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Augmented Reality im Marketing: 8 aktuelle Beispiele

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Augmented Reality (AR) als Tool im Marketing hat in den letzten Monaten einen erheblichen Schub bekommen. Vor Jahren existierten AR-Anwendungen entweder nur als Konzept oder mussten mühsam und teuer von Grund auf programmiert werden. Inzwischen halten sie im großen Stil Einzug in die App Stores von Apple und Google, weil sie AR selbst aktiv fördern. Auch Facebook und Instagram wollen, ebenso wie Snapchat, damit punkten. Wir haben einige sehenswerte Beispiele zusammengestellt.

Augmented Reality vs. Virtual Reality

Zur Begriffserklärung: Während die Nutzer bei der Virtual Reality komplett in eine künstliche Welt abtauchen, nimmt die Augmented Reality die vorhandene Umgebung und erweitert sie um digitale Informationen und Elemente.

Heute nimmt man dazu in der Regel sein Smartphone oder Tablet in die Hand: Die AR-Software ergänzt das Live-Bild aus der eingebauten Kamera entsprechend. Inzwischen haben Apple und Google gezeigt, dass moderne Mobilgeräte keine spezielle Hardware mehr benötigen, um das in erstaunlich guter Qualität zu schaffen.

Wie aber lässt sich das ganz praktisch fürs Marketing nutzen? Dazu nun folgend einige Beispiele aus vier Bereichen.

AR im Onlineshopping

So erfolgreich das Einkaufen via Internet inzwischen auch ist: Es gibt etliche Produkte, die sich selbst mit aufwändig produzierten Fotos und Videos nicht ausreichend beschreiben und darstellen lassen. Hier kann Augmented Reality erheblich weiterhelfen.

Ikea beispielsweise zeigt mit seiner „Place“-App wie nützlich das sein kann. Damit lassen sich digitale Versionen der schwedischen Möbelstücke direkt im eigenen Zuhause ausprobieren. Man wählt sie aus dem Katalog aus und stellt sie mit dem Finger an die geplante Stelle. Schon kann man beurteilen, ob der favorisierte Sessel wirklich in die geplante Wohnzimmer-Ecke passt und wie sich die Stehlampe daneben macht.

Ein anderes Beispiel liefert der Farbenspezialist Dulux. Mit deren App lassen sich Wände in der Wohnung ganz nach Herzenslust einfärben. Und jeder weiß, wie anders eine Farbe wirken kann, wenn sie erst einmal eine ganze Wand füllt.

Modiface wiederum ermöglicht es, Beauty-Produkte ganz zwanglos und bequem auszuprobieren. Das Smartphone wird damit zum digitalen Schminkspiegel. Inzwischen wurde das Startup von L’Oreal gekauft.

Alle drei Beispiele helfen nicht nur bei der Auswahl der Produkte, sondern haben auch noch einen spielerischen Anteil. Anders gesagt: Sie räumen nicht nur eine Hürde aus dem Weg, sondern rollen zugleich den roten Teppich aus.

AR im stationären Handel

Auch im klassischen, ortsgebundenen Einzelhandel kann AR hilfreich sein und das Einkaufserlebnis verbessern.

Memomi ist beispielsweise ein High-Tech-Spiegel mit einigen geradezu magischen Fähigkeiten. So lassen sich damit beispielsweise Kombinationen von Kleidungsstücken ausprobieren, ohne dass man erst auf eine freie Umkleidekabine warten müsste. Oder der Spiegel kann die Farben der Stoffe dynamisch anpassen. Auf diese Weise lassen sich viele Modelle und Varianten in kurzer Zeit ausprobieren – selbst wenn sie nicht im Laden vorrätig sind.

Dieser „magische Spiegel“ ist zudem ein gutes Beispiel für den Fortschritt der letzten Jahre: Vor einigen Jahren hatte die Marke Timberland mit einem ähnlichen Gerät für Aufsehen gesorgt. Nun gibt es das als fertiges Produkt und ist auch noch leistungsfähiger als das Vorbild von 2014.

AR in Instagram, Snapchat & Co.

„AR-Filter“ für witzige und überraschende Effekte in Selfies und anderen Fotos eignen sich ganz besonders fürs Marketing. Charaktere aus Filmen, Marken-Maskottchen oder die Produkte selbst können hier auftauchen. Unterhaltsam und spaßig sollte es aber in der Regel schon sein.

Snapchat hat erklärt, dass ein Drittel seiner Nutzer täglich die „Lenses“ genannten Effektfilter ausprobiert und das im Schnitt für drei Minuten. Weiteres Plus: Nutzer interagieren bewusst mit der Werbung und das oftmals sogar pro-aktiv. Zudem verbreiten sie die Ergebnisse dann noch freiwillig.

So schuf Netflix als Werbung für seine Serie „Stranger Things“ eine unheimliche AR-Umgebung, mit der die Nutzer interagieren konnten. Der Film „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ bot allerlei witzige Selfie-Optionen. Und die Fast-Food-Kette Taco Bell erreichte mit seinem Selfie-Filter 224 Millionen Abrufe an nur einem einzigen Tag. Nach verschiedenen Schätzungen haben sie 500.000 bis 750.000 US-Dollar dafür ausgegeben. Im Vergleich zu einer Werbung im US-Medienereignis „Super Bowl“ ist das die doppelte Reichweite zu einem Zehntel des Preises.

Snapchat wird allgemein als Vorreiter in diesem Gebiet angesehen. Facebook folgt ihnen auch hier auf dem Fuße und hat zum Beispiel das „AR Studio“ im Rahmen seiner “Camera Effects Platform” vorgestellt.

AR für Print- und Außenwerbung

Auch lassen sich auch statische Werbung in Zeitungen und Magazinen sowie Plakate durch Augmented Reality aufwerten. Beispiele dafür gibt es bereits seit vielen Jahren. Neu ist vor allem, dass sich die notwendige Technik inzwischen stärker verbreitet hat. So hat Porsche beispielsweise als erster deutscher Kunde die neuen AR-Funktionen der App „Shazam“ genutzt: Leser des Magazins „Auto, Motor und Sport“ fanden eine Anzeige des Sportwagenherstellers, die sich via Shazam zum Leben erwecken ließ. Für jedes abgebildete Modell war ein Video hinterlegt, das automatisch abspielte. Im Prinzip haben wir es hier mit einer Abwandlung des Themas „QR-Code“ zu tun. Allerdings werden die Interessenten in diesem Fall nicht einfach auf eine Website geleitet. Vielmehr lassen sich die gedruckte und die digitale Anzeige direkt miteinander verknüpfen und kombinieren.

Fazit und Ausblick

Dass Apple, Google und auch Facebook das Thema AR so forcieren, hat die Entwicklung in den letzten Monaten deutlich beschleunigt. Die nächste Entwicklungsstufe zeichnet sich derweil am Horizont ab: spezielle Headsets und Brillen. Microsofts HoloLens gehört dazu. Das Startup Magic Leap hat sein lang erwartetes erstes Modell für dieses Jahr angekündigt. Und auch Apple scheint in seinen Labors an einem solchen Gerät zu arbeiten. Die könnten dann vollkommen neue Erlebnisse ermöglichen.

Jan Tißler (c) Uplaod Magazin
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