VR-Konferenzen: Virtual Reality als Zukunft der Videokonferenz?

Holografische Meetingräume, die Team-Mitglieder als Avatare – werden wir uns in Zukunft überhaupt noch begegnen müssen? Welche Vorteile bietet Virtual-Reality-Technologie für Meetings und Konferenzen? Wo stößt sie an ihre Grenzen?

Virtual Reality unterstützt mit realitätsnahen 3D-Simulationen das Arbeiten aus dem Home Office.
Bild: © adam121/ Adobe Stock

Corona als Treiber für Remote Work und Videokonferenzen

Was vor der Pandemie noch den Mitarbeiter:innen internationaler Projekte vorbehalten war, hielt in den letzen eineinhalb Jahren Einzug in den Arbeits- und Lebensalltag der meisten Unternehmen: die digitale Kommunikation über den Videochat. Zoom, Teams, Slack und Co. sind inzwischen ständige Begleiter im Home Office und bieten eine zeitlich wesentlich effizientere Kommunikationslösung als der klassische E-Mailverkehr. Der gegenseitige Austausch über Projekte, die Wochenplanung, selbst Vertragsverhandlungen – im Videochat spricht man Face to Face und das sogar von verschiedenen Kontinenten aus.

In der Digitalbranche sind flexibles Arbeiten und Videokonferenzen mittlerweile eher der Standard als die Ausnahme. Einer DMEXCO Umfrage vom Juni 2021 zufolge können etwa 86 Prozent der Befragten aus der nationalen DMEXCO Community Remote arbeiten.

Fest steht also: Im Zusammenhang mit Remote Work, Videokonferenzen und Co. gibt es einen großen Markt für neue Technologien. Die entscheidende Frage aber ist: Für welche Unternehmen und Geschäftsfelder ist die Anschaffung von VR-Software sinnvoll, welchen Mehrwert bringt sie über ein besseres Kommunikationsgefühl hinaus?

Virtual Reality: Vom Gaming-Sektor in die Industrie

Die Gaming Industry profitiert schon seit Langem von dem Bedürfnis nach der „wahren Erlebbarkeit“ und konzentriert sich seit mehreren Jahren auf die Weiterentwicklung und Optimierung von High-End VR-Brillen. Doch auch andere Industriezweige haben das Potenzial längst erkannt und setzen Virtual Reality oft auch in Kombination mit Augmented Reality bei der Projektplanung und in verschiedenen Entwicklungsstufen zur Unterstützung der Arbeitsprozesse ein. Mit nur einem Mausklick öffnet sich die Tür zu einem Automobilwerk, einem Rehabilitationszentrum oder einer längst nicht mehr existierenden Mayakultur. Typische VR-Einsatzszenarien sind etwa:

  • Immobilienbranche: In der Bauphase können Architekten und Ingenieure dank VR effizient kollaborieren und zeitgleich am selben Projekt arbeiten, ohne die Anlage betreten zu müssen. Schon zu diesem Zeitpunkt kann der Makler mit seinen Interessenten durch das virtuell fertiggestellte Gebäude und die eingerichteten Räumlichkeiten gehen.
  • Medizin und Forschung: VR-Applikationen unterstützen Ärzte, sich auf komplizierte Eingriffe vorzubereiten.
  • Learning: Schulungen müssen nicht mehr vor Ort stattfinden, sondern werden mit erlebbaren Beispielen aus der Praxis in jedes Wohnzimmer gebracht.
  • E-Commerce: Produkte können vor dem Kauf nicht nur auf ihre Funktionalität geprüft, sondern auch in ihrer virtuell erzeugten „natürlichen Umgebung“ getestet werden.

Diese innovativen Kommunikationsmöglichkeiten können auch Remote-Work-Szenarien erweitern.

Bessere Kommunikation durch VR-Technologie?

Die Idee ist faszinierend: Unternehmen können die Optimierungseffekte immersiver Technologien für sich und ihre Mitarbeiter:innen nutzen, um die Kollaborationsschwächen der bisherigen Kommunikationsmethoden zu überwinden. Denn die klassische Videokonferenz führt bekanntermaßen zu Ermüdungserscheinungen und weist – bei allen Vorteilen – im Alltag einige Probleme auf: Kleine Laptopscreens, die bei mehr als sechs Teilnehmern unübersichtlich werden, eine wenig lebendig wirkende 2D-Ästhetik, Schwierigkeiten in der Demonstration plastischer Objekte. Wortüberschneidungen führen sofort zum Sprachchaos oder abrupter Verstummung, weshalb manche Kolleg:innen es vorziehen, lieber gar nichts zu sagen. Darunter leidet die Teamarbeit – und das bedeutet verlangsamte Arbeitsprozesse.

Mit VR-Technologie und dem passenden Equipment lassen sich diese Hürden überwinden. Die benötigten Endgeräte sind mittlerweile wesentlich erschwinglicher, als sie es noch zu Beginn der Entwicklungsphase waren und die Basistechnologien haben parallel einen hohen Reifegrad erreicht.

Software für VR-Konferenzen – ein Überblick

Von simplen Standardfunktionen bis zu High-End-Lösungen findet sich auf dem Markt mittlerweile ein gutes Angebot an VR Software.

  • Spatial beispielsweise bietet alle notwendigen Features für gemeinsame Treffen an und es lassen sich 3D-Objekte und weitere Arbeitsmaterialien hochladen und einbeziehen.
  • Auch die Anwendung von MeetinVR erzeugt virtuelle Konferenz- und Kreativräume mit sechs bis zwölf Teilnehmer:innen.
  • Breakroom setzt neben Meetingräumen auf soziale Treffpunkte, an denen man plaudern und mit Kolleg:innen sogar ein Konzert besuchen kann.
  • In der kostenlosen Open Source Anwendung Mozilla Hubs können sich Kreative sogar selbst verwirklichen und ihren eigenen Arbeitsplatz schaffen.

 

Das Marktsegment boomt und es drängen regelmäßig neue Anbieter auf die Bühne, deshalb solltest du das Angebot im Auge behalten, wenn du dich und dein Team in neue Welten eintauchen lassen willst.

Virtual Workspaces: kosteneffizient und ökologisch

Virtuelle Konferenzräume – oder auch Virtual Workspaces – erhalten immer mehr Raum, ohne ihn tatsächlich zu besetzen. Der virtuelle Arbeitsplatz als sinnvolle Erweiterung der physisch beschränkenden eigenen vier Wände im Home Office kann nicht nur in sozialer Hinsicht, sondern auch ökologisch und wirtschaftlich wertvoll sein.

  • Eine lockere Atmosphäre inmitten der Kolleg:innen erleichtert das gemeinsame Brainstorming, führt zu mehr Kreativleistung und produktiveren Ergebnissen.
  • Die Beschleunigung von Arbeitsprozessen und das damit verbundene Einsparungspotenzial machen VR-Konferenzen und virtuelle Meetings durchaus attraktiv.
  • Der Klimabeitrag: Infolge regelmäßiger Nutzung von Videokonferenzen werden teure und die Umwelt belastenden Geschäftsreisen durch das Gespräch am Screen ersetzt.

Dennoch darf man (noch) nicht zu viel erwarten. Avatare können den Kolleg:innen zwar nachempfunden werden, aber die einfache Laptopkamera gibt am Ende ein realistischeres Bild wider und die Bewegungen laufen noch nicht ganz rund. Zudem gibt es immer wieder Personen, die unter Motion Sickness leiden und bei der Nutzung von VR-Brillen Übelkeit empfinden.

Virtual Reality als Chance für die Kollaboration

Ist Virtual Reality also die Zukunft der Videokonferenzen? Das bleibt abzuwarten. Insgesamt kann die erleichterte Kommunikation, die gemeinsame Arbeit an 3D-Objekten und das Gefühl des Miteinanders und nicht nur Gegenübers im virtuellen Konferenzraum aber ein positiver Push sein. Für die kontinuierliche und vor allem effiziente Arbeit im Remote-Betrieb sind die erweiternden Virtual-Reality-Möglichkeiten sicherlich eine spannende Option.

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