Commerce-Trends 2027: Die wichtigsten Insights der DMEXCO 2026
Wer entscheidet morgen, was gekauft wird? Kaufimpulse entstehen immer öfter in Social Feeds und KI-Assistenten, manche Einkäufe erledigen KI-Agenten gleich komplett. Sechs Commerce-Trends der DMEXCO 2026, die Lust auf 2027 machen.
Commerce 2027: Der Kaufimpuls sucht sich neue Wege
Dass wir Produkte auch abseits der Suchleiste entdecken, kennen wir alle aus dem eigenen Feed. Neu ist, wie oft inzwischen ein KI-Assistent den entscheidenden Anstoß gibt. Für Marken öffnen sich damit zusätzliche Wege zu ihrer Kundschaft. Vesselina Markova-Kauffmann, Director Retail DACH bei Pinterest, fragte in der Masterclass „The Future of Commerce“: „Welcher Impuls wird am Ende der sein, der bei Kund:innen den Kauf bringt?“
Für Händler:innen und Marken stellt sich damit vor allem eine Frage: Wie gestalten sie diese neue Schnittstelle? Ideen dafür gab es auf der DMEXCO reichlich.
Sechs Trends, die 2027 den Commerce prägen
#1 Agentic Commerce: Beauftragen statt suchen
„Das Verbraucherverhalten verändert sich so schnell, dass wir uns alle auf Agentic Commerce vorbereiten müssen“, sagte Karo Junker de Neui, COO von Etribes, im Panel „Trends in Commerce 2027“.
Wie weit das im B2B-Geschäft schon ist, zeigte Patrick Sostmann, General Manager von Alibaba.com Europe, in seiner Keynote „From Search to Agent: The New Rules of B2B Commerce“: Die Plattform Accio arbeitet für KMU als agentisches Business-Team, von Sourcing bis CRM. Sostmann empfiehlt, Agenten echte Aufgaben zu übertragen, statt ihnen nur Fragen zu stellen, und dabei Workflow für Workflow vorzugehen.
Das geht für dich: Damit KI-Agenten bei dir einkaufen können, brauchen sie Produktdaten, Verfügbarkeiten und Preise, die maschinenlesbar und aktuell sind. Der Einstieg ist leichter, als er klingt: Fang intern klein an, zum Beispiel mit der Nachbestellung. Leg fest, woran du Erfolg misst und an welcher Stelle ein Mensch freigibt.
#2 WhatsApp und Brand Agents mit Persönlichkeit
Victoria Canduela, Client Partner bei Meta, hat gleich zwei Favoriten: „Mein Top-Trend für das nächste Jahr sind WhatsApp und Agentic.“ Sie erwartet, dass 2027 mehr Marken eigene Agenten mit Persönlichkeit einführen. Als Commerce-Kanal steht WhatsApp noch am Anfang. Wer jetzt einsteigt, kann ihn mitprägen.
Das geht für dich: Starte auf WhatsApp dort, wo deine Kund:innen Rat brauchen: bei erklärungsbedürftigen Produkten oder beim Service nach dem Kauf. Bevor du einen eigenen Agenten baust, schreib auf, wie er klingen soll, was er nie sagen darf und wann er an dein Service-Team übergibt. Behandle das so verbindlich wie deine Markenrichtlinie.
#3 KI wird zur Produktempfehlungsmaschine
Verena Gründel, Brand and Communications Director der DMEXCO, nahm mit Nemo Tronnier (Social DNA) eine Live-Folge des Podcasts „Social Media Schau“ auf. Gründels These: „ChatGPT wird zur Produktempfehlungsmaschine.“ Sie geht davon aus, „dass wir so etwas wie Google Shopping mittelfristig in den LLMs sehen werden“.
Für Marken heißt das: Sichtbar ist künftig auch, wer in KI-Antworten auftaucht. Und das zahlt sich aus: Laut Dan Glock, Head of Enterprise EMEA bei Shopify, bringt Agentic Discovery 2,5-mal mehr Besuche auf Produktdetailseiten als die organische Suche.
Das geht für dich: Frag ChatGPT oder Perplexity regelmäßig so, wie deine Kund:innen es tun würden, und schau, ob deine Marke in der Antwort vorkommt. Pflege zitierfähige Produktdaten, Bewertungen und FAQs. Und weise KI-Traffic in deiner Analyse separat aus.
#4 Saubere Produktdaten schlagen großen Katalog
„Ich denke, 2027 muss immer noch das Jahr sein, in dem man seine Daten vereinheitlicht“, sagte Glock im Panel „Trends in Commerce 2027“. Digital-native-Unternehmen, die ihre Produktdaten von Anfang an sauber aufsetzen, hätten einen fast unfairen Vorteil gegenüber Marken mit Historie und großen Katalogen. Glock nannte dazu eine Zahl, die Mut macht: 75 Prozent der Käufe aus KI-Traffic entfallen auf Produkte außerhalb der Top-100-Kategorien.
Das geht für dich: Nimm dir deinen Katalog vor. Sind Attribute, Varianten und Einsatzszenarien vollständig gepflegt? Beginne im Longtail: Dort steckt viel Potenzial, und gerade hier entscheidet die Datenqualität, ob ein Agent dein Produkt findet.
#5 Content wird zum digitalen Regal
Auf TikTok stoßen viele auf Produkte, weil Creator:innen sie ganz nebenbei im Alltag zeigen. David Roland, General Manager GBS DACH bei TikTok Germany, erklärte in der Session „Closing the Measurement Gap“: „Content ist nicht mehr nur ein bunter Werbespot, er wird zum digitalen Regal.“ Und weiter: „Wenn in den Kommentaren steht ‚Habe ich nachgekocht, schmeckt genial‘, wird aus einer flüchtigen Idee eine Kaufentscheidung. Das nennen wir bei TikTok Discovery Commerce.“
Richtig spannend wird es an der Supermarktkasse. TikTok und Unilever diskutierten am Beispiel einer Knorr-Aktivierung, wie sich die Wirkung von Content bis dorthin messen lässt. Retailer-Insights und Closed-Loop-Measurement sollen Media-Investitionen mit inkrementellen Abverkäufen im Handel verbinden.
Das geht für dich: Behandle Content wie einen Regalplatz. Zeig deine Produkte im echten Einsatz und lass Creator:innen davon erzählen. Ob eine Social-Kampagne funktioniert, verraten dir die Abverkaufsdaten aus dem Handel besser als jede View-Zahl.
#6 Social oder AI Commerce? Beides
Wohin mit Budget und Aufmerksamkeit, Social Commerce oder AI Commerce? Darüber diskutierten die BVDW-Labs Social & Discovery Commerce und AI Commerce erstmals gemeinsam in der Masterclass „The Future of Commerce: Wer entscheidet morgen, was gekauft wird? Social, Discovery & AI Commerce im Realitäts-Check“. Bastian Scherbeck, Geschäftsführer von segmenta experience, hält wenig vom Entweder-oder: „Es ist nicht nur Social Commerce oder nur AI Commerce.“
Zur Orientierung stellten die Labs das neue AI-Commerce-Schichtmodell vor, das vom KI-optimierten Shop bis zu Agentic Commerce reicht. Im Panel „Trends in Commerce 2027“ erinnerte Clemens Bauer, CEO eCommerce der REWE Markt GmbH: „Unser großer Trend ist nach wie vor Omnichannel.“ Die neuen Kanäle bringen also zusätzliche Chancen, ohne die bewährten zu verdrängen.
Das geht für dich: Scherbeck rät zu einer kurzen Standortbestimmung: Woher kommt in deinen drei umsatzstärksten Kategorien der Kaufimpuls – Suche, Social oder KI? Kommt er vor allem aus Social, lohnt sich mehr Content mit Creator:innen. Reden KI-Agenten mit, gehört das Budget in Produktdaten und KI-Sichtbarkeit.
Fazit zu den Commerce-Trends 2027: Wer die Schnittstelle gestaltet, gewinnt
Kaufimpulse entstehen an immer mehr Orten, und immer öfter treffen Algorithmen die Vorauswahl. Wer die eigenen Produktdaten aufräumt, inspirierenden Content liefert und in KI-Antworten auftaucht, kann 2027 richtig durchstarten. Und die Frage von Vesselina Markova-Kauffmann? Den Kauf bringt der Impuls, der Kund:innen genau dort abholt, wo sie gerade stöbern, egal ob sie selbst suchen oder ihren Agenten losschicken.
Neugierig auf noch mehr Commerce-Trends und Highlights der DMEXCO 2026? Zahlreiche Sessions findest du in der DMEXCO Video-on-Demand-Library.
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