Braucht Cannes die Lions überhaupt noch?

Während über die Relevanz der Cannes Lions diskutiert wird, sind die Beach Houses, Dinner und Side Events ausgebucht. Das Festival ist längst mehr als seine Awards, aber kann es auch ohne sie bestehen?

Porträt von Verena Gründel
Bild: © Koelnmesse

Wo Cannes heute wirklich stattfindet

 

Bevor die Branche im September nach Köln reist, ruft nächste Woche erst einmal Cannes.

 

Schon an diesem Wochenende sitzen die ersten Marketer, Kreativen, Plattformmanager und Agenturchefs im Flieger Richtung Côte d’Azur. Und die meisten von ihnen – mutmaße ich – bekommen gar nicht mit, dass gerade intensiv über die Relevanz des Festivals diskutiert wird. Über Awards, Wirkung, Creative Impact, KI und Daten. Und natürlich auch über den Manipulationsskandal des vergangenen Jahres, bei dem eingereichte Leistungsdaten geschönt wurden.

 

Der Markt wandelt sich massiv und wie jedes Geschäftsmodell muss sich auch ein Awardfestival anpassen und gelegentlich neu erfinden. Deshalb überrascht es nicht, dass Cannes heute stärker über Business Impact, Effektivität und Wachstum spricht als über das berühmte Lametta vergangener Jahre, wie es die ehemaligen Kollegen von W&V nennen.

 

Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich viele Besucher:innen über diese Relevanzdebatte erstaunlich wenige Gedanken machen. Denn wenn wir ehrlich sind, reisen die meisten Menschen

 

nicht wegen der Awardverleihung nach Cannes. Sie reisen wegen der Menschen und der Networking-Möglichkeiten.

 

Und sie reisen auch wegen des Glamours, der Yachten und der romantischen Côte d’Azur. Die Strände und Gebäude rund um den Palais sind inzwischen so voll mit Anbietern, dass man fast den Eindruck gewinnen könnte, die Veranstaltung funktioniere auch ohne die Löwen. Zumindest für eine gewisse Zeit.

 

Die Side Events, Beach Houses, Dinner, Breakfast Sessions und Rooftop-Partys haben mittlerweile eine eigene Relevanz entwickelt. Viele Besucher haben nicht mal ein Ticket für das Festivalgelände. Braucht Cannes die Lions also überhaupt noch?

 

Das wäre sicherlich zu weit gegriffen. Denn der Kern einer Marke entsteht nicht durch die Nebenveranstaltungen. Er entsteht durch die Idee, für die sie steht. Würde der kreative Wettbewerb verschwinden, würde der Markenkern von Cannes langsam erodieren.

 

Vielleicht nicht sofort. Vielleicht nicht im ersten oder zweiten Jahr. Aber es würden weniger Kreative kommen. Es gäbe weniger Aufmerksamkeit und weniger Strahlkraft. Doch aktuell ist davon wenig zu spüren. Die Nachfrage nach Events, Treffen und Gesprächen ist groß.

 

Auch wir von der DMEXCO sind in Cannes vor Ort und hosten gemeinsam mit Partnern mehrere Veranstaltungen. Und was soll ich sagen: Alle sind bereits ausgebucht. Auch das zeigt die Relevanz. Aber eben auch die der Side Events.