KI-Suche statt klassischer Suchmaschine: Wie suchen wir in Zukunft?

KI verändert als disruptive Technologie die Suchgewohnheiten im Internet. Das ist eine spannende Entwicklung – und eine Herausforderung für Publisher:innen, Marketer:innen und SEO-Verantwortliche. Mach dich bereit, die Online-Suche neu zu denken!

KI-Suche: Bild von einem futuristischen Augenpaar, das auf einen Monitor schaut
Bild: © CraftyImago / AdobeStock

KI verändert uns

Die Branchenexpert:innen des Bundesverbands für digitale Wirtschaft (BVDW) haben es schon Anfang des Jahres auf den Punkt gebracht: Künstliche Intelligenz gehört zu den Megatrends für 2024. Das Thema beschäftigt alle Verantwortlichen (nicht nur) in der Digitalwirtschaft und lässt wohl niemanden kalt. So berichtete Eva Werle, Vizepräsidentin BVDW, dass der KI-Hype rund um ChatGPT und Co. im letzten Jahr viele Reaktionen innerhalb der verschiedenen Branchen hervorgerufen habe – von Skepsis über Neugier bis zur absoluten Begeisterung war nahezu jede Art von Meinung vertreten. Ein weiterer Fakt wurde von Eva Werle deutlich gemacht: KI ist gekommen, um zu bleiben.

Ich glaube, der Hype um KI ist noch gar nicht zu Ende. Der fängt erst an! Ich glaube, dass ein Jahr nach dem ChatGPT-Hype KI in 2024 noch viel tiefer in die Implementierungsphase eingetreten wird. Und dass wir den Einfluss von KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette spüren werden – von digitalen Unternehmen bis zu traditionellen Industriezweigen.

Eva Werle, Vizepräsidentin BVDW im DMEXCO Interview

Nach wie vor steht die KI-Transformation also noch am Anfang. Viele Publisher:innen und Marketer:innen haben sich bereits im vergangenen Jahr auf die großartigen Möglichkeiten von generativer KI gestürzt und KI-Tools sind in Unternehmen und Agenturen mittlerweile fest in die Prozesse eingebunden. Dennoch sind wir keinesfalls am Ende der Entwicklung angekommen: Die Technologie kann – und wird – die Funktionsweisen unserer Gesellschaft fundamental verändern. Das klingt zwar ein wenig utopisch, ist allerdings ernstzunehmende Zukunftsmusik. Die tiefgreifende Veränderung zeigt sich heute bereits da, wo es gerade für Publisher:innen, Marketer:innen und SEO-Verantwortliche aus der Komfortzone herausgeht – an der eigenen Arbeitsweise und dem eigenen Geschäftsmodell.

KI-Suche statt Suchmaschine

Die Suche nach Informationen zu befriedigen, sich über Sachverhalte Klarheit zu verschaffen und Probleme zu lösen, ist eine fundamentale menschliche Verhaltensweise. Schon die Digitalisierung hat die entsprechenden Prozesse revolutioniert – und zwar mit Suchmaschinen. Heute ist es für uns alle völlig normal, bei Google und Co. nach Informationen zu suchen. Wohingegen das alte Lexikon im Bücherschrank und das Branchenbuch längst ausgedient haben. Doch was ist, wenn bereits heute das Konzept der Suchmaschine infrage steht? Tatsächlich rüttelt die Künstliche Intelligenz gerade mächtig an dem Thron der großen Suchmaschinen. Langfristig gesehen können veränderte Suchgewohnheiten einen großen Einfluss darauf haben, wie erfolgreich Geschäftsmodelle bleiben, die überwiegend auf organischen Traffic angewiesen sind.

Ist die KI-Suche ein neuer Trend?

Spätestens seit dem bahnbrechenden Erfolg von ChatGPT nutzen viele Menschen generative KI im Alltag – und zwar nicht nur, um kreativen Output zu generieren, sondern auch um sich Sachverhalte erklären zu lassen und nach Informationen zu suchen. KI-Modelle wurden schließlich mit einer immensen Zahl an Daten trainiert und können somit – ähnlich wie Suchmaschinen – auf einen riesigen Fundus an Informationen zurückgreifen. Das macht sie für viele zu einer bequemen Alternative zu herkömmliche Suchseiten, da der Chatbot eines Sprachmodells beliebig viele Anfragen direkt beantworten kann. User:innen müssen nicht erst durch Suchtrefferseiten scrollen. KI-Tools verlinken sogar teilweise auf ausgesuchte Websites in ihren Antworten. Das macht sie erst recht zu einem neuen Gatekeeper in der Informationssuche.

Spannend: Künstliche Intelligenz stellt für viele Menschen tatsächlich eine sehr glaubhafte Informationsquelle dar. Erst kürzlich haben dazu die Johannes Gutenberg-Universität und die Hochschule Mainz eine Studie vorgelegt – mit teils überraschenden Befunden: Die Proband:innen schätzten KI-generierte Inhalte als ähnlich glaubwürdig ein wie die von Menschen erstellten Inhalte. Außerdem haben die Studienteilnehmer:innen dem KI-generiertem Content sogar eine höhere Klarheit und Anziehungskraft zugesprochen.

KI-Suche in einer neuen Welt

Tool Andi und KI-Suche
Bild: Screenshot via andisearch.com

Natürlich werden generative KI-Tools die traditionellen Suchmaschinen nicht direkt ersetzen und auch nicht sofort. Die Suchmaschinen-Konzerne arbeiten schließlich ebenfalls mit eigenen KI-Integrationen. Bereits seit einiger Zeit gibt es beispielsweise für Microsoft Bing eine GPT4-Integration – zunächst als Bing Chat und seit Februar 2023 in der App Microsoft Copilot. Die Integration der neuesten Version von ChatGPT direkt in der Bing-Suche ist seit Kurzem sogar für iOS verfügbar. Dies dürfte aufgrund der Beliebtheit des iPhone-Betriebssystems sicherlich zu einer wachsenden Veränderung von Suchgewohnheiten führen.

Zudem hat Google unlängst die sogenannte Search Generative Experience (SGE) ausgerollt – zunächst in den Vereinigten Staaten und nun in über 120 Ländern weltweit. Es handelt sich um eine neue generative KI-Funktion, die direkt in die SERP der Google-Suche integriert ist. Sie generiert möglichst präzise Antworten für eine Suchanfrage und stellt sie an prominenter Stelle neben den eigentlichen Suchergebnisse dar. Die SGE soll zudem neuartige Monetarisierungsfunktionen bieten – beispielsweise eine Integration von Ads direkt in den KI-generierten Antworten. Für Publisher:innen ist das durchaus interessant: Schließlich ist zu erwarten, dass sich User:innen vermehrt neuartigen KI-Integrationen wie der SGE widmen. Die Performance von herkömmlichen Werbeplätzen und Top-Rankings allerdings könnte die Neuerung infrage stellen.

Neue Lösungen für die Suche nach Informationen

Nicht zuletzt gewinnt derzeit eine völlig neue Generation an „smarten Such-Tools“ Aufmerksamkeit. Diese verbinden die klassische Web-Recherche mit einem Sprachmodell-Chatbot. Hierzu zählen beispielsweise die Lösungen Andi, Perplexity, you.com und natürlich Gemini (früher Google Bard).

Die genannten Lösungen und andere mögen aktuell zwar noch keine Konkurrenz zu den bekannten Suchmaschinen darstellen. Langfristig ist es allerdings fraglich, ob Chatbot-gestützte Sprachmodelle die klassischen Suchmaschinen nicht doch von ihren Plätzen verdrängen oder mit ihnen verschmelzen. Diese Entwicklung geht an vielen Publisher:innen, Marketer:innen und SEO-Verantwortlichen natürlich nicht vorbei. Schließlich handelt es sich bei Sprachmodellen um brandneue Kanäle für Marketer:innen, um Botschaften zu platzieren, und für Publisher:innen, um über Ads in den KI-Ergebnissen Reichweite zu generieren. Anhänger:innen beider Disziplinen müssen zudem damit rechnen, langfristig Traffic aus der klassischen organischen Suche mitsamt ihren Anzeigenplätzen zu verlieren. Es steht also viel auf dem Spiel, was wiederum die Rolle von SEO-Expert:innen künftig noch wichtiger macht.

KI-Optimierung – eine neue Spielwiese für SEO-Profis

Bereits jetzt gibt es erste Versuche, Inhalte wie Links oder Markennamen in KI-Output zu platzieren – teils mit Erfolg. So betont etwa der SEO-Experte Malte Landwehr in einem seiner Beiträge auf LinkedIn, dass es durchaus möglich sei, Sprachmodelle zu beeinflussen. Das ist tatsächlich ein völlig neues Anwendungsfeld. Zudem macht eben unter anderem diese Entwicklung deutlich: Künstliche Intelligenz wird auf den zweiten Blick noch viel mehr verändern, als wir im ersten Moment denken. Es gilt also, sich bezüglich dieser und anderer Entwicklungen auf jeden Fall auf dem Laufenden zu halten. Dazu bieten wir euch die Veranstaltungen und Bühnen! Spätestens auf der kommenden DMEXCO im September 2024 wirst du mehr über das Thema KI-Suche erfahren. Bis dahin versorgen wir dich in unseren Stories mit weiteren spannenden Infos!