Tech-Trends 2027: Die wichtigsten Insights der DMEXCO 2026

KI wird zur Infrastruktur, AI Agents zu neuen Akteuren im Commerce und Daten zum Erfolgsfaktor: Auf der DMEXCO 2026 diskutierten Expert:innen, welche Tech-Trends das Jahr 2027 prägen werden. Diese fünf Entwicklungen solltest du kennen!

Ein Blick auf die Tech Stage mit Panelists, die die Tech-Trends für das Jahr 2027 besprechen.
Bild: © Koelnmesse GmbH / Jannes Schilling

Tech 2027: Aus Experimenten werden Strukturen

Wie kommt KI vom Experiment in den produktiven Einsatz? Welche Daten brauchen KI-Systeme? Wie müssen Shops aussehen, wenn künftig auch Agents dort einkaufen? Und was wollen wir überhaupt an Maschinen delegieren?

Mit diesen Fragen kam die Digitalwirtschaft zur DMEXCO 2026. Auf den Bühnen teilten die Expert:innen konkrete Erfahrungen, präsentierten Lösungsansätze und stellten manchmal auch die Frage hinter der Frage.

Eine zentrale Erkenntnis brachte David Ingram, Chief Experience Officer bei Rezolve Ai, im Panel „What’s Hot in Martech: Which Trends Will Matter in 2027?“ auf den Punkt: „KI ist kein Trend, sondern ein struktureller Wandel.“ Was das konkret bedeutet, wurde in vielen Sessions der DMEXCO 2026 deutlich.

Diese 5 Tech-Trends solltest du für 2027 kennen

#1 Infrastruktur wird „AI-ready“

Die Frage, ob Unternehmen KI einsetzen, gehört der Vergangenheit an. Entscheidend ist mittlerweile die Frage, wie tief KI in Systeme und Prozesse einzieht. Wie weit die Transformation bereits fortgeschritten ist, zeigt die AdTech-Branche. Im Panel „Inside Modern Adtech: How Digital Advertising Actually Works Today“ erinnerte Senga Powers von Adform daran, dass Programmatic Advertising ohne KI schon lange undenkbar sei. Neu sei vor allem ihre Rolle: Früher habe AI „behind the scenes“ gearbeitet, heute arbeite sie „next to us“.

KI wird damit vom unsichtbaren Bestandteil der Technologie zum aktiven Partner im Arbeitsalltag. Im Panel zu MarTech-Trends 2027 ging David Ingram noch einen Schritt weiter: Unternehmen müssten ihre Systeme und digitalen Angebote grundsätzlich auf diese neue Realität ausrichten.

Das geht für dich: Frage nicht nur, welches KI-Tool du noch einsetzen kannst. Prüfe, welche Prozesse und Systeme sich verändern müssen, wenn KI dauerhaft mitarbeitet.

#2 Keine KI ohne Daten

Was braucht es, damit KI im Unternehmen tatsächlich gute Ergebnisse liefert? Eine Antwort darauf klingt wenig spektakulär, ist aber entscheidend: gute Daten. In der Masterclass „AI won’t save you. Your data will. Inside the backbone of E.ON Deutschland’s communications“ erklärte Manuel Riegel, Senior AI Communications Manager bei E.ON, wie das in der Praxis aussieht. Seine Vorgabe für den KI-Einsatz im Unternehmen: „Keine KI ohne Daten.“

Gemeinsam mit Scompler schuf E.ON zunächst eine einheitliche Grundlage für Content-Planung, Workflows und Daten. Darauf können nun Datenprodukte und AI Agents aufsetzen.

Das geht für dich: Bevor du den nächsten KI Use Case skalierst, prüfe deine Datengrundlage. Sind die Informationen aktuell, strukturiert und für KI-Systeme nutzbar?

#3 Deine nächste Zielgruppe ist vielleicht kein Mensch

Websites und Online Shops werden bisher vor allem für Menschen gebaut. Das könnte sich ändern. Im Panel „What’s Hot in Martech: Which Trends Will Matter in 2027?“ formulierte Oksana Kulikova, Global Head of Marketing Technology bei METRO, eine zentrale Aufgabe für Unternehmen: Sie müssten agentische und generative KI-Tools ebenso orchestrieren wie die menschliche Suche.

Warum das wichtig wird, verdeutlichte Lara Sophie Bothur in ihrer Keynote auf der Tech Stage. In ihrer Analyse zu acht Tech-Psychology-Trends verwies sie auf Studienergebnisse, denen zufolge 32 Prozent der Menschen bereit seien, KI entscheiden zu lassen, was sie kaufen.

Damit entsteht eine neue Frage für Marken: Wie bleibst du sichtbar, wenn nicht mehr nur Menschen, sondern auch deren Agents suchen, vergleichen und vorauswählen?

Das geht für dich: Betrachte deine digitale Präsenz aus Sicht eines KI-Systems. Kann es deine Angebote finden, verstehen und in seine Entscheidungen einbeziehen?

#4 Je smarter die KI, desto wichtiger wird menschliche Agency

Technologische Revolutionen verändern nicht nur, was Menschen tun können. Sie verändern auch, wie sie denken, fühlen und entscheiden. Lara Sophie Bothur sprach deshalb von einer psychologischen Revolution, die jede technologische Revolution begleitet.

In ihrer Keynote „Dear Future – What kind of world are we building?“ identifizierte sie acht Entwicklungen von Emotional Outsourcing und Synthetic Relationships über den Trust Gap bis zum Authenticity Problem. Besonders aufschlussreich ist ihr „Agency Paradox“: 74 Prozent würden Routineaufgaben an einen AI Agent delegieren. Gleichzeitig stellt sich mit jeder neuen Fähigkeit der Technologie dringlicher die Frage, was wir nicht delegieren wollen.

Lara Sophie Bothur lieferte mit ihrer Session einen eindrücklichen Denkanstoß: Wenn Maschinen immer mehr Informationen verarbeiten, liegt eine menschliche Stärke vielleicht gerade darin, auszuwählen, Grenzen zu setzen und der eigenen Intuition zu folgen.

Daraus ergibt sich auch für Marken eine spannende Konsequenz. Lässt sich Content beliebig generieren und perfektionieren, könnten menschliche Haltung und sogar Imperfektion wieder stärker als Signale für Authentizität wirken.

Das geht für dich: Definiere nicht nur, was KI übernehmen soll. Lege auch fest, wo menschliche Urteilskraft, Verantwortung und Vertrauen unverzichtbar bleiben.

#5 Payment Tech macht den Commerce bereit für Agents

Wenn AI Agents künftig nicht nur Produkte finden, sondern auch Käufe ausführen, braucht es dafür die passende technologische Infrastruktur. Eine Schlüsselrolle spielt dabei Payment Tech.

Carola Wahl von PayPal zeigte in ihrer Session „Payments: Die unsichtbare Infrastruktur hinter intelligentem E-Commerce“, wie stark sich Payment bereits verändert. Bezahlen ist längst nicht mehr nur der letzte Schritt im Checkout. Embedded Payments verbinden finanzielle Prozesse zunehmend nahtlos mit dem Commerce-Ökosystem. Im Idealfall nehmen Kund:innen den Bezahlvorgang kaum noch als eigenen Schritt wahr. Gleichzeitig kann die Technologie im Hintergrund Conversion, Cashflow und effizientere Abläufe unterstützen.

Mit Agentic Commerce bekommt diese Entwicklung eine neue Dimension. Wenn nicht mehr nur Menschen einkaufen, muss auch die Payment-Infrastruktur für maschinell angestoßene Transaktionen funktionieren. David Ingram nannte funktionale E-Commerce-Plattformen für Agents und Digital-First-Payments deshalb als wichtige Voraussetzungen für die nächste Commerce-Generation.

Damit verändert sich mehr als der Checkout. Suche, Produktauswahl, Kauf und Bezahlung können enger zusammenrücken und teilweise von Agents übernommen werden. Auch die Finalists der „Young Innovator Challenge 2026“ dachten Discovery und Conversion bereits zusammen: Ein Team verband für Coca-Cola Snapchat mit NeoTaste, das andere entwickelte für Rituals eine personalisierte digitale Produktauswahl. Payment Tech wird damit zu einem Teil der Infrastruktur, die einen nahtlosen, zunehmend automatisierten Commerce erst ermöglicht.

Das geht für dich: Betrachte Payment nicht erst am Ende des Checkouts. Prüfe, ob deine Payment- und Commerce-Infrastruktur auch dann funktioniert, wenn künftig AI Agents Teile des Kaufprozesses übernehmen.

Fazit: Tech-Trends 2027 – Aus KI wird Infrastruktur

Die Expert:innen auf der DMEXCO haben viele der Fragen beantwortet, die die Digitalwirtschaft mit Blick auf 2027 beschäftigen. Die Sessions beleuchteten, welche Infrastruktur KI braucht, warum Daten zur Voraussetzung werden, wie sich digitale Angebote für AI Agents verändern, weshalb Menschlichkeit wichtig bleibt und welche Rolle Payment Tech im Agentic Commerce spielen wird.

Du möchtest tiefer in die Tech-Trends 2027 einsteigen und die Erfahrungen und Denkanstöße der Expert:innen selbst hören? Die Panels und Masterclasses sowie viele weitere Sessions findest du in der DMEXCO On-Demand Library.

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