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Was einen erfolgreichen Digital Leader ausmacht

Was einen erfolgreichen Digital Leader ausmacht

„Der Schlüssel zur digitalen Transformation liegt in einer angemessenen Führungskultur“, sagt Christiane Brandes-Visbeck. Sie zählt zu den Vordenkern von Digital Leadership in Deutschland und ist u.a. Co-Autorin von „Netzwerk schlägt Hierarchie“. Die digitale Transformation ist dabei ein langer und komplexer Prozess, der auf zahlreiche Widerstände in der Führungsebene und bei den Mitarbeitern treffen kann. Da reicht es eben nicht, sich allein mit Zukunftsthemen und neuen Trends und Konzepten auseinanderzusetzen. Es geht nicht nur um Technik und Software. Es ist kein reines IT-Thema. Und es reicht auch nicht, alle Fragen dazu an einen Chief Digital Officer auszulagern.

Was Digital Leadership bedeutet

„In unsicheren Zeiten, in denen Veränderungsdynamiken ungewöhnlich hoch sind und die Zukunft nicht mehr berechenbar ist, bedarf es einer mutigen und intelligenten Führung“, sagt Christiane Brandes-Visbeck. Sie sieht Digital Leadership als einen Führungsstil, „der Unternehmen und unsere Gesellschaft sicher in die neue Zeit transportieren soll“.

Sie verweist auf eine weitgreifende Definition des Begriffs, geprägt von B.J. Avolio, S. Kahai und G.E. Dodge in ihrem Papier „E-leadership: Implications for theory, research, and practice“. Sie beschreiben es dort als einen Prozess der sozialen Einflussnahme, der durch moderne Informationstechnologien in Gang gesetzt wird. Es geht demnach darum, Veränderungen zu bewirken: bei der Einstellung, der Wahrnehmung, den Emotionen, dem Denken, dem Verhalten sowie der Performance von einzelnen Menschen, Gruppen oder Organisationen.

5 Anregungen für die Praxis

Was heißt das nun ganz praktisch? Auch ein Digital Leader greife bei alldem auf Eigenschaften und Methoden zurück, die sich in der klassischen Toolbox einer Führungskraft finden, sagt Christiane Brandes-Visbeck. Was darüber hinaus gefordert ist, zeigt eine Studie der Personalberatung Russel Reynolds. Demnach haben moderne Führungskräfte vor allem fünf Eigenschaften: disruptiv, innovativ, mutig in der Führung, sozial hoch kompetent und entschlossen.

  1. Unter Disruption in der Führung versteht Christiane Brandes-Visbeck beispielsweise, Bewährtes auf den Prüfstand zu stellen. Jeder Produktionsprozess, jede Stellenbeschreibung und jede Form der Zusammenarbeit sollte neu gedacht werden. Es bedeutet auch, nicht jede kleine Entscheidung bis in die oberste Führungsebene absegnen zu lassen, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen, innovative Ideen zu prüfen und schnell umzusetzen.
  2. Um innovativ sein zu können, sollten Firmenlenker in die Zukunft schauen und die richtigen Fragen zulassen, selbst dann, wenn man als Entscheider die Antwort noch nicht kennt. Eigenschaften wie Phantasie, Querdenken und ungewöhnliche Fragen zu stellen, sind in vielen streng durchstrukturierten Unternehmen für Mitarbeiter tabu. Im Zeitalter der digitalen Transformation lernen wir nun, dass unternehmerische Innovation erst da möglich ist, wo Menschen den Normen der Gesellschaft, der Familie oder einer Firmenkultur nicht mehr entsprechen müssen.
  3. Sei mutig in der Führung, flexibel und zeige Haltung. Schlagwort: „Transformational Leadership Style”. Laut Wikipedia: „Transformationale Führungskräfte versuchen, ihre Mitarbeiter intrinsisch zu motivieren, indem sie beispielsweise attraktive Visionen vermitteln, den gemeinsamen Weg zur Zielerreichung kommunizieren, als Vorbild auftreten und die individuelle Entwicklung der Mitarbeiter unterstützen.“ Es gehe außerdem darum, selbst vorzuleben, was man von den eigenen Mitarbeitern erwartet, sagt Brandes-Visbeck. Es sei wichtig, Leadership nicht mehr (nur) als Position, sondern als Rolle zu betrachten.
  4. Sozial hoch kompetent zu sein, bedeutet u.a., offen für neue Formen der Zusammenarbeit zu sein. Laut einer Bitkom-Studie wird zum Beispiel zwar gesehen, dass Arbeiten aus dem Homeoffice an Bedeutung zunehmen wird. Trotzdem lehnen zwei Drittel aller deutschen Unternehmen die Arbeit außerhalb des Büros und andere alternative Arbeitsformen ab. Sozial kompetent bedeutet auch, Unterschiede im menschlichen Sein zuzulassen – Stichwort „Diversity“. Und eine sozial kompetente digitale Führungskraft weiß, dass jede Generation eigene Kommunikationskulturen und Werte lebt und geht darauf ein.
  5. Sei entschlossen: Viele Change-Projekte in Unternehmen gehen schief, weil Führungskräfte wankelmütig sind. „Digital Leader aber sind entschlossen, selbstgesteckte Ziele zu erreichen und ihre Visionen erlebbar zu machen. Sie entwickeln klare Strategien und flexible Taktiken, um über Hindernisse hinwegzukommen. Sie unterstützen ihre Teams, und motivieren sie, es ihnen gleich zu tun“, sagt Christiane Brandes-Visbeck.

 

Fazit

In Deutschland wird die digitale Transformation bisweilen noch immer als vorübergehendes Trendthema angesehen. Sie ist aber ein umfassender Wandel, der bereits heute sichtbar wird und sich weiter fortsetzt. Wie hier beschrieben, braucht es in Unternehmen mehr als ein Lippenbekenntnis. Vielmehr erfasst dieser Wandel lange eingeführte Strukturen und Denkweisen in Unternehmen. Digital Leadership ist notwendig, um diese Veränderungen zu meistern und zum eigenen Vorteil zu nutzen.

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