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Thought Leadership: Eine Frage der Persönlichkeit

Thought Leadership: Eine Frage der Persönlichkeit

Im Thought Leadership spielt Expertenwissen in einem bestimmten Bereich eine große Rolle. Wie wichtig ist die Person hinter dem Wissen?

Bei Thought Leadership spielt es eine große Rolle, dass man weiß wovon man spricht. Die Leserschaft merkt sehr schnell, ob der Autor eine „Luftpumpe“ ist oder nicht. Oft denkt man, das Social Media die wahre Identität verschleiern können, jedoch muss man als Personal Brand und als Thought Leader in Business Netzwerken sich einer großen Followerschaft stellen, unter denen auch Experten sind. Konstruktive Kritik und gegensätzliche Meinungen zu Artikeln sind üblich, jedoch sollte man sich seine Themengebiete fokussiert auswählen und diese reflektieren können. Ein breites Hintergrundwissen ist notwendig, kann jedoch von Themengebiet zu Themengebiet variieren. Ich kann mich demnach auch als Thought Leader zu LinkedIn und Xing positionieren, ohne ein Experte in Twitter zu sein. Es macht jedoch Sinn den Gesamtüberblick der sozialen Medien zu haben, diese zu verstehen und in seinem Schwerpunktgebiet dann mit tiefgreifenden Wissen auftrumpfen zu können.

 

Muss man ein bekannter Experte für ein bestimmtes Fachgebiet oder ein erfolgreicher CEO in einem bekannten Unternehmen sein, um als Vordenker und “Thought Leader” wahrgenommen zu werden?

Ein ganz klares Nein. Jeder Experte und auch CEOs haben einmal klein angefangen. Durch die sozialen Netzwerke bekommen auch zunächst unbekannte Vordenker die Chance, sich mit ihrem Thema zu positionieren. Ein gutes Beispiel ist dabei Céline Flores Willers, Top Voice 2018. Sie hat sich schrittweise mit einem tollen eigenen Interview- und Videostil auf LinkedIn zu einer erfolgreichen Personal Brand aufgebaut und wird mittlerweile von einer großen Audience wahrgenommen. Glück braucht man natürlich auch. So können Netzwerker wie Prof. Harald Eichsteller oder Dr. Winfried Felser noch relativ neuen Thought Leadern helfen, eine breitere Masse zu erreichen. Denn es hilft, ein gut gepflegtes Netzwerk zu haben, und in diesem Punkt haben bekannte Experten und C-Level Manager meist einen zeitlichen und quantitativen Vorsprung.

 

Leadership ist in großem Maße Kommunikation – auch über Social Media. Wie können Social Media Leadership-Maßnahmen sinnvoll unterstützen?

Es geht hierbei um eine Plattform-Entscheidung. Man braucht einen Content Hub, wo längere Artikel und Ideen Platz finden. Das kann zu einem der eigene WordPress-Blog sein oder eben auch ein Business-Netzwerk wie LinkedIn. LinkedIn bietet für Einsteiger eine hervorragende erste Möglichkeit, denn hier haben die meisten bereits Kontakte und die LinkedIn Pulse Artikel bieten eine gute Alternative zum eigenen Blog. Wenn der Content Hub gewählt ist, geht es darum, die eigenen Ideen und Artikel über alle sozialen Medien zu teilen, um die Reichweite zu steigern und die Followerschaft für seine Meinungen zu begeistern. Im Endeffekt sind Social Media-Aktivitäten in der heutigen Zeit ein Muss, denn offline erreiche ich nur sehr schwierig meine Audience. Jedoch muss jeder Kanal mit Bedacht gewählt werden, denn hier warten große Unterschiede im Handling und dem Verhalten der Nutzer auf den Thought Leader.

 

Inwieweit muss man dabei einen Dialog führen und vor allem: Wie führt man diesen und wer sind die Dialogpartner?

Man muss sich mit seiner Followerschaft auseinandersetzen, der Dialog über die eigene Meinung bietet oft den ersten Anlass. In Business-Netzwerken trifft man oft Dialogpartner auf Augenhöhe, man muss sich mit Internet-Trollen eher selten auseinandersetzen. Die Dialogpartner sind alle, die sich für das Thema interessieren und über Entwicklungen der jeweiligen Branche und Themen diskutieren wollen. Dabei ist es egal, ob es der C-Level Leser ist oder der einfache Angestellte. Thought Leader sollten jeden Follower wahrnehmen und auf alle Argumente eingehen, bzw. sich mit diesen kritisch auseinandersetzen.

Meine erfolgreichsten Artikel auf LinkedIn waren die, die auf einer Diskussion aufbauten, verschiedene Meinungen konstruktiv beleuchteten und bei denen ich meine eigene Meinung facettenreich ‚verteidigen‘ konnte. Also nehmen Sie jeden einzelnen ihrer Follower wahr, wertschätzen sie ihn und es entsteht erfolgreicher Dialog.

 

Oftmals werden die Inhalte von bekannten Führungskräften von der konzerneigenen PR-Abteilung erstellt und veröffentlicht. Ist das der richtige Weg in Zeiten, wo die Glaubwürdigkeit digitaler Medien immer wieder angezweifelt wird?

Das ist definitiv der falsche Weg. Wir wissen alle, dass Führungskräfte oft ein natürliches Zeitproblem haben, somit kann ich es vollkommen verstehen, wenn die PR-Abteilung etwas vorbereitet. Jedoch kann die PR-Abteilung den wichtigsten Teil nicht erfüllen und das sind eigene Erfahrungen und die eigene Meinung – das sollte von den Führungskräften selbst kommen. Ich rate stark davon ab generische Artikel zu publizieren. Die Menschen sind an Meinungen und Erfahrungen interessiert. Allzu offensichtliche PR-Artikel werden nach meiner Erfahrung schnell weitergescrollt.

 

Welche Kanäle eignen sich, um beispielsweise die eigenen Mitarbeiter zu motivieren, zu begeistern und zu führen?

Um die eigenen Mitarbeiter abzuholen, muss man den Kanal sehr überlegt wählen. Für firmeninterne Insights am besten das Intranet nutzen oder in den persönlichen Dialog gehen. Ein Text, der für die Öffentlichkeit bestimmt ist, ist selten gut genug auf die Mitarbeiter zugeschnitten, denn er richtet sich meist an viele Stakeholder wie auch potenzielle neue Mitarbeiter. Die Stimmung unter Mitarbeitern ist meist ein wenig kritischer und so gelingt es Führungskräften nur in Ausnahmefällen, gleichermaßen zielsicher Externe und die internen Mitarbeiter zu adressieren. Kanäle wie Facebook finde ich für solche Zwecke auch zu privat, daher empfehle ich das Intranet oder kurze Live Sessions /Townhalls mit einem Vortrag und einer Fragerunde. Hier gilt es, die Audience klein zu halten und eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, in der sich der Mitarbeiter wertgeschätzt fühlt.

 

Gerade in Zeiten, in denen sich Informations- und Kommunikationstechnologien immer rasanter entwickeln, kann die menschlich-emotionale Komponente schnell in Vergessenheit geraten. Siehst du das als ein Risiko im Digital Leadership an?

Nein, denn mit Digital Leadership ist nur eine weitere Komponente in der heutigen Führungskultur dazu gekommen ist. Ohne echte vorgelebte Leadership-Qualität im Unternehmen kann Führung nicht funktionieren. Digital Leadership ist für mich die Chance, in den Dialog mit Externen, der Konkurrenz und neuen Ideen zu treten und seinen Horizont zu erweitern. Die menschlich-emotionale Komponente wird in der digitalen Welt durch die eigene Meinung wiedergegeben. Ein Text in den digitalen Medien kann durchaus emotional sein und besonders in der heutigen Zeit kann vieles mit Bildern und Videos ausgedrückt werden. Ich bin davon überzeugt, dass ohne Menschlichkeit Digital Leadership nicht möglich ist, denn es gibt tausende Meinungen zu einem Thema und nur eine eigene. Daher meine Empfehlung: Nicht zögern, die eigene Meinung nach außen vertreten und mit dem eigenen Thema Thought Leader werden. Man wird überrascht sein, wie viele Gleichgesinnte man trifft und wie hoch der eigene Lerneffekt ist.

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