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Facebook, Instagram, YouTube: Duell der Videoplattformen

Facebook, Instagram, YouTube: Duell der Videoplattformen

YouTubes Marktmacht im Videosektor schien lange unangreifbar. Konkurrenten wie Vimeo sind schließlich um ein Vielfaches kleiner. Vor allem Facebook aber sägt an YouTubes Thron: Zuerst mit einer Bewegtbild-Offensive auf der eigenen Plattform, nun mit „IGTV“ auf Instagram. Und plötzlich ist es gar nicht mehr so einfach zu sagen, wo man denn nun in Sachen Video aktiv sein sollte.

YouTube: Der Meister der Massen

Wenn es um schiere Größe geht, führt weiterhin kein Weg an YouTube vorbei. Die offiziellen Statistiken werden von Jahr zu Jahr Schwindel erregender: So werden inzwischen täglich Videos mit einer Gesamtdauer von einer Milliarde Stunden auf YouTube abgespielt. Das sind knapp 115.000 Jahre. Pro Tag.

Die Stärke des “Video-Urgesteins” liegt im Longtail. YouTube ist zudem nach Google die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Aus diesem Grund können Videos hier auch Wochen, Monate oder gar Jahre nach der Veröffentlichung noch neue Zuschauer finden. Und das passiert allein schon deshalb, weil diese Videos natürlich bei passenden Google-Suchen auftauchen.

YouTube hat es über die Jahre andererseits kaum geschafft, sich als Community zu positionieren. Es gibt immer mal wieder versuchsweise neue Features, damit Kanalbetreiber auch zwischen den Videos mit ihren Followern kommunizieren können. Nur scheint das noch nicht so recht gezündet zu haben.

Trotzdem gilt: Wer Nutzer erreichen möchte, die gezielt nach einem Thema oder einer Fragestellung suchen, ist hier bestens aufgehoben. Und du kannst dir zugleich eine Followerschaft aufbauen. Dazu braucht es aber eine klare Strategie, passend aufbereitete Inhalte und kontinuierliche Arbeit.

Facebook: Der Meister des Social Web

In Sachen Größe legt Facebook noch einmal eine Schippe drauf, zumindest wenn man sich die reinen Nutzerzahlen anschaut. 2,2 Milliarden monatlich aktive Nutzer wurden zuletzt vermeldet. YouTube verweist in seinen offiziellen Statistiken auf 1 Milliarde Nutzer – ohne weiter aufzuschlüsseln, wie viele davon mindestens einmal pro Monat aktiv werden.

Insofern hat Facebook eine gute Ausgangsposition und viele Unternehmen sind hier ohnehin bereits präsent. Es zeigt sich allerdings zugleich, dass Größe allein nicht ausreicht. Das Videoportal „Facebook Watch“ scheint jedenfalls nicht so recht in Schwung zu kommen. Was aber weiterhin gut funktioniert, sind Videos im Rahmen einer generellen Content-Strategie auf Facebook.

Ein wesentlicher Unterschied zu YouTube: Die Nutzer suchen hier nicht gezielt nach Inhalten. Stattdessen kommen die Inhalte auf verschiedenen Wegen zu Ihnen: Weil sie beispielsweise einer Seite folgen oder weil ein Facebook-Freund ein Video teilt, liked oder kommentiert.

Hier baust du dir also nicht wie bei YouTube ein Bewegtbild-Portfolio auf. Vielmehr geht es darum, die Reichweite von (Live-)Video zu nutzen, um deiner Facebook Page zu helfen. Und nicht zuletzt kannst du hier über Facebook Ads auch sehr zielgerichtet neue Zuschauer für deine Videos erreichen.

Instagram: Der Meister der Influencer

Bereits seit 2013 arbeitet Facebooks Instagram daran, auch zur Video-Plattform zu werden. Gerade einmal 15 Sekunden Bewegtbild waren anfangs möglich. Das hat sich über die Jahre immer mehr gelockert. Und nun hat man in einer kunterbunten Show in San Francisco das Angebot „IGTV“ enthüllt. Bis zu einer Stunde lang können die Videos hier nun sein – im Hochkantformat wohlgemerkt.

Instagram ist neben YouTube die Hochburg der „Influencer“. Je nach Thema waren die Überschneidungen hier bereits stark. Da scheint es nur logisch aus Instagrams Sicht, selbst zum Videoportal zu werden.

Instagrams Angebot ist dabei ganz auf die mobile Nutzung ausgelegt. Das zeigt nicht nur das Hochkantformat: Sobald du IGTV aufrufst, startet das erste Video – kein Suchen, kein Auswählen. Das ist genau richtig für die kurze Ablenkung zwischendurch. Mit einfachen Wischgesten wechselt man zum nächsten Video oder Kanal.

Noch ist nicht klar, was die Erfolgsfaktoren auf IGTV sein werden oder ob das Angebot überhaupt richtig abhebt. Zu vermuten ist allerdings, dass kürzere Videos tendenziell besser ankommen werden. Also lieber ein Gedanke, eine Idee oder einen Tipp pro Video und nicht gleich ganze Anleitungen, wie sie auf YouTube zu finden sind.

Fazit

Natürlich wird IGTV von vielen als „Angriff auf YouTube“ tituliert. Und da ist auch etwas dran. Immerhin sagt YouTube selbst, dass mehr als die Hälfte der Abrufe über Mobilgeräte kommen, obwohl das Videoportal darauf mehr schlecht als recht vorbereitet ist. Instagram hingegen setzt voll und ganz auf die Generation Mobile. Und das könnte ihnen helfen, wenn sie denn die „Influencer“ und „Creator“ für sich begeistern können.

Letztlich zeigt sich aus dem Blickwinkel von Unternehmen, dass die drei Angebote sehr unterschiedliche Charaktere haben. Das bedeutet zum einen, dass es kaum sinnvoll erscheint, denselben Video-Inhalt mehrfach zu verwenden. Zum anderen heißt es, dass man hier unterschiedliche Zielgruppen in unterschiedlichen Situationen erreicht. Insofern kann man seine Inhalte sehr viel gezielter darauf ausrichten.

Jan Tißler (c) Uplaod Magazin
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