DMEXCO 2026, Tag 1: Wenn AI auf Real Life trifft
„Scaling Intelligence“ ist das Motto der DMEXCO und Tag 1 zeigt: AI zu skalieren heißt nicht nur, mehr Tools einzusetzen. Entscheidend sind Daten, neue Workflows und Menschen, die Technologie in echten Mehrwert übersetzen.
Scaling Intelligence: KI braucht Vertrauen
„Welcome to DMEXCO!“ Traditionsgemäß eröffneten DMEXCO-Host Verena Gründel und BVDW-Präsident Dirk Freytag die Conference unter dem Motto „Scaling Intelligence“. Drei Themen geben den Takt vor: AI as Business Accelerator, Agentic AI & AI Commerce sowie Trust & Strong Brands. In den vergangenen Jahren haben alle viel getestet. Nun gilt es, Workflows neu zu denken, einen klaren Fokus zu entwickeln und AI zu einem priorisierten Führungsthema zu machen. „We need a Human in the Lead, not just in the Loop“, so Verena Gründel. Wer KI skaliert, muss auch Verantwortung übernehmen, betonte Dirk Freytag und fasste zusammen: „It’s all about Trust.“
KI zwischen Hype und Zeitenwende auf der Center Stage
Daniel Hulme, Chief AI Officer bei WPP, zeigte, wie KI die sieben zentralen Reibungspunkte im Marketing verändern kann: von Segmentierung und Zielgruppen über Content und Kreativität bis hin zu Performance, Kanälen und dem richtigen Moment der Kund:innenansprache. Eine besondere Chance sieht er in Shadow AI. Sein Appell an Führungskräfte: diese Innovationskraft gezielt fördern, interne Kompetenzen nutzen und strategische Partner einbinden. Denn KI soll nicht nur Prozesse effizienter machen, sondern vor allem menschliche Kreativität freisetzen.
Anschließend wagte Tech-Analyst Benedict Evans mit „AI eats the World“ einen Blick in die Zukunft. Was KI in zehn Jahren leisten wird, lässt sich heute ebenso wenig vorhersagen wie einst die Auswirkungen des Internets. Alle sprechen über Agentic AI, doch wohin die Entwicklung führt, ist offen. Zudem fragte Benedict Evans, ob die enorme KI-Nachfrage weiter schneller wächst als die Effizienzgewinne oder ob offene Modelle und sinkende Kosten die hohen Gewinnmargen unter Druck setzen.
Wer danach aus der Center Stage zur Commerce Stage oder in die nächste Masterclass eilte, lief direkt in die Arme eines sympathischen, riesigen humanoiden Roboters, der gerne für gemeinsame Bilder posierte.
What’s the State of Commerce 2026?
Auf der Commerce Stage wird deutlich: Commerce steht vor einem Machtwechsel. Alexander Graf, Co-CEO von Spryker, brachte es in seiner Lecture „The State of Commerce 2026“ auf den Punkt: AI-Agenten verändern, wie wir suchen und kaufen, während TikTok Shop und Creator Commerce die Frage neu beantworten, wo Nachfrage überhaupt entsteht. Gleichzeitig zeigt China, was als Nächstes kommt: neue Brands und Ökosysteme, die Content, Commerce, AI, Payment und Supply Chain konsequent zusammendenken. Von Alexander Graf haben wir außerdem gelernt: Manchmal ist es günstiger, ein Solarpanel bei einem chinesischen Anbieter zu kaufen als eine Küchenarbeitsplatte im Baumarkt – trotz des Augenzwinkerns ein eindrückliches Bild für die Verschiebungen im Markt.
Unser Tipp für alle, die morgen noch vor Ort sind: ein Abstecher in die Commerce Lounge. Hier werden Podcasts live aufgezeichnet, und ihr könnt direkt danebensitzen. Und wer nach einer Session noch eine Frage im Kopf hat, kann beim „Meet the Speaker“ die Speaker:innen persönlich treffen und nachhaken.
Das Panel „Trends in Commerce 2027“ mit Ian Jindal (RetailX), Victoria Canduela (Meta), Dan Glock (Shopify), Karo Junker de Neui (Etribes) und Clemens Bauer (REWE) ging dem Thema weiter auf den Grund. Discovery verlagert sich weg von Google hin zu Social, Messaging und AI-Assistenten, und mit Agentic Commerce sitzt bald vielleicht ein AI-Agent zwischen Handel und Kund:in. Damit das funktioniert, braucht es vor allem saubere Daten. Am Ende waren sich alle einig: Den Unterschied machen nicht die Tools, sondern die Menschen, die damit arbeiten. Oder wie Clemens Bauer sagte: „It’s all about the people.“
Beyond Reach: Marken müssen Teil der Fankultur werden
Ob Fußball oder Podcasts: Wie wird aus Aufmerksamkeit echte Fanbindung? Oliver Bierhoff, Unternehmer im Global Sports Business und ehemaliger Nationalspieler, diskutierte mit OneFootball-CEO Patrick Fischer, DFB-Vizepräsidentin Célia Šašić und Google-Marketingdirektorin Emily Henderson. Dabei ging es darum, wie Marken Fußball über die großen Turniere hinaus als 365-Tage-Ökosystem verstehen können, und um die Bedeutung von Community. Im Fokus: neue Formen des Fandoms, der wachsende Frauenfußball und die Frage, wie Marken dauerhaft Teil der Fußballkultur werden.
Wie das in der Creator Economy aussehen kann, thematisierten Palina Rojinski, Schauspielerin, Moderatorin und Podcasterin, und Riccardo Simonetti, Entertainer, Autor und Podcaster. Die Hosts des Spotify-Video-Podcasts „Saus & Applaus“ sprachen nach einer Menge Applaus darüber, wie aus regelmäßigem Content Nähe, Rituale und eine Community entstehen und wie Marken glaubwürdig Teil davon werden können. Wer es nicht ins volle Haus geschafft hat, um die beiden live zu sehen, kann sich den Talk auch im Nachgang in unserem VOD ansehen.
Der gemeinsame Nenner: Nicht nur Reichweite rund um einzelne Peaks suchen, sondern dort relevant werden, wo Fankultur jeden Tag stattfindet.
85 Slides, Memes und einmal blitzdingsen, bitte
Während in Halle 6 schon der erste Champagnerkorken knallte, ging auf der Tech Stage Tech-Blogger Sascha Pallenberg mit sage und schreibe 85 Slides an den Start. Die waren zum Glück sehr meme- und bildlastig und -lustig. Alte und neue Phänomene aus den sozialen Medien auf der Jagd nach Likes. Mithilfe des Mooreschen Gesetzes Intel und AMD erklärt. Er zeigte, wie groß Rechenzentren im Vergleich zur Größe von Manhattan sind. Er machte auf die Schattenseite von KI-Bilderstellung aufmerksam und erklärte, wie YouTube von KI-Videos geflutet wird. Er forderte auf ganz andere Weise den „Human in the Lead“. Und er hatte natürlich auch positive Beispiele dabei. KI-generierte POV-Videos aus den Zeiten von Troja. Echte Menschen mit echten Talenten und eine Filmempfehlung: „Her“ mit Joaquin Phoenix. Und wir wurden echt oft geblitzdingst. Alle, die Men in Black kennen, wissen, was gemeint ist. Für alle anderen haben wir jetzt hiermit noch eine Filmempfehlung. Und Sascha Pallenberg zeigte Chancen. Chancen für Souveränität, für Wirtschaft und Innovation made in Germany. Sein Poetry Slam würde diese Story sprengen – gibt’s aber in unserem VOD.
DMEXCO 2026: It’s all about the people!
Auch in den Gesprächen auf den Stages und zwischen den Ständen ging es um die menschlichen Aspekte der Skalierungsfrage. Denn neue Tools allein bringen noch keinen Business Value. Was es braucht? Die richtigen Daten, neue Workflows und vor allem Menschen, die AI mutig und sinnvoll in ihren Arbeitsalltag holen.
Schon auf den Pre-Partys drehte sich deshalb vieles nicht nur um konkrete Use Cases für KI und AI Agents, sondern auch um die Menschen dahinter. Wie befähigen wir unsere Teams? Und wie schaffen wir weiterhin Räume für echte Begegnungen? Denn je digitaler Prozesse, Beratung und Commerce werden, desto wertvoller wird der persönliche Austausch, im Team genauso wie mit unseren Kund:innen.
Apropos persönlicher Austausch: Scooter fahren, Bällebad und Bier trinken sind traditionell auf der DMEXCO eine gute Idee. Ganz ohne KI.