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Start-up Atlas Deutschland

Start-up Atlas Deutschland

Wer in Deutschland ein Start-up gründen will, muss nach Berlin? Von wegen. Zwar ist die Berliner Startup-Szene in den meisten Rankings noch unangefochtene Nummer Eins, aber andere Städte und Regionen holen auf. Neben den Großräumen Berlin, München, Hamburg, Frankfurt und der Rhein-Ruhr-Region mit der DMEXCO sollte man auch die vermeintliche Provinz im Auge behalten. Der Reihe nach:

Berlin

Gemessen am Volumen der Venture Capital Deals liegt Berlin aktuell auf Rang 12 weltweit. In Berlin finden sich dem Printmagazin The Hundert zufolge auch 49 der 100 innovativsten deutschen Start-ups. Unter anderem Zalando, Delivery Hero, Betterplace, Soundcloud und Immobilienscout24 sind hier beheimatet, außerdem der Inkubator Rocket Internet. Co-Working-Spaces und Startup-Events gibt es in Hülle und Fülle. Auch München ist ein Start-up-Hotspot in Deutschland.

München

In München sitzen besonders viele Business Angels und Venture-Capital-Geber. Die Stadt hat es darum in der Kategorie VC-Investments als zweite deutsche Metropole neben Berlin in die weltweiten Top 50 geschafft. Sie rangiert dort auf Platz 42 und liegt noch vor Dublin und Vancouver. Die Münchner Startup-Konferenz Bits & Pretzels genießt mittlerweile internationales Ansehen – auch wenn der Auftritt von Kevin Spacey 2017 im nachhinein mehr Hollywood-Glamour als nötig bedeutete. Flixbus, Mytheresa, Westwing, Magazino, die Shore GmbH und Scout24 AG haben ihren Sitz in München. Es sind 5,8 Prozent aller deutschen Startups, in Bayern insgesamt sind es 12,3 Prozent.

NRW

Immer wichtiger für Startups wird auch die Rhein-Ruhr-Region, die Heimat der DMEXCO. In NRW sitzen dem Deutschem Startup Monitor zufolge mehr Startups als in Berlin, nämlich 19 Prozent aller dort aktuell gelisteten 1550 Start-ups, davon 11,2 Prozent allein in Köln. Zum Vergleich: Berlin bringt es auf rund 16 Prozent. Medienhäuser tun ihr übriges für eine lebendige Start-up-Szene in Köln. Bekannte Kölner Start-ups sind unter anderem die Wanddekorateure Picanova, das Softwareunternehmen Silexica und der Online-Übersetzer DeepL. Trusted Shops, eine Firma, an der mittlerweile Rocket Internet beteiligt ist, wurde ebenfalls als Start-up in Köln gegründet. Auch in Dortmund und Umgebung gibt es eine lebendige Start-up-Szene. Hier sind etwa Urlaubsguru, MySugarDaddy, readbox und clickworker zuhause. Fleetbird, eine Whitelabel-Plattform für mobile Sharingdienste, sitzt jetzt ebenfalls in Dortmund. Mitgründer Philip Müller bewog das bessere Personalangebot zum Umzug von Berlin ins Revier. Startup-Potenzial hat auch die frühere Stahlmetropole Essen – u.a. weil sich die Essener Wirtschaftsförderung für Start-ups ins Zeug legt. Dann natürlich Düsseldorf. In der Landeshauptstadt finden sich u.a. der Hotel-Preis-Vergleicher Trivago und Salz&Brot, Anbieter für provisionsfreie Wohnungen.

Hamburg

Auch wenn Hamburg vielleicht nicht (mehr) ganz mit Berlin mithalten kann: Die Hansestadt bleibt eine feste Größe in der Szene und ist als Deutschland-Standort von Facebook und Google ohnehin eine Digital-Klasse für sich. 7,2 Prozent aller deutschen Startups sitzen in der Hansestadt. Dazu gehören Firmen wie Xing, About You, Finanzcheck.de, Deposit Solution, das Fintech-Unternehmen Figo, der Event-Spezialist Sofaconcerts und Facelift, die Cloud für Social Media Marketing.

Baden-Württemberg

Die Region Stuttgart-Karlsruhe kann mehr als nur klassische Industrie. Das landesweite Netzwerk aus Start-ups, Corporates und Institutionen funktioniert. 12,6 Prozent aller deutschen Start-ups sitzen in Baden-Württemberg, davon 6,1 Prozent in der Region Stuttgart-Karlsruhe. Bekannte Stuttgarter Start-ups sind Mädchenflohmarkt, AnyDesk oder dimago. In Bruchsal bei Karlsruhe hat Volocopter einen elektrisch angetriebenen Multikopter für Personen entwickelt, der derzeit auf kaum einer Tech-Konferenz fehlen darf. In Karlsruhe gibt es seit 2013 das Gründerzentrum Perfekt Futur auf dem “Alten Schlachthof”. Dort haben sich junge Firmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft angesiedelt.

Frankfurt

Frankfurt am Main wird für Start-ups spätestens dann interessant, wenn sie an die Börse wollen. Mit Ausnahme von Fintech ist die regionale Startup-Szene allerdings noch überschaubar. Die Deutsche Börse ist dort engagiert. Im TechQuartier Frankfurt gibt es Gelegenheit zum co-worken. 4,1 Prozent aller deutschen Start-ups sitzen in Hessen.

Dresden und Leipzig

Im Osten der Republik dreht es sich vor allem um die sächsischen Metropolen Dresden und Leipzig. 4,6 Prozent aller deutschen Start-ups sitzen in Sachsen. Spreadshirt und Food.de sind in Leipzig zuhause. Dort sorgt u. a. der Accelerator SpinLab (auch in anderen Städten bekannt) für frisches Blut. In Dresden ist die Behördensoftware-Firma Stadt.Land.Netz zu finden, außerdem die Kleinbusvermietung CarlaundCarla.de und natürlich die Gläserne Manufaktur von Volkswagen, die Start-ups aus der gesamten Republik fördert.

Die Provinz

Es gibt noch viele weitere funktionierende Start-up-Hotspots in der Bundesrepublik. Zum Beispiel Osnabrück mit der Konferenz Innovate OS und dem Start-up-Zentrum Seedhouse, Augsburg mit dem Rocketeer-Festival und Bielefeld mit seiner von Bertelsmann ins Leben gerufenen Founders Foundation.

Fazit

Die deutsche Start-up-Szene ist sinnbildlich für den hiesigen Föderalismus: Es gibt mehr als nur ein Zentrum. Berlin ist wichtig, aber nicht dominant. Die deutsche Start-up-Vielfalt hat einige Vorteile; sie sorgt für kurze Wege zur klassischen Industrie und sie bietet jungen Firmen Alternativen zu ruinösen Hochpreis-Standorten. Die dezentrale Struktur macht es allerdings nicht leicht, den Überblick zu behalten. Ein Besuch auf der DMEXCO könnte helfen. Dort präsentieren sich im Future Park nicht nur zahlreiche internationale Tech-Unternehmen, sondern eben auch nationale und zwar aus ganz Deutschland.

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