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„Technologietrends sind schnell und unaufhaltsam“

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Philipp Schindler, SVP & Chief Business Officer, Google

Philipp, du kommst aus Düsseldorf, bist also selbst Rheinländer. Was meinst du, warum ist Köln ein guter Standort für die DMEXCO?

Köln ist ein wichtiger Business-Standort: starke Wirtschaft, gute Infrastruktur – hier steht alles auf Wachstum. Ich habe einmal gelesen, Köln sei die wirtschaftsfreundlichste deutsche Metropole in ihrem Größensegment. Dazu tragen natürlich auch die Messen bei, allen voran die DMEXCO. Die wichtigsten Entscheidungsträger aus dem Bereich Digital Business, Marketing und Innovation treffen hier aufeinander und tauschen sich aus. Ich freue mich, dass ich dieses Jahr dabei sein kann.

 

Was muss man mitbringen, um im World Wide Web so erfolgreich zu sein wie du?

Technik hat mich schon sehr früh begeistert, weshalb ich im Kindesalter mit meiner Spielkonsole herumexperimentiert habe. Ich war neugierig und wollte die Prozesse hinter den Dingen verstehen, ich war regelrecht besessen. Erfolg im World Wide Web erfordert Mut und eine Art Gespür für Innovationen – wenn man so will eine gewisse Risikobereitschaft. Gleichzeitig ist technisches Know-how wesentlich. Man muss viele Dinge testen ohne vorab wirklich hundertprozentig zu wissen, ob sie funktionieren.

 

Als Chief Business Officer und Vorstandsmitglied bei Google lebst du seit 2012 in den USA – wie beurteilst du die aktuellen Entwicklungen der digitalen Wirtschaft in Deutschland und Europa durch die amerikanische Brille?

Insgesamt entwickelt sich die digitale Wirtschaft in Deutschland etwas langsamer als in Amerika. Neue Technologien werden zeitversetzt adaptiert, Vorsicht und Skepsis sind in der deutschen Kultur tiefer verankert. Man hat Angst vorm Scheitern. Auch strukturell sind noch nicht alle Voraussetzungen gegeben, die digitale Infrastruktur ist ausbaufähig. Gleichzeitig sehe ich, dass in gewissen Bereichen aufgeholt wird und Fortschritte gemacht werden. Ein Beispiel: Die Deutschen lieben zwar ihr Bargeld, aber durch unsere G-Pay-Partnerschaften mit großen Banken wie der Commerzbank erleben wir ein Umdenken und beobachten einen Wandel. Privat etablieren sich Smart Speaker immer weiter. Generell glaube ich, dass Deutschland großes Potenzial hat: Dank hochqualifizierter Fachkräfte ist die technologische Kompetenz des Landes definitiv gegeben.

 

Die DSGVO hat hierzulande viele Unternehmen beschäftigt. Das Motto der #DMEXCO18 lautet “TAKE C.A.R.E.” und ist ein Appell an Anbieter wie Besucher, Verantwortung für die Digitalisierung zu übernehmen. Was bedeutet das für Google und die digitale Werbeindustrie?

Die Privatsphäre unserer Nutzer zu schützen, ihnen gegenüber transparent zu sein und ihnen Möglichkeiten geben, frei über ihre Daten zu entscheiden, hat für uns oberste Priorität. Diese Credos sind fest in unserer DNA verankert und finden sich in all unseren Produkten wieder. Wir investieren seit Jahren in die Privatsphäre unserer Nutzer und aktualisieren unsere Datenschutzrichtlinien immer wieder. Uns ist wichtig, dass Nutzer direkt einsehen, verstehen und kontrollieren können, wie wir ihre Daten verwenden. Die DSGVO bedeutet für die Nutzer mehr Transparenz, mehr Kontrolle und eine bessere Übertragbarkeit ihrer Daten. Wir wollen weiterhin Leader im Bereich Datenschutz der digitalen Werbebranche sein.

 

Wie beurteilst du die Zukunft der digitalen Werbung? Welche aktuellen Trends sind deiner Meinung nach vielversprechend?

Die Computertechnologie macht alle paar Jahre einen großen Umbruch durch: Von PCs über Web zu Mobile. Die nächste Entwicklung, die gerade ansteht, ist Machine Learning. ML lässt die Erwartungen der Nutzer steigen und stellt Marketers vor neue und unerwartete Herausforderungen.

Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen helfen Unternehmen dabei, genau diese neuen Nutzerbedürfnisse zu erfüllen. Für Marken stellen zum Beispiel Sprachassistenten einen zusätzlichen Kanal dar, Konsumenten auf neuem Wege zu erreichen und Serviceleistungen anzubieten. So können sie auf Entwicklungen im Konsumentenverhalten reagieren und der Nutzererwartung, den Alltag zu vereinfachen, gerecht werden.

 

Deine digitalen Wurzeln reichen bis Compuserve und AOL Deutschland. Die einstigen Pioniere und großen Player dürften den „digital natives“ von heute vergleichsweise wenig sagen. Was lehrt diese Erfahrung die Internetriesen unserer Tage?

Technoloigetrends sind schnell und unaufhaltsam, Innovationen wachsen exponentiell. Ob eine Innovation erfolgreich ist oder nicht, lässt sich nicht voraussagen – von niemandem. Ein wichtiger Aspekt besteht darin, Technik zu verstehen, aktiv mit ihr umzugehen und sie zu leben. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ständig auf technische Entwicklungen zu reagieren und sich auf neue Bedürfnisse einzustellen.

Ein Beispiel bietet die Medienbranche: Verlagshäuser wurden durch die Digitalisierung grundlegend verändert. Die Förderung von Journalismus, Medienunternehmen und Verlagen gehört seit vielen Jahren zu einer wichtigen Aufgabe bei Google. Unser gemeinsames Ziel: Zugang zu Informationen bereit zu stellen. Verlagshäuser sind unsere Partner und wir möchten sie dabei unterstützen, in der digitalen Welt erfolgreich zu sein. Aus diesem Grund haben wir Anfang des Jahres die Google News Initiative ins Leben gerufen.

 

Google hat zuletzt mehr als eine halbe Milliarde Dollar in den Alibaba-Konkurrenten JD.com investiert. Welche Rolle spielt die Partnerschaft mit Carrefour?

Wir verfolgen das Ziel, ein globales unterstützendes Einzelhandels-Ökosystem aufzubauen, das sowohl die Bedürfnisse der Verbraucher nach einem angenehmen und reibungslosen Einkaufserlebnis als auch der Einzelhändler berücksichtigt.

Wir möchten kleinen, lokalen Geschäften und großen Einzelhändlern dabei helfen, in einem wettbewerbsorientierten Umfeld erfolgreich zu sein. Hierfür geben ihnen Tools an die Hand, mit denen sie online wachsen können.

Bezogen auf unsere Partnerschaft mit Carrefour stellen wir unser Know-how, Zugang zu neuen Verkaufsplattformen wie zum Beispiel Sprachassistenten, die Cloud-Infrastruktur, KI- und Workforce-Tools bereit, um das Geschäft von Carrefour digital zu unterstützen. Wir profitieren dabei von Carrefours Expertise im Bereich Produkte, Logistik und Vertrieb.

Generell konzentrieren wir uns darauf, branchenübergreifend zum Erfolg beizutragen. Denn eine vielfältige Wirtschaft muss für alle gut sein: sowohl für die Industrie als auch für den Verbraucher.

Christoph Salzig (c) pr://ip
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