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Nachhaltiges Wirtschaften: 3 Fragen an den Zukunftsforscher Eike Wenzel

Zukunftsforscher Eike Wenzel über die Digitalisierung als Baustein zur Klimaneutralität.

Eike Wenzel ist Leiter des Instituts für Trend- und Zukunftsforschung (ITZ) und gehört dem Nachhaltigkeitsrat der Baden-Württembergischen Landesregierung an.

Kann nachhaltigeres Wirtschaften dazu beitragen, für kommende Krisen besser gewappnet zu sein?

Nachhaltigkeit ist ja ein fast schon schwammiger Begriff. Aber eigentlich meint er nichts anderes als: Wir sollten nur die Ressourcen einsetzen, die zur Verfügung stehen. Und wenn wichtige Ressourcen immer knapper werden, müssen wir nach intelligenten Wegen suchen, diese Ressourcen zur Verfügung zu stellen oder sie zu ersetzen. Ein solches Verhalten würde uns in den nächsten Jahren und ähnlichen Krisen sehr weiterhelfen. Wir müssen akzeptieren, dass wir Wachstum nicht mehr entgegen planetarer Grenzen erzeugen können. Ich bin aber optimistisch, weil viele Unternehmen das mittlerweile verstanden haben und auch die Verbraucher veränderungsbereit sind. Nun muss noch die Politik nachziehen, denn ihre Aufgabe ist es, die Leitplanken für diese große Transformation zu setzen.

Was können digitale Unternehmen unmittelbar tun, um klimaneutraler zu wirtschaften?

Es ist offensichtlich, dass Digitalisierung enorm zu Klimaneutralität beitragen kann. Aus meiner Arbeitspraxis heraus würde ich sogar sagen: Ohne die Digitalisierung ist ein Prozess wie die Energiewende überhaupt nicht vorstellbar. Und in unserem Alltag hat sich ebenfalls gezeigt, dass Digitalisierung selbst über eine schnell hereinbrechende Krise wie die Pandemie hinweghilft.

Zum Beispiel beim Wechsel ins Home Office. Denn acht Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes gehen auf den Arbeitsweg zurück. Grundsätzlich gilt: Der Megatrend Digitalisierung wird in den kommenden Jahren entscheidend dafür sein, dass es uns gelingt, immer mehr Nutzung von nicht-regenerativen Ressourcen durch Technik zu ersetzen. Mobilität ohne Verbrennungsmotoren, sondern digital gesteuert und autonom mit E-Autos. Gemüseanbau ohne Landnutzung (Vertical Farming). Überall dort ist Digitalisierung (Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz, P2P) essenziell.

Wo sollte Deutschland beim Thema nachhaltige Unternehmensführung 2021 stehen?

Als Perspektive bis 2030 sprechen wir von einer digitalen Nachhaltigkeitsgesellschaft. Diese Transformation bedeutet auch: raus aus der alten Ökonomie von Kohle und Erdöl (die beide jetzt auch schon von den Finanzmärkten abgeschrieben werden). Dieser Wandel ist ein großes Wagnis, verspricht aber einen enormen Entwicklungssprung für alle Branchen. Unsere Gesellschaft bekommt ein neues Betriebssystem. Unternehmer und Verbände fordern aktuell von der Politik, für diesen „New Deal“ endlich Leitlinien zu definieren. Alle haben es verstanden, wir müssen es jetzt nur endlich tun.

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