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Wie Apple und Google das Bezahlen verändern

Wie Apple und Google das Bezahlen verändern
© 2019 Apple Inc.

Über viele Jahre hinweg galten die Deutschen als absolute Bargeld-Fans. Selbst die EC-Karte (heute Girocard), die nahezu jeder Bankkunde in der Tasche hatte, wurde nur selten als Zahlungsmittel genutzt. Kreditkarten spielten, insbesondere im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, eine absolute Nischenrolle.

Seit 2018 sieht es so aus, als könnte sich das ändern und als könnte aus dem „Warten Sie, ich hab’s passend“ an der Ladenkasse ein entspanntes Hinhalten des Smartphones an das Kartenterminal werden. Verantwortlich dafür sind insbesondere Apple Pay und Google Pay, die mit großem Medienrummel im vergangenen Jahr starteten. Den kontaktlosen Bezahlverfahren könnte gelingen, was in der Vergangenheit weder die Kreditkartenunternehmen noch die Banken geschafft haben: bargeldloses Bezahlen auch bei kleineren Einkäufen im stationären Handel zu etablieren. „Deutschland geht hier offenbar einen Sonderweg und entdeckt das bargeldlose Bezahlen unter Überspringen der Plastikkarte für sich“, beobachtet Ralf Ohlhausen, CEO bei PPRO, einem Dienstleister für Payment-Lösungen.

 

Bei iPhone-Nutzern signifikant höhere Umsätze

Damit das gelingt, braucht der Kunde ein NFC-fähiges Smartphone, was inzwischen selbst in der Mittelklasse zu den Standard-Features gehört – und der Händler ein für kontaktloses Zahlen geeignetes Kassenterminal. Auch das ist kein Problem mehr, weil die Kreditwirtschaft bereits seit Jahren sämtliche neuen Terminals mit NFC-Lesern ausstattet, die ja auch über kontaktlose Bankkarten genutzt werden können. Bis 2020 sollen solche Terminals flächendeckend verfügbar sein, mehr als zwei Drittel sind bereits heute NFC-fähig.

Obwohl das iPhone nur einen Marktanteil von rund 20 Prozent hat, gehen von ihm rund die Hälfte aller Mobile-Umsätze aus. Die Kunden, die sich ein iPhone leisten, gelten auch anderweitig als kaufkräftig, so die einleuchtende Argumentation. Dass Google Pay zum Start im Sommer etwas weniger Publicity hatte, dürfte aber auch damit zu tun haben, dass Google unter Android neben dem eigenen Bezahldienst auch andere Verfahren via Smartphone duldet – Apple Pay dagegen wird auf dem iPhone unter sich bleiben. „Wir bemerken ein leicht höheres Interesse an Apple Pay als an Google Pay, aus Verbraucher- wie aus Händlersicht“, erklärt Ralf Gladis, CEO vom Zahlungsdienstleister Computop, der Händlern am POS sowie im Onlinehandel die Einbindung von Bezahlverfahren ermöglicht.

Anders als bei Google Pay müssen Nutzer von Apple Pay das Glück haben, dass Ihre Bank den Dienst unterstützt. Rund ein Dutzend deutsche Banken tun dies bereits, Sparkassenkunden werden dagegen wohl dauerhaft ohne Apple Pay auskommen müssen. Insbesondere der Schritt Googles, mit Hilfe der mehr als 20 Millionen deutschen Paypal-Nutzer quasi an den Banken vorbei Google Pay anzubieten, könnte sich auszahlen.

 

Am POS: Keine Schlange an der Kasse mehr

Dabei eignen sich Apple Pay und Google Pay nicht nur für den stationären Handel, wo sie einen echten Mehrwert schaffen, weil der Bezahlvorgang in weniger als drei Sekunden abgeschlossen ist. Auch im E-Commerce kommen sie zum Einsatz, konkurrieren dort aber mit einer Vielzahl anderer Bezahlverfahren. Experten raten Onlinehändlern dennoch dazu, möglichst beide Zahlverfahren im Rahmen ihres Payment-Portfolios anzubieten, um die Zahl der Kaufabbrüche im Checkout-Bereich möglichst niedrig zu halten. „Für die Integration in den Online-Shop und die App ist zunächst zu prüfen, ob der Acquirer Apple Pay im E-Commerce abwickeln kann“, erklärt Gladis. Darüber hinaus werde lediglich ein Zertifikat benötigt, das der Händler online von Apple bezieht. Ähnlich unkompliziert in der Einbindung ist Google Pay.

Dem stationären Händler nutzen verbreitete bargeldlose Bezahlverfahren, über deren Benutzung der Kunde nicht lange nachdenken muss, gleich in zweierlei Hinsicht. Denn zum geben Kunden erfahrungsgemäß mehr Geld aus, wenn sie den Verlust nicht gleich in Form von Bargeld physisch spüren , zum anderen ist eine solche Strategie ein guter Weg, Warteschlangen zu verkürzen, weil man nicht umständlich mit Wechselgeld hantiert. Damit verbunden ist ein Trend, der in anderen Ländern schon häufiger vorzufinden ist als hierzulande: Insbesondere bei Marken-Stores und im Luxussegment (Kleidung und Schuhe, Parfum und Kosmetik, Elektronik und Accessoires) gibt es oftmals schon keine Kasse mit dazugehörigem Anstehen mehr: „Das Anstehen an der Kasse ist eine Tätigkeit, die Kunden gar nicht gerne tun“, weiß Gladis. „Händler, die dem Kunden das abnehmen, können ihren Umsatz stärken.“

Fazit: Höhere Einnahmen für den Handel

Google und Apple könnten aufgrund ihrer weiten Verbreitung das Bezahlen via Smartphone populär machen und aufgrund der Einfachheit dazu beitragen, dass der Anteil der bargeldlosen Transaktionen im stationären Handel in den nächsten Jahren steigt. Händler sollten daher, egal ob sie ihre Waren on- oder offline anbieten, die beiden Bezahlverfahren implementieren. Gerade am POS steigt so die Convenience für den Kunden und der Umsatz für den Händler.

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