-Krise hinaus fortsetzen, sodass sich Online-Händler mit einer Umorientierung in diese Richtung auf lange Sicht Wettbewerbsvorteile sichern können.

Fazit: Größere Zuwachsraten im Online-Handel als vor der Krise

Trotz aller Herausforderungen und kurzfristigen Umsatzeinbußen zeichnet sich inzwischen ein recht deutliches Signal ab, wie sich die Krisenzeit langfristig auf den E-Commerce auswirken wird. Laut einer aktuellen Marktstudie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (bevh) werden vor allem Produkte des täglichen Bedarfs sowie Haushaltswaren deutlich öfter online gekauft als zuvor. Unterm Strich konnte der Online-Handel seine Umsätze demnach im zweiten Quartal um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern. Allerdings darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige Händler nach wie vor sehr mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen haben. Zudem verursachte die Krise in vielen Bereichen spürbare Mehrkosten, von denen sich manche Versandhändler nur langsam erholen. Es bleibt abzuwarten, ob sich der E-Commerce langfristig so aufstellen kann, dass er künftige Krisen leichter meistert.

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